» die Hobelspäne , und somit ist Ihre Beobachtung eine sehr richtige . « » So ist es , mein Herr Graf von Bitterfeld « , antwortete Mannlich mit einer fast geringschätzenden Miene . » Wenn uns alle Bildung feiner macht « , sagte in seiner trockenen Weise jener Hülftätige , » Professor Emmrich , so müssen wir freilich gehobelt werden , aber , was zu wünschen ist , von geschickter Hand , damit nicht unsere Stärke selbst mit in die Späne geht . Die Ausbildung so vieler besteht darin , daß sie ganz aus der Menschheit hinausgebildet werden , wie dort das kleine , zu fein gedrechselte Wandschränkchen , an das man nur drücken dürfte , um es völlig zu vernichten . « Leonhard sah mit prüfendem Auge nach dem Möbel , und da er ihm ziemlich nahe saß , konnte er es nicht unterlassen , aufzustehen , um es ganz in der Nähe zu untersuchen , indes Mannlich etwas hochfahrend antwortete : » Der Herr Professor Emmrich kann es doch nie unterlassen , witzig zu sein . Brechen wir aber diese Tischler-Gleichnisse ab , in die wir geraten sind , ich weiß nicht wie . « Bei dem Worte Tischler eilte Leonhard , indem er sein Erröten fühlte , zu seinem Sitze zurück . Mannlich , der seine Schlußworte mit einem belobenden Lächeln begleitete , indem er sich zum Professor wendete , fuhr nun so fort : » Man hat mir die Ehre erzeigt anzunehmen , daß mein schwaches Talent für die Darstellung des Götz , des Hauptcharakters , nicht ganz ungeeignet sei . Mein Jugendfreund , Baron Elsheim , wird nach unserem Übereinkommen die schwierige Rolle des Weislingen übernehmen , ich bin überzeugt , sein schönes Talent , sein edles Sprachorgan , sein Gefühl werden diese Darstellung zu etwas Außerordentlichem erhöhen . « » Rühme mich nicht vor der Zeit , mein Freund « , rief Elsheim aus , » du möchtest sonst die Rechnung machen ohne den Wirt . « » Weil ich dich kenne , spreche ich so « , erwiderte Mannlich . » Die höchst schwierige , aber auch reizende Rolle der Adelheid haben wir in unserm Rat für das liebenswürdige Fräulein Charlotte Fleming bestimmt . « Charlotte erhob das edle blasse Antlitz und sah den Sprechenden mit ihrem feurigen dunkeln Auge fragend an ; Leonhard hatte sie bis jetzt kaum bemerkt , aber in diesem Moment erschien sie ihm großartig und schön , und er verwunderte sich darüber , wie man diese Schweigsame nicht mehr beachte . Er vernahm nicht genau , was sie bescheiden einwendete , noch wie sie der Schauspieldirektor beschwichtigte , weil er den Bewegungen ihrer Mienen , den Gebärden ihrer Hände folgte und den einfarbigen , aber angenehmen Ton ihrer Stimme als Klang an sich selbst so eindringlich fand , daß er den Inhalt der Rede überhörte . Er wurde aus dieser Zerstreuung durch die lebhafte Rede Albertinens , des zweiten Fräuleins , geweckt , die mit Scherz und Ernst gegen ihre Rolle der Maria protestieren wollte ; der Ton ihrer Stimme war hell und silberrein , die Zunge schnell , ohne doch die Worte zu übereilen ; so bestimmt sie sich ausdrückte , so fühlte man in der Weichheit des Akzents doch , daß sie sich überreden lassen würde und nicht ungern ; es herrschte , mit einem Wort , jene Anmut in ihrem eifernden Protest , die den kleinen Verstellungen und unschädlichen Unwahrheiten der edlern Geselligkeit einen so großen Reiz verleihen . » Und nun « - fing die kleine , mutwillige Dorothea an - » die größte Schauspielerin , mich , übersehen Sie so ganz , kunstreicher Baron ? Ich hatte mir auf die Adelheid Rechnung gemacht und dachte das ausbündige Laster so recht glänzend darzustellen , daß alle Welt die Tugend nicht mehr achten sollte - aber Sie - « » Gedulden Sie sich , Fräulein von Selten « , sagte Mannlich , » für diesmal können Sie nur mit einer Zigeunerin abgefertigt werden , wenn Sie nicht vielleicht die höchst schwierige Aufgabe des Franz übernehmen möchten . « » Nein ! « rief die Kleine aus , » den verdrehten Enthusiasten , der von Anfang zu Ende außer sich ist , will ich auf keinen Fall den hat ja auch schon der Bruder Albertinen , der Cadet ; folglich bleibt mir die Zigeunerin , wenn man mir nicht vielleicht ihr Gegenteil , die höchst ehrbare Elisabeth , anvertrauen will . « » Aber wo bekommen wir diese edle , hochherzige Elisabeth her ? « fragte jetzt lebhaft Albertine . Da erhob sich Mannlich und ging mit edlem Anstand zur alten Dame , die mit den beiden Fräulein gekommen war und sagte : » Aus dieser Not , Fräulein , rettet uns Ihre liebenswürdige , vortreffliche Tante . « » Wie ? ich ? « rief die Tante mit dem höchsten Erstaunen aus . » Sie selbst , Verehrungswürdige , und keine andere « , antwortete Mannlich . » Ich weiß auch , Sie werden sich dem nicht entziehen ; ich kenne Ihr Talent und ebenso Ihre Gutmütigkeit , die es nicht über sich gewinnen kann , anderen eine Freude zu verderben . « » Lieber Baron « , sagte die alte Dame in einiger Verwirrung , » vor zehn oder zwölf Jahren hätte ich Ihren Vorschlag vielleicht nicht so ganz unannehmlich gefunden , denn Sie wissen wohl noch , daß ich mich damals verleiten ließ , mit einigen Befreundeten allerhand Stücke , die damals in der Mode waren , aufführen zu helfen ; aber seitdem bin ich aus der Übung , ich habe den Mut , oder Übermut , der dazu gehört , völlig verloren . Und hätten Sie mir wenigstens von Ihrer sonderbaren Zumutung etwas geschrieben , damit ich mich hätte vorbereiten können . « » So wären Sie uns gewiß gar nicht gekommen , Vortrefflichste « , erwiderte Mannlich , » und daher bediente ich mich dieser kleinen Kriegslist und dieses Überfalles