! « mußte unter dem Hohngelächter des Volks zurückgebracht werden . Die Entscheidungsstunde schlug . Nach einer Stunde waren in Berlin gegen 300 Barrikaden errichtet und 40 Feuerschlünde schleuderten Tod und Verderben unter die wackern Kämpfer , welche hinter ihnen standen . - - - - Alice eilte nach Hause , um sich in ihre Männerkleidung zu werfen . Unmittelbar nach der oben geschilderten Scene zwischen Lydia und Salvador trat sie ins Zimmer . Ein Blick auf Lydia , welche ihre Verwirrung nicht zu verbergen vermochte , belehrte sie , daß Etwas in ihrer Abwesenheit vorgefallen sein mußte , das zu ergründen sie auf eine gelegenere Zeit verschieben mußte . - Mach Dich doch zurecht , mir zu folgen , Salvador - gebot sie . - Du , Lydia , schließe die Thür und gewähre Niemandem , wer es auch sein mag , Einlaß . - - - Hört Ihr den Kanonendonner ? Ha , der Tanz hat schon begonnen , und ich bin noch immer nicht im Festkleide , um daran Theil nehmen zu können . - Um Gotteswillen , was willst Du thun , Alice ? - fragte Lydia voller Angst . - Salvador , meine Pistolen ! Sind sie geladen ? - Ja . - Gut . Jetzt wirf mir den Mantel über . Beunruhige Dich nicht , Lydia . Was wir in Wien versäumt haben , holen wir hier nach - sagte lachenden Mundes Alice , indem ihr Herz ungestüm pochte . - Die Revolution bricht los , mein Kind . - Revolution ? - jammerte händeringend Lydia . - Und Du willst hinaus in den Kampf . O , ich beschwöre Dich , Alice , bleib ! Was soll ich anfangen ohne Dich . Ich ängstige mich hier zu Tode . - Du bist eine Närrin , meine Lydia . Aber Du hast recht . Allein darfst Du nicht bleiben . Ich werde Salvador zurücklassen . Salvador wußte nicht , ob er sich darüber freuen oder betrüben solle . Er legte schweigend seine rothe Schärpe ab , setzte sich wieder auf die Bank und nahm in scheinbarer Gleichgültigkeit seine Zither zur Hand . Diese bei Salvador unerklärliche Folgsamkeit , noch mehr aber die dunkle Röthe , welche urplötzlich Lydias Wangen überzog , machte Alice stutzig . Sie blickte auf Beide mit unverhehltem Erstaunen herab . Im nächsten Augenblicke jedoch lachte sie über ihre Vermuthung , hüllte sich tiefer in ihren Mantel und eilte leichten Schrittes die Treppe hinab . Sie schritt rasch über den Opernplatz und den Lustgarten nach der Friedrichsbrücke zu , zuweilen mitten durch das Militair hindurch , das ja den Unbewaffneten passiren ließ . Die Friedrichsbrücke , sowie die Herkulesbrücke waren bereits verbarrikadirt , die erste von Studenten , die zweite von Arbeitern vertheidigt . Als sie die Barrikaden überstieg , wurde sie sogleich umringt . - Sie sollen uns anführen - hieß es . - Ich danke Euch , Freunde , das kann ich nicht annehmen . Aber wer kommt mit nach der » Neuen Wache ? « Bald hatte sich eine zahlreiche Schaar um sie versammelt , welche von Schritt zu Schritt sich vermehrte und wie eine Lavine anwuchs . Die » Neue Wache « liegt am Neuen Markt . Unterwegs fragte sie nach Ralph . Aber Niemand hatte ihn gesehen . Als sie bei der » Neuen Wache « anlangten , war das in der Nähe befindliche Militair , etwa 25 Mann stark , unter ' s Gewehr getreten und entschlossen , seinen Posten zu vertheidigen . Alicens Schaar mochte etwa einige 50 junge Leute betragen , aber nur 5 davon , darunter Alice selber , waren bewaffnet , die meisten hielten nur Stöcke in den Händen , die Uebrigen waren völlig waffenlos . Alice stellte ihre Leute auf und fragte sie , ob sie entschlossen wären , ihr zu folgen . - Bis in die Hölle - scholl es ihr entgegen . - So kommt ! Im gemessenen Schritt rückten sie auf die Soldaten an . Der Unterofficier , welcher sie befehligte , commandirte : » Fertig ! « Die Hähne knackten . Da rief ihnen Alice , welche nur noch etwa 20 Schritte von den Soldaten entfernt stand , zu : » Ein Schurke , wer auf seine Brüder schießt . Wer die Waffen niederlegt , kann frei abziehen . Entschließt Euch ! « Zugleich ließ sie ihre Schaar einen weiten Halbkreis um die Soldaten schließen . Die Soldaten schwankten . Auf einen Wink von ihr sprangen die die Endpunkte des Halbkreises bildenden Arbeiter den Soldaten in die Flanke . So von drei Seiten zugleich angegriffen , wagte der Unterofficier nicht mehr » Feuer « zu kommandiren - und die Soldaten streckten ihre Gewehre . Es wurde ihnen versprochener Maßen freier Abzug gewährt und in wenigen Minuten war die Wache vom Keller bis zu den Bodenräumen hinauf demolirt . Die Bänke , Tische , Stühle , Tonnen und sonstiges Holzgeräth wurde aus dem Fenster geworfen , als brauchbares Barrikadenmaterial . Der beste Fund aber bestand in 200 Säbeln , welche in mehreren Kisten auf dem Boden gefunden wurden . Schnell waren sie vertheilt . Alice eilte nun der Königsstraße zu . Auch hier wußte man nichts von Ralph . - Schrecklich wär ' s , säße er noch in seiner Zelle - dachte sie bei sich - doch das ist ja nicht möglich . Steiger hat mir ja versprochen , ihn zu befreien . Sie schritt weiter über den Mühlendamm nach dem Petriplatze zu . - Da endlich sah sie Ralph im fürchterlichsten Kartätschenhagel ruhig auf der Barrikade stehen . Einen Freuderuf ausstoßend , sprang sie auf ihn zu . - - X In einer kleinen , feuchten , dunklen Zelle der » Hausvogtei « mit der Aussicht auf ein Stück blauen Himmels , das durch die querlaufenden Eisenstäbe des zwei Fuß im Gevierte messenden » Fensters « in viele kleine Carrees zerschnitten wurde , saß auf seiner Pritsche der arme Ralph . Sein Kopf stützte sich