hinter einen entfernten Stein . So waren wir denn allein , und die unermeßliche Seligkeit , welche uns fast den Busen zersprengte , machte sich in Tränen , Worten und Küssen Luft . Ich bin unfähig , Dir die ganze Wonne dieser ersten glücklichen Stunden zu schildern . Wir hatten nur Sinn für das ungehoffte Glück des Wiedersehens , keine andre Erinnerung trübte unsern sonnenhellen Himmel . Endlich langten unsere Führer und Mucius ' Freund bei uns an ; dieser war die sogenannten Indianerleitern hinuntergestiegen , um den östlichen Wasserfall recht in der Nähe zu sehen , während Mucius vorgezogen hatte , hier oben in der Einsamkeit seinen Gedanken Raum zu geben . Er wußte , es war mein Fest , und hier wollte er es in wehmütiger Erinnerung begehen . So seltsam , auf so wunderbarem Wege führte uns die liebende Vorsicht zusammen , denn nimmer kann ich es für den Glückswurf des blinden Zufalls halten . » Virginia ! « rief Mucius seinem Freunde entgegen . Der bloße Name erklärte diesem das Ganze , er stürzte sich jauchzend an Mucius ' Brust . » Gebenedeiet sei die Jungfrau und alle Jungfrauen , die ihr gleichen ! « rief er in toller Lustigkeit ; » nun wird doch dies Auge wieder lachen und dieser Mund nicht mehr seufzen , wenn ich das Leben preise mit all seinen Launen , Tücken und Fastnachtspossen . « Der Fremde , ein junger Maler aus Bassano im Venezianischen , welchen Mucius in Spanien kennenlernte , wo er mit ihm in einem Regimente diente , wurde mir vorgestellt . Er hat ein schönes freundliches Gesicht und ist voll unerschöpflich heiterer Laune . Seine treue Freundschaft könnte den Mustern des Altertums an die Seite gesetzt werden . Das Glück seines Freundes war jetzt das seinige , er hatte ihm lange genug die Last des Daseins ertragen helfen . Das Geräusch des Falls fiel seiner Redelust beschwerlich , und wir kehrten , auf seinen Wunsch , zu meinem Fuhrwerk zurück . Hier , um ein gutes Mahl gelagert , welches Ismael bereitgehalten , erzählten die beiden Freunde sich abwechselnd ihre Schicksale in französischer Sprache , welche ihnen die geläufigste , unseren Leuten aber wenig verständlich war . Pinelli lernte Mucius in den Tagen der Hoffnung kennen , wo dieser sich schon wieder die rosenfarbigsten Bilder der heimatlichen Zukunft schuf . Des Freundes heitere Laune erhöhete die hellen Farben des schönen Gemäldes , und beide fingen an , einander unentbehrlich zu werden . Nach einiger Zeit setzte das gänzliche Ausbleiben meiner Briefe Mucius in große Unruhe ; Pinelli tröstete nach Möglichkeit . Die Kriegsvorfälle konnten leicht die Ursache sein , wie sie es denn auch wirklich waren ; aber das leidenschaftliche Gemüt eines Liebenden , welcher schon so viel Trübes erfahren , fürchtet leicht das Ärgste . Am Morgen jenes Tages , als man sich zum Sturm auf eine spanische Festung anschickte , ward Mucius eines Soldaten gewahr , welchen er als Landsmann aus Aix erkannte und welcher erst vor kurzem bei dem Korps eingetroffen war . In seiner Nähe reitend , fragte er ihn , ob er den Besitzer von Chaumerive kenne . » Freilich kenne ich den guten Herren , er war sonst oft in Aix . « - » Weißt du jetzt nichts von ihm ? « fragte Mucius zitternd . » Als ich durch Avignon ging « , entgegnete jener , » war ihm vor einigen Tagen die Tochter gestorben . « - » Virginia ? « schrie Mucius mit Entsetzen . » Den Namen weiß ich nicht « , sagte jener , » man beklagte jedoch , ihrer Güte und Wohltätigkeit wegen , allgemein ihren frühen Hintritt . « - » Lebt die Mutter noch ? « stammelte Mucius . » Ich glaube nein « , sprach der Soldat . Wenige Sekunden darauf wurde der Unglückliche von einer Kanonenkugel zerschmettert . Mucius ' Zustand war halbe Geisteszerrüttung . Kurz darauf wurde der Sturmmarsch geschlagen . Wie außer sich sprang Mucius vom Pferde , ergriff gewaltsam einen Adler und eilte die Brücke hinauf , aber schwankend und halb bewustlos wurde er bald von der Menge hinabgedrängt . Pinelli war , in der größten Unruhe , dem Freunde gefolgt , er sahe ihn stürzen , noch ehe er zu ihm gelangen konnte , und nur die Stimme der Freundschaft hörend , warf er sein Pferd herum und jagte am Ufer des reifenden Flusses entlang . Nach einigen Minuten sahe er Mucius auftauchen und matt mit den Wellen kämpfen , der Strom schlang ihn immer wieder in seine Strudel . Endlich blieb der schon fast Entseelte mit den Kleidern an einem Gesträuch hangen , und mit der größten Mühe gelang es dem Freunde , ihn ans Ufer zu ziehn , mit noch größerer , ihn völlig ins Leben zurückzurufen . Beide waren weiter als eine Viertelstunde von der Festung entfernt . In dieser Lage wurden sie plötzlich von einer Abteilung englischer Reiterei umringt und gefangengenommen . Mucius fühlte und begriff wenig von dem , was um ihn her vorging , er glich einem Seelenlosen , sein Freund mußte für ihn denken und handeln . In diesem Zustande wurden sie bis Lissabon gebracht und von dort , mit mehreren Gefangenen , auf einem Transportschiffe nach England geführt . Der Kapitän schien gerührt von der tiefen Niedergeschlagenheit des einen und von der aufopfernden Freundschaft des andern und behandelte beide Freunde mit einiger Auszeichnung . Pinelli erkundigte sich oft nach dem Schicksale , welches ihnen bei ihrer Ankunft in England bevorstände . Die Antwort war allgemein , daß sie , wie alle Subalternen , nebst den Soldaten auf die Gefangenenschiffe gebracht werden würden . Er hatte von diesen Wassergefängnissen eine so furchtbare Vorstellung , daß er Tag und Nacht darauf sann , sich und seinen Freund diesem Elende zu entziehen . Das Glück , oder das Schicksal , erleichterte sein Vorhaben . Die Hitze , oder die Hand eines Frevlers , sprengte nach wenigen Tagen die beiden größten