auftreten , daß Rom nicht in einem Tage erbaut , die Welt nicht in einem Tage erschaffen sei , weil Eile mit Weile auch bei Gott und den Weltgeschicken gelte , aber der junge Hohenstaufen sprach aus Berthold mit heftigem , fast befehlenden Drange , und Fingerling unterwarf sich als ein ergebener Schneider . So war diese Herzensangelegenheit zu einer Entscheidung gereift , Berthold fühlte sich leichter , als wäre etwas abgetan , und ging mit einer frohen Zuversicht nach dem Fuggerischen Saale , wo der Kaiser diesmal die großen Tafeln hatte einrichten lassen . Gleich beim Eintritt , als der Ehrenhalt seinen Namen nannte begrüßte ihn Marx von Treitssauerwein , des Kaisers Schreiber , in griechischer Sprache ; er hatte mit ihm schon längere Zeit über einige Komödien des Menander gebrieft , die damals noch in einem schwäbischen Kloster vorhanden waren , aber bald darauf von einem hypochondrischen Abte verbrannt wurden . Es war ein freundlicher , behaglicher Herr , wohl beleibt und den Freuden der Tafel ergeben , wenn er seine Geschäfte wohl erfüllt zu haben glaubte . Berthold mußte sich zu ihm an den Tisch setzen und sie kamen im Gespräch bald auf den Kaiser ; beide liebten und ehrten ihn , aber beide hatten genug deutsche Wahrheit in sich , durch keine Freude an Menschen sich blenden zu lassen , sondern das Menschliche in allem Gegenwärtigen zu erkennen und nur aus der Vergangenheit sich Strahlenbilder fleckenloser Vollendung zum Vorbild dieser Gegenwart aufzustellen . Der kaiserliche Schreiber bedauerte , daß das Schauen von unnützen Prachtzügen , von Jagden und Fischereien dem Kaiser so viel Zeit genommen habe , es würde sonst mehr fürs Wesentliche geschehen . Berthold gab es zu , doch rühmte er es aus seinem Gefühle , wie innig ihn die Nähe des Kaisers bei dem heutigen Spiele mit ihm verbunden habe ; wenn die Kaiser so leicht die Ergebenheit der Menschen sich gewinnen könnten , so sei es nicht verlorne Zeit zu schelten , die sie darauf verwendeten . » Vielleicht « , sagte er , » würde der deutsche Adel sich auch viel eher in die gute Ordnung fügen , wenn der Kaiser seine großen Turniere mehr begünstigte , sie in seiner Gegenwart halten ließe . « - » Falsch « , sagte Treitssauerwein , » da es unsre geheime Absicht ist , den Bürgerstand empor zu bringen , so müssen solche Versammlungen des Adels gemieden werden . Ihr kennt wenig unsern Adel , der steht ein paar Jahrhunderte zurück , ich meine den auf dem Lande , der denkt noch an die Kreuzzüge und an die Hohenstaufen , meint niemand über sich als Gott und die Wahrheit was ist damit bei der jetzigen List und Verruchtheit in allem Verkehr anzufangen . Die Neuerungen , der Landfriede , die ihnen jetzt über den Kopf weggenommen werden , weil sie vereinzelt sind , alles das ginge zum Teufel , wenn die Kerls mit einander zur Sprache kämen . Der Kaiser steht hoch über der Zeit , er hat die Welt kennen gelernt , hat sich wie eine Erdbeerpflanze an zehn Stellen eingewurzelt , in Spanien , Portugal , Ungarn , Böhmen , und das alles , um sich gegen dies unser verwirrtes , übermächtiges , deutsches Adelsvolk und die Menge kleiner Fürsten zu sichern ; es geht jetzt ins Große , der Adel denkt nur ans Kleine , verachtet den Handel , statt ihn zu nutzen , verachtet das neue Kriegswesen und kann doch mit seiner Art nur bei kleinen Zügen etwas wirken ; es möchte noch jeder als Mensch bestehen , während die Geschichte alles zu Nationen zusammenfegt . Was unser Maximilian und wir nicht erleben , das kommt seinem Sohne Karl zu Gute , ihm gehört die Welt , die Kirche macht er frei vom Papste , darum möchte der Kaiser ihm schon auf diesem Reichstage das Reich sichern . Die widersprechenden Kräfte müssen sich in Neid aufzehren , die Fortschritte der höchsten Gewalt im Auslande werden auch auf Deutschland einwirken und die stolzen Fürsten , Kirchen- und Stadthäupter , die wir jetzt dem Adel entgegensetzen , werden wie ausgepreßte Zitronen in ihre Winkel geworfen , wenn sie unsre Rache gekühlt haben gegen diese übermütige Mittelgewalt , die den Kaiser kaum wie seines Gleichen achtet . « - Berthold sah verlegen nach dem Boden und Marx fragte nach der Ursache . » Soll ich ' s Euch sagen « , sprach Berthold , » der Kaiser hat immer seine Plane zu weit gemacht , so daß sie nirgends recht passen wollten , mit aller seiner Tapferkeit und Weisheit ist er in allen Kriegen schlecht bestanden , wie ist er von den Schweizern vernichtet worden . Er kennt zu viel fremde Sprachen und fremde Lande , und hat darüber sein eignes vergessen ; ein Volk mag doch nur von dem glücklich regiert werden , der seine Tugenden und seine Fehler in sich gefühlt hat . Der Kaiser sieht aber nur dessen Fehler , durch seinen Landfrieden hat er alle ritterlichen , bisher geehrten Verhältnisse für Straßenraub erklärt , Volkssitte läßt sich nicht wie ein Wams umschneidern . Der Kaiser meint , wenn der Adel unter sich friedlich lebte , so könnte er ihn um so eher gegen gefürchtete Fürsten aufhetzen , aber die sich erst an ein Zuhausesitzen , wie die Bauern gewöhnt , lassen sich eher von dem brauchen , der ihrem Hause am nächsten , als von dem überall weit entfernten , fremden Kaiser . Der Kaiser will sich ein unabhängiges Heer in den Landsknechten erziehen , daß er der Lehnsfolge entbehren kann , er mag aber wohl bedenken , daß er einen Haufen ohne anders Vaterland , als das , wo es Geld gilt , sich bildet , und daß dieses Heer jedem dienen wird , auch dem Welschen , wenn er sie bezahlt . « - » Wird der Kaiser noch Papst « , antwortete Treitssauerwein , » so macht er aus den Landsknechten einen geistlichen Ritterorden , gibt