in runden Hexametern , daß er endlich entflohn des Zimmers Gefängniß , Und dem engen Gespräch , und sich dann freudig in den grünenden Wald und auf den Berg mit dem röthlich strahlenden Gipfel rettet , möchte ich nun , wie gesagt , den umgekehrten Spaziergang dichten , welcher der Stadt zueilt , und den wohnlichen Zimmern der Menschen , und nach einem lieben Gesicht und traulichem Gespräch sich sehnt . Und je länger ich jetzt bergab wandre , rüstig zuschreitend auf das vor mir liegende Prag , je mehr quillt mir wieder meine Stadtelegie , und so ganz unversehens , aus dem Herzen heraus . Wie ein abenteuerliches Phantom hat Schiller die Stadt hinter sich zurückgelassen , deren beweglich wirkendes , die tausendfach genutzten Kräfte des Menschen zusammenfassendes Leben er zwar sinnreich auszumalen weiß , das sich ihm aber zugleich , mitten in der Ausmalung , wieder zu einem Alles verschlingenden und vergiftenden Ungeheuer verzerrt , vor dem er sich nur in die Arme der Natur zu flüchten vermag . Und dann tröstet er sich mit der Sonne Homers , die noch immer unter demselben Blau uns lache . Ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nicht mit der Sonne Homers trösten können . In dieser Hinsicht hatte ich es mit dem städtebauenden Saitenspiel Amphions . Der schlug die Harfe gewaltig an , und dann kamen auf den Klang die Steine von selbst herbeigelaufen , um eine mächtige Stadt zu bauen . Eine Stadt ! Eine Stadt ! Ich liebe die städtebauende Muse , welche den Nomadentrieb des menschlichen Lebens einordnet in feste Gränzen der beglückenden Harmonie . Sei mir gegrüßt , o Stadt , mit den röthlich strahlenden Dächern ! Sei mir , Sonne , gegrüßt , welche sie lieblich bescheint ! Mir wird wohl , wenn ich das immer näher kommende Geräusch , welches hinter Deinen Mauern stündlich wühlt und arbeitet , in seiner bedeutsamen Geschäftigkeit vernehme . Das ist der Mensch mit seinen Bestrebungen , mit seinen Hoffnungen und seinen Wünschen , mit seinen erfindenden und erwerbenden Händen , welche sich dort in der drangvollen Eil des Daseins bewegt und tummelt ! Das ist der Mensch , der laut wird , in der Angst des Tages , im Jubel der Stunde , in der Athemlosigkeit der Gegenwart ! Das ist der Mensch , wie er sich einrichtet und abfindet , wie er sich wehrt und ringt mit den Mächten seines Daseins , wie er pocht und hämmert , zählt und rechnet , webt und zimmert , sich nie genug thun kann , und immer auf die unsichere Welle des Augenblicks sein Liebstes hingiebt ! Das ist der Mensch , mit seinem frohen Gesicht , mit seiner ungeheuern Geduld , mit seinem tragischen Schicksal , mit seinen ironischen Gegensätzen , mit seinem zehrenden Herzen , das immer Wunden hat , sei es aus Liebe oder Haß ! Aus allen seinen Bedürfnissen und Bedrängnissen , Gewohnheiten und Tugenden , Freuden und Talenten , aus seinem Wissen und Streben , hat er sich da eine Stadt gemacht , das umzäunte Schlachtfeld seiner Bestimmung . Ein ehrwürdiger Ort , vom Verhängniß gezeichnet , ist ein Schlachtfeld . Ein ehrwürdiger Ort , vom Verhängniß gezeichnet , ist eine Stadt . Draußen im Walde , wo das schattige Laubwerk mich gern zum Einsiedler machen möchte , oder oben auf den Bergen , oder unten im quellenreichen Grund der lachenden Thalnymphe , mag die Unschuld wohnen . Ich kenne sie nicht . Ich habe sie längst in frühen Jugendstürmen verloren . Nach dem Sündenfall gingen die Menschen hin , und bauten sich Städte . Nicht der Fluch Gottes vertrieb sie aus dem Paradiese , sondern ihre Schuld stürzte sie vorwärts in die Weltgeschichte . Sie sonderten sich in Völkerstämme , und bauten Städte . Das Bewußtsein ihrer Schuld machte sie gelehrig , und sie trieben allerlei Künste und Gewerbe , Beschäftigungen der Hand und des Geistes . In ihrer Schuld drängten sie sich an einander , und diese sannen darauf , das Leben zu verschönern , und jene studirten es , und trachteten , wie sie es begreifen könnten . So wohnten sie alle bei einander , jeder an einem andern Ende mit der Schuld des Lebens beschäftigt , und schlossen einen Verein zur gemeinsamen Sühne des Daseins . Sie mehrten sich , und ihre Städte blühten , denn der Eifer und Drang der Menschen war groß und unendlich , er reichte bis an den Himmel und bis an das verlorene Paradies zurück . In das Schuldgetümmel der Städte stürze ich mich . Da sind meine Freunde und meine Brüder . Oeffne mir deine Thore , sorgenbeladene Stadt , bald mische ich mich wieder in dein heißes Gedränge , in deine kampfesmuthigen Reihen . Im Gedränge finde ich wohl , was ich liebe und was ich strebe , im Gedränge neben andern Herzen tröstet sich mein Herz . Wald und Berg sinken immer ferner hinter mir zurück , und die Schauer der Wildniß , die unheimlich über mein Haar hinstreichen , verkehren sich mehr und mehr in freundliche Ansiedelung städtischer Gewohnheit . Vor der Stimme der Unschuld , die in der Natur säuselt , wird mir bange . In der Natur blüht das verlassene Paradies der Menschen noch verstohlen fort , es lauert still in der geheimen Seele des Baumes , aber die Menschen sind weggezogen in die Städte . Darum duften die Blumen oft Schwermuth aus , und das ganze Wachsthum der Natur netzt sich im Thau der Thränen , wenn der Mensch lauschend davorsteht . Doch er kann in dieses Paradies nicht wieder zurück , er muß es jetzt auf der andern Seite der Schöpfung erobern . Die Stadt hat ihn in die rauschenden Wirbel der That hineingeschleudert , er hat sich brauchen und nutzen gelernt , und aus seinem Funken , der in ihn gelegt war , ist eine lodernde Flamme emporgeschlagen . Die Stadt wölbt das heimische Dach der Hütte über seinem Haupte , und schließt ihn fest