anmahnen . Ich werde ja auch den Weg nicht verloren haben , auf dem Muth und Besonnenheit zu finden ist . Ich bin nur so erschrocken ! ich weiß selbst nicht , wovor ? Ich sehe nicht , was ich fürchte , und doch fühle ich es . Lesen Sie mit Nachsicht diese verworrenen Zeilen , denken Sie , ich finde mich so am ersten zurecht , wenn ich nach des Lehrers , des Freundes Hand greife , wenn ich schwach , doch willig , mich aufzurichten , Ihren Beistand suche . - - - Abends spät . O es ist Alles anders , Alles gut ! Hugo ist hier ! Er kam in Nacht und Dunkelheit . Er fand mich in seinem Zimmer . Es überraschte ihn . Er war bewegt , als ich ihm gestand , daß mir hier allein wohl sei . Sein Auge hatte den schönen , tiefen Blick , vor dem meine Seele immer so innerlich bebt . Er sah mich mit dem Blicke an . Eine Welt lag darin ! und ich war mitten in dieser , in seiner Welt ! Jetzt , - was habe ich zu fürchten . Meine Mutter wird uns so finden . Hugo weiß , daß sie kommt . Er freut sich von ganzem Herzen , sie hier zu sehen . Wir wollen ihr beide eine Tagreise entgegen fahren . Wie anders nun dies Wiedersehen ! - Wie der Mensch schwach ist ! Wie zaghaft , wie kleingläubig ! Geehrter Freund , soll ich es Ihnen bekennen ? Sahen Sie nicht etwas Trübes , Unreines im Hintergrunde meiner Angst sich verbergen ? O guter Gott , wie gern will ich mich eines Gefühls schämen , das mich doppelt zerreißt , weil es dem geliebtesten Menschen zu nahe tritt ! Heiterer , als ich zu Ihnen kam , verlasse ich Sie jetzt . Möge mich ihr Segen aufrecht gegen so schlimme Anfechtungen halten ! Elise an Sophie Was lag Ihnen im Sinn , Liebe ! daß Sie so aus dem Charakter fallen , so unverzeihlich von dem nüchternen Gerede meines albernen Vetters eingenommen werden konnten ? Gewiß , Sophie , ich erkenne Sie nicht in der Heftigkeit , mit der sich Gedanken und Empfindungen auf jenem Blatte jagen . Ist die Luft in dem schönen Italien so entzündbar , daß auch der Thau im Kelche einer Lilie aufbraust ? Ihr Blut schien mir bis dahin von anderer Natur , als das der übrigen Menschen . Sein milder Lauf verirrte sich nie zu ungleicher Wallung . Man empfand immer , daß es nur den einen Weg , den zum Herzen kannte ; dessen sanfter Schlag , wie der Athem der Liebe , Sie selbst , das was Sie umgab , die Welt mit ihren Verirrungen , in Uebereinstimmung zu bringen wußte . Und jetzt ! - Sophie , Entfernung und Trennung sind doch etwas ! Man sage , was man wolle , der Raum trennt die Körper nicht allein . Sie hätten mir von Ihrem Stift aus nicht diesen dürren , heftigen Brief geschrieben , der Ihren Unwillen ins Blaue hinein rief und durch nichts verrieth , daß Sie zu mir sprachen . Ihre ganze Reise war mir vom Anfange zuwider . Jetzt setzen Sie diesem Gefühl die Krone auf . Welche Gewalt übt denn diese furchtbare Frau über Sie aus , daß sie Sie nicht allein dem gewohnten Kreise entführt , daß sie auch Ihr Inneres umwandelt ! Und nun schicken Sie sie uns noch gar hierher . Sie droht jeden Tag mit ihrem Besuch . Zum erstenmale bin ich froh , in der Stadt zu sein ! Hier kann ich ihr aus dem Wege gehen ! Ich werde es thun , denn ich sehe immer ihr Bild auf Emma ' s Schreibtisch mit Widerstreben an . Es ist etwas in den schönen , regelmäßigen Zügen , in den durchdringenden Augen , was mich schon darum erbittert , weil in dem Gesicht Ihr ganzer letzter Brief , Sophie ! geschrieben steht . So beurtheilt , so faßt ein herrschsüchtiges , einseitig beziehendes Gemüth Menschen und Handlungen auf . Ich kann mir denken , was Sie täglich aus einem Munde hören müssen , dessen schmerzlich verzogene Winkel mehr Unzufriedenheit als Schwermuth ausdrücken . Wo sich so viel strenge Absonderung offenbart , da kann nichts in natürlichem Zusammenhange , in nothwendiger Folge gedacht werden . Sagen Sie doch , wenn Ihre Freundin weniger abhängig von gewissen Erdenvortheilen war , würde sie es übersehen haben , daß sich Niemand weniger als Hugo zu ihrem Schwiegersohn paßte ? Wem wirft sie nun den Mißgriff vor ? dem Grafen ? Emma ? Mein Gott ! wann war die Jugend frei von Verblendung ? Und nun , da die Schiefgestellten schief stehen , was zeigt sie mit Fingern darauf , und macht die Welt zum Zeugen ihrer Verkehrtheit ? Es ist nicht zu läugnen , es ist wahr , es ist nicht wie es sein sollte mit dem ungleich zusammengewürfelten Paare . Aber , wenn dies Beide fühlen , und sich die peinliche Gemeinschaft , Jeder wie er kann , erleichtern , soll man sie nicht gewähren lassen ? Geht die Oberhofmeisterin von dem Grundsatz aus , sie könne auch Gemüther nach ihrem Willen umschaffen , so wird sie hier viel Unheil stiften . Der Graf verehrt sie , aber er ist unbiegsam gegen ihre Eingriffe . Sie sehen hieraus , liebe Sophie ! so wie aus frühern Mittheilungen , daß ich mit den Verhältnissen , wie mit der Sinnesart Ihrer jungen Freunde sehr vertraut bin . Ich hielt nie mit meinem Urtheile zurück . Ich verschwieg Ihnen nicht , daß mir Hugo den Eindruck umfassender , großartiger Geisteskraft , ungewöhnlicher Tiefe und Klarheit gemacht hat , daß ich ihn bewundern , verehren , und auch da an ihn glauben muß , wo ich ihn nicht immer verstehe . Dies sagte ich Ihnen längst . Meine Briefe sind voll von ihm und Emma . Noch kürzlich