, als du denkst ? denn eine ganz bestimmte Nachricht hast du ja doch niemals gehabt . « Solche Vermutungen wechselten hin und her , indem der Hausherr anspannen ließ , um seine Gattin holen zu lassen , die in der Nachbarschaft einen Besuch machte . » Wenn ich Sie indessen , bis meine Frau kommt , auf meine Weise unterhalten und zugleich meine Geschäfte fortsetzen darf , so machen Sie einige Schritte mit mir aufs Feld und sehen sich um , wie ich meine Wirtschaft betreibe : denn gewiß ist Ihnen , als einem großen Gutsbesitzer , nichts angelegener als die edle Wissenschaft , die edle Kunst des Feldbaues . « Lenardo widersprach nicht ; Wilhelm unterrichtete sich gern ; und der Landmann hatte seinen Grund und Boden , den er unumschränkt besaß und beherrschte , vollkommen gut inne ; was er vornahm , war der Absicht gemäß ; was er säete und pflanzte , durchaus am rechten Ort ; er wußte die Behandlung und die Ursachen derselben so deutlich anzugeben , daß es ein jeder begriff und für möglich gehalten hätte , dasselbe zu tun und zu leisten : ein Wahn , in den man leicht verfällt , wenn man einem Meister zusieht , dem alles bequem von der Hand geht . Die Fremden erzeigten sich sehr zufrieden und konnten nichts als Lob und Billigung erteilen . Er nahm es dankbar und freundlich auf , fügte jedoch hinzu : » Nun muß ich Ihnen aber auch meine schwache Seite zeigen , die freilich an jedem zu bemerken ist , der sich einem Gegenstand ausschließlich ergibt . « Er führte sie auf seinen Hof , zeigte ihnen seine Werkzeuge , den Vorrat derselben sowie den Vorrat von allem erdenklichen Geräte und dessen Zubehör . » Man tadelte mich oft « , sagte er dabei , » daß ich hierin zu weit gehe ; allein ich kann mich deshalb nicht schelten . Glücklich ist der , dem sein Geschäft auch zur Puppe wird , der mit demselbigen zuletzt noch spielt und sich an dem ergötzt , was ihm sein Zustand zur Pflicht macht . « Die beiden Freunde ließen es an Fragen und Erkundigungen nicht fehlen . Besonders erfreute sich Wilhelm an den allgemeinen Bemerkungen , zu denen dieser Mann aufgelegt schien , und verfehlte nicht , sie zu erwidern ; indessen Lenardo , mehr in sich gekehrt , an dem Glück Valerinens , das er in diesem Zustande für gewiß hielt , stillen Teil nahm , obgleich mit einem leisen Gefühl von Unbehagen , von dem er sich keine Rechenschaft zu geben wußte . Man war schon ins Haus zurückgekehrt , als der Wagen der Besitzerin vorfuhr . Man eilte ihr entgegen ; aber wie erstaunte , wie erschrak Lenardo , als er sie aussteigen sah . Sie war es nicht , es war das nußbraune Mädchen nicht , vielmehr gerade das Gegenteil ; zwar auch eine schöne , schlanke Gestalt , aber blond , mit allen Vorteilen , die Blondinen eigen sind . Diese Schönheit , diese Anmut erschreckte Lenardon . Seine Augen hatten das braune Mädchen gesucht ; nun leuchtete ihm ein ganz anderes entgegen . Auch dieser Züge erinnerte er sich ; ihre Anrede , ihr Betragen versetzten ihn bald aus jeder Ungewißheit : es war die Tochter des Gerichtshalters , der bei dem Oheim in großem Ansehen stand , deshalb denn auch dieser bei der Ausstattung sehr viel getan und dem neuen Paare behülflich gewesen . Dies alles und mehr noch wurde von der jungen Frau zum Antrittsgruße fröhlich erzählt , mit einer Freude , wie sie die Überraschung eines Wiedersehens ungezwungen äußern läßt . Ob man sich wiedererkenne , wurde gefragt ; die Veränderungen der Gestalt wurden beredet , welche merklich genug bei Personen dieses Alters gefunden werden . Valerine war immer angenehm , dann aber höchst liebenswürdig , wenn Fröhlichkeit sie aus dem gewöhnlichen gleichgültigen Zustande herausriß . Die Gesellschaft ward gesprächig und die Unterhaltung so lebhaft , daß Lenardo sich fassen und seine Bestürzung verbergen konnte . Wilhelm , dem der Freund geschwind genug von diesem seltsamen Ereignis einen Wink gegeben hatte , tat sein mögliches , um diesem beizustehen ; und Valerinens kleine Eitelkeit , daß der Baron , noch ehe er die Seinigen gesehen , sich ihrer erinnert , bei ihr eingekehrt sei , ließ sie auch nicht den mindesten Verdacht schöpfen , daß hier eine andere Absicht oder ein Mißgriff obwalte . Man blieb bis tief in die Nacht beisammen , obgleich beide Freunde nach einem vertraulichen Gespräch sich sehnten , das denn auch sogleich begann , als sie sich in dem Gastzimmer allein sahen . » Ich soll , so scheint es « , sagte Lenardo , » meine Qual nicht loswerden . Eine unglückliche Verwechslung des Namens , merke ich , verdoppelt sie . Diese blonde Schönheit habe ich oft mit jener Braunen , die man keine Schönheit nennen durfte , spielen sehen ; ja ich trieb mich selbst mit ihnen , obgleich so vieles älter , in den Feldern und Gärten herum . Beide machten nicht den geringsten Eindruck auf mich , ich habe nur den Namen der einen behalten und ihn der andern beigelegt . Nun finde ich die , die mich nichts angeht , nach ihrer Weise über die Maßen glücklich , indessen die andere , wer weiß wohin , in die Welt geworfen ist . « Den folgenden Morgen waren die Freunde beinahe früher auf als die tätigen Landleute . Das Vergnügen , ihre Gäste zu sehen , hatte Valerinen gleichfalls zeitig geweckt . Sie ahnete nicht , mit welchen Gesinnungen sie zum Frühstück kamen . Wilhelm , der wohl einsah , daß ohne Nachricht von dem nußbraunen Mädchen Lenardo sich in der peinlichsten Lage befinde , brachte das Gespräch auf frühere Zeiten , auf Gespielen , aufs Lokal , das er selbst kannte , auf andere Erinnerungen , so daß Valerine zuletzt ganz natürlich darauf kam , des nußbraunen Mädchens zu erwähnen