des ewigen Liebesgewinsels , der kleinlichen Eifersuchtsscenen müde , wir wollen größere Motive , weil unsere Zeit größere Zwecke hat . Wie sehr man dies überall empfindet , bemerkte Theophil , dafür zeugt ja gerade , daß man nach neuen Dingen greift . Die Aufführung des Sommernachtstraums , des gestiefelten Katers , die Wiederbelebung des Sophokles , die Versuche , die man mit Terenz und Plautus angestellt hat , die alle bürgen dafür , daß man etwas Anderes , etwas Neues erstrebt . Etwas Anderes , das ist wahr , sagte der Präsident , etwas Neues nicht . Oder nennen Sie Terenz und Plautus neu ? - Ich gehöre gewiß nicht zu den Neuerungssüchtigen , die ohne Kenntnisse der Staatsverhältnisse , ohne Kenntniß der Staatsverwaltung überall Reformen verlangen . Ich bin Beamter und kenne die Schwierigkeiten , die sich dem raschen Verlangen der sogenannten Liberalen entgegensetzen . Ich bin ihnen in vielen Beziehungen abgeneigt , ihren Bestrebungen entgegen , aber deshalb verkenne ich nicht , daß sich die Zeit und die Gesinnung der Menschen nicht künstlich oder gewaltsam zurückschrauben lassen . Das Alte , das man uns bietet , ist schön , es war doppelt schön , als es zeitgemäß war ; aber die Alten haben ihre Dichter geehrt , ihnen Raum zu freier Entwicklung gegönnt , als sie lebten ; so ahme man ihnen darin nach und gebe den Lebenden , was ihnen gebührt , das freie Wort vor ihrem Volke von der Bühne , und Dank und Ehre , wenn sie es schön gesagt . Theophil stimmte ihm bei und der Präsident fuhr fort : Das Theater , wie es jetzt beschaffen ist , ist das unerfreulichste , nutzloseste Institut von der Welt . Ueberall regt sich Leben , überall Fortschritt ; nur im Theater , das in Deutschland Millionen verschlingt , bleibt es bei dem sogenannten guten Alten , das so schlecht ist . Man sollte die Pforten weit aufmachen , damit das Tageslicht , damit die Strahlen der Zukunft auch dahineinfallen und die letzte Vergangenheit hineindringen könne . Die Schweizer , welche ihr Leben in den Tuilerien einbüßten , liegen unserer Theilnahme näher als die Spartaner , die bei Thermopylä fielen ; Mirabeau zieht uns lebhafter an als Demosthenes . Friedrich der Große und Blücher sind unserm Herzen theurer , würden ganz andere Begeisterung hervorrufen als irgend ein Held aus den längstverwichenen Jahrhunderten . Hätten diese ebenfalls die sonderbare Scheu vor der Gegenwart und die unwandelbare Anhänglichkeit an die Vergangenheit gehabt , die man jetzt an den Tag legt , so hielten wir noch bei dem ersten Liede , das irgend ein Schäfer auf der Flöte blies , und könnten uns an den ursprünglichsten Rhapsodien ergötzen , die vielleicht auch ihre Reize gehabt haben mögen . Bei diesen Worten erhob sich der Präsident , um sich in die Gesellschaft zu begeben , in der ihn Eva erwartete . Theophil und Therese blieben allein zurück , und so sehr sie sich sonst mit einander zu unterhalten liebten , heute wollte trotz Theresen ' s Bemühungen kein rechtes Gespräch in Gang kommen . Theophil schien zerstreut , antwortete einsylbig , so daß seine Freundin ihn endlich um den Grund seiner Mißstimmung befragte . Es ist eine tadelnswerthe Schwäche , sagte er , daß ich mein Gefühl so wenig verbergen kann , denn ich wollte es Ihnen eigentlich nicht zeigen , daß Sie mir heute wehe gethan haben . Ich ? Ihnen wehe gethan ? fragte Therese , wie ist das möglich ? Doch ! versetzte er . Wie wenig müssen Sie mich kennen , wie wenig müssen Sie mich einer nähern Beachtung werth gehalten haben , wenn Sie zu glauben vermögen , daß Frau von Barnfeld und ich zu einander gehören ! Scheine ich Ihnen denn so ganz oberflächlich , so ohne allen tiefern Gehalt zu sein ? fragte er im Tone des Vorwurfs . Das nicht , antwortete Therese , dafür bürgt Ihnen die lebhafte Freundschaft , die ich für Sie fühle und die ich Ihnen offen entgegentrage . Aber Eva steht Ihnen im Alter gleich , Ihre Eltern wünschen , daß Sie sich bald zu einer Heirath entschließen , ich halte Eva für gut und bildungsfähig ; da konnte mir leicht ein solcher Gedanke kommen , gerade weil Sie alle Beide mir werth sind . Eva ' s Heiterkeit würde Sie zerstreuen ; das Gefühl , einer des Schutzes durchaus bedürftigen Frau diesen Schutz zu gewähren , würde Sie selbst stärken ; und reich , wie Sie Beide es sind , würden Sie jeder Sorge um das Dasein enthoben sein . Ist das Ihre wirkliche Meinung ? fragte Theophil , glauben Sie , daß ich um irgend eines äußern Vortheils willen mich zu einer Ehe entschließen könnte ? - Und Gleichheit des Alters , was bedeutet die , wenn die Seelen sich nicht verstehen ? Er hielt eine Weile inne , dann sagte er : Ich habe geliebt , ich habe den höchsten Grad der Leidenschaft kennen gelernt , deren ich fähig bin ; wie eine Gottheit habe ich ein junges Mädchen angebetet und sie hat mich getäuscht . Das hat mich mißtrauisch gegen mich selbst gemacht , ich bin eben keine Natur , die Liebe erweckt . Man kann mir gut sein , mich achten , und mehr begehre ich auch nicht . Ich kann Niemand beschützen , ich verlange nach einer Seele , an die ich mich lehne , denn das Leben macht mich müde ; es ist mir eine Arbeit und keine Lust . So wie jetzt mit Ihnen zu sein , an Ihrem milden und doch so starken Geist mich zu erheben , Sie und Ihr Wirken täglich vor Augen zu haben , das macht mich froh und stärkt mich mehr , als alle Arzneien des Doctors . Schicken Sie mich nie von sich , Therese , denn ich würde nicht gehen . Er sprach die letzten Worte mit einer Bewegung , die Therese überraschte , weil sie nicht wußte , wie