voll tiefem Glauben an göttliche Führung , daher voll tiefer Ueberzeugungen und gewappnet zu jedem Kampf ; stolz genug um stets das Bewußtsein festzuhalten , daß er seinen Weg erkannt habe und verfolgen müsse , und wenn auch nicht Einer dies anerkenne ; aber nicht eitel genug um im Selbstvertrauen eine Bürgschaft zu finden , daß seine Kräfte ausreichen würden für die Mühsale des Weges . Astrau dem Beifall der Welt entrückt , würde vielleicht ohne poetische Inspiration geblieben sein und gewiß nicht das Bedürfniß gehabt haben sich ihr hinzugeben . Er behauptete zum Improvisator oder zum Schauspieler geboren zu sein , da nichts ihn so anfeure und belebe als die elektrische Spontaneität der geistigen Berührung zwischen einem solchen Künstler und der bewundernden , hingerissenen , athemlosen Menge . Sedlaczech würde in der tiefsten Einsamkeit die mächtigsten Inspirationen gehabt und sich durch sie beseligt gefühlt haben , wenn auch deren Blüten , seine Schöpfungen , nie für ein menschliches Ohr erklungen wären . Jener lechzte nach Lob und Schmeichelwort ; dieser wehrte kühl auch den geringsten Ausdruck des Beifalls ab . Astrau wollte die volle Huldigung der Zeitgenossen , Sedlaczech schmachtete nach dem Ruhm der Nachwelt . Jener sagte : » Wer die Gegenwart beherrscht indem er ihrer Gesinnung den entsprechenden Ausdruck leiht , und die in ihr gährenden Elemente in eine klare feste Form gießt , welche sich jedem Auge als das tausendmal geträumte Bild befreundet entgegenstellt : der ist der König seiner Zeit , und es ist gleichviel ob eine spätere ihn dafür anerkennt .... da ohnehin die frühere es nicht kann . Für eine Epoche ist der Mensch geboren , drum soll er sie füllen wenn er es vermag . Das ist sein ächter lebendiger Ruhm . Der todte Nachruhm ferner Jahrhunderte beweist sehr häufig daß der Berühmte seine Zeit und seine Mission nicht verstanden hat . « Sedlaczech sagte gelassen als ob es sich um die einfachste Sache der Welt handle : » Ich bin nur durstig nach Unsterblichkeit und nach dem Bewußtsein daß ich gestrebt habe als ob ich sie verdiente . « » O ! rief ich dazwischen , wie seid Ihr glücklich , Ihr Beide , daß Ihr eine Idee habt , welche Euch in jedem Moment beseelt - welche Ihr mit jedem Athemzug verfolgt - woran Ihr Eure Seele unabtrennbar vor Anker gelegt habt , so daß Ihr nie in der Irre auf diesem ungeheuren Ocean umhertaumelt den man Leben nennt ! .... Ihr wißt was Gott mit Euch will ! Ihr lebt seine Idee in Euch aus ! sei das nun groß oder klein , viel oder wenig , hoch oder niedrig in den Resultaten - einerlei ! Ihr verfolgt Euer Ziel . Astrau will den Genuß , Sedlaczech will das Streben .... o Ihr Beneidenswerthen ! - Was will denn ich ? Was will denn Gott mit mir ? .... Nichts , nichts und abermals nichts . Und so verfalle ich denn auch dem Nichts . « » Und Sie wähnen zu lieben , Sibylle ! rief Otbert heftig bewegt . Ein Weib das liebt hat nie gefragt was Gott sonst noch mit ihm wolle . « » Auch ich werd ' es lernen ohne zu fragen , Otbert ! sagte ich herzlich und gab ihm die Hand . Es ist nur so schwer sich von alten Gewohnheiten loszumachen . « Als Otbert mir aber in Folge dieses Gesprächs vorwarf ich hätte mehr Theilnahme für Sedlaczechs Lebensanschauung als für die seine an den Tag gelegt , so beschloß ich diesen Quälereien ein Ende zu machen und Letzterem offenherzig zu sagen um was es sich handle . Ich that es . » Lieber Meister ! sagte ich , ich weiß nicht ob Sie wissen daß die Männer wunderliche Grillen haben und daß vor allen Anderen die Liebenden sich darin hervorthun . « » Inwiefern könnten Graf Astraus Grillen mich betreffen ? « fragte Sedlaczech trocken . » Grade Sie ! entgegnete ich tödtlich verlegen und daher mit erzwungener Munterkeit . Er findet Sie zu liebenswürdig um neben Ihnen seiner eignen Liebenswürdigkeit gewiß zu sein und das beklemmt ihn . « Sedlaczech legte seine seltsamen Augen mit einem langen Blick auf mich , sagte dann ruhig : » So leben Sie denn recht , recht wol und in eine glückliche Zukunft hinein ! « - schüttelte mir die Hand und wollte gehen . » Aber wohin werden Sie denn gehen ? rief ich beängstigt . Und soll ich nichts von Ihnen hören und Sie nicht wiedersehen ? Ach Gott ! Sie sind mir wie ein Vermächtniß meiner lieben Todten .... ich hätte so gern mit Ihnen fortgelebt wie bisher . « » Ich auch ! sagte er traurig , setzte dann aber gleich freundlich hinzu : Einem großen Glück müssen kleine Opfer gebracht werden , theure Sibylle : halten Sie das recht fest jezt , da Sie in neue Verhältnisse treten , und lassen Sie getrost alles Unwesentliche , wodurch es gestört werden könnte fallen . « » Also glauben Sie doch wirklich an ein großes Glück für mich ! rief ich hofnungsfreudig . Ich gestehe Ihnen mir schien zuweilen als ob Sie daran zweifelten . « » Kein Mensch begreift ein fremdes Glück ! das Paradies des Einen würde des Andern Hölle sein . Daß ich Ihr Glück inbrünstiger wünsche als irgend Jemand - das weiß ich .... sonst nichts ! - Ich denke nach Rom zu gehen , setzte er abbrechend hinzu , um die neue römische Kirchenmusik kennen zu lernen , da man die alte vielleicht nirgends seltner hört als dort - in der Charwoche ausgenommen . Ich habe viel zu arbeiten , zu studiren , zu vollenden , und ich denke es wird mir wol gehen in der Heimat Palestrinas . « » Aber wie .... womit .... werden Sie leben ? « fragte ich schüchtern . » Wie sonst ! ich habe ja meine alten Hülfsmittel und überdas wenig Bedürfnisse . Ich habe mein Leben nicht darauf