aus der Grüne sprangen , Berg und Wald verzaubert standen , Tausend Vögel schwirrend sangen . Golden blitzt es überm Grunde , Seltne Farben irrend schweifen , Wie zu lang entbehrtem Feste Will die Erde sich bereiten . Und nun kamen angezogen Freier bald von allen Seiten , Federn bunt im Winde flogen , Jäger schmuck im Walde reiten . Hörner lustig drein erschallen Auf und munter durch das Grüne , Pilger fromm dazwischen wallen , Die das Heimatsfieber spüren . Auf vielsonn ' gen Wiesen flöten Schäfer bei schneeflock ' gen Schafen , Ritter in der Abendröte Knieen auf des Berges Hange , Und die Nächte von Gitarren Und Gesängen weich erschallen , Daß der wunderliche Alte Wie verrückt beginnt zu tanzen . Die Prinzessin schmückt mit Kränzen Wieder sich die schönen Haare , Und die vollen Kränze glänzen Und sie blickt verlangend nieder . Doch die alten Helden alle , Draußen vor der Burg gelagert , Saßen dort im Morgenglanze , Die das schöne Kind bewachten . An das Tor die Freier kamen Nun gesprengt , gehüpft , gelaufen , Ritter , Jäger , Provenzalen , Bunte , helle , lichte Haufen . Und vor allen junge Recken Stolzen Blicks den Berg berannten , Die die alten Helden weckten , Sie vertraulich Brüder nannten , Doch wie diese uralt blicken , An die Eisenbrust geschlossen Brüderlich die Jungen drücken , Fallen die erdrückt zu Boden . Andre lagern sich zum Alten , Graust ihn ' n gleich bei seinen Mienen , Ordnen sein verworrnes Walten , Daß es jedem wohl gefiele ; Doch sie fühlen schauernd balde , Daß sie ihn nicht können zwingen , Selbst zu Spielzeug sich verwandeln , Und der Alte spielt mit ihnen . Und sie müssen töricht tanzen , Manche mit der Kron geschmücket Und im purpurnen Talare Feierlich den Reigen führen . Andre schweben lispelnd lose , Andre müssen männlich lärmen , Rittern reißen aus die Rosse Und die schreien gar erbärmlich . Bis sie endlich alle müde Wieder kommen zu Verstande , Mit der ganzen Welt in Frieden , Legen ab die Maskerade . Jäger sind wir nicht , noch Ritter , Hört man sie von fern noch summen , Spiel nur war das - wir sind Dichter ! - So vertost der ganze Plunder , Nüchtern liegt die Welt wie ehe , Und die Zaubrin bei dem Alten Spielt die vor ' gen Spiele wieder Einsam wohl noch lange Jahre . - « Die Gräfin , die zuletzt mit ihrem schönen , begeisterten Gesicht einer welschen Improvisatorin glich , unterbrach sich hier plötzlich selber , indem sie laut auflachte , ohne daß jemand wußte , warum . Verwundert fragte alles durcheinander : » Was lachen Sie ? Ist die Allegorie schon geschlossen ? Ist das nicht die Poesie ? « - » Ich weiß nicht , ich weiß nicht , ich weiß nicht « , sagte die Gräfin lustig und sprang auf . Von allen Seiten wurden nun die flüchtigen Verse besprochen . Einige hielten die Prinzessin im Gedicht für die Venus , andre nannten sie die Schönheit , andre nannten sie die Poesie des Lebens . Es mag wohl die Gräfin selber sein , dachte Friedrich . - » Es ist die Jungfrau Maria als die große Weltliebe « , sagte der genialische Reisende , der wenig achtgegeben hatte , mit vornehmer Nachlässigkeit . » Ei , daß Gott behüte ! « brach Friedrich , dem das Gedicht der Gräfin heidnisch und übermütig vorgekommen war , wie ihre ganze Schönheit , halb lachend und halb unwillig aus : » Sind wir doch kaum des Vernünftelns in der Religion los und fangen dagegen schon wieder an , ihre festen Glaubenssätze , Wunder und Wahrheiten zu verpoetisieren und zu verflüchtigen . In wem die Religion zum Leben gelangt , wer in allem Tun und Lassen von der Gnade wahrhaft durchdrungen ist , dessen Seele mag sich auch in Liedern ihrer Entzückung und des himmlischen Glanzes erfreuen . Wer aber hochmütig und schlau diese Geheimnisse und einfältigen Wahrheiten als beliebigen Dichtungsstoff zu überschauen glaubt , wer die Religion , die nicht dem Glauben , dem Verstande oder der Poesie allein , sondern allen dreien , dem ganzen Menschen , angehört , bloß mit der Phantasie in ihren einzelnen Schönheiten willkürlich zusammenrafft , der wird ebensogern an den griechischen Olymp glauben , als an das Christentum , und eins mit dem andern verwechseln und versetzen , bis der ganze Himmel furchtbar öde und leer wird . « - Friedrich bemerkte , daß er von mehreren sehr weise belächelt wurde , als könne er sich nicht zu ihrer freien Ansicht erheben . Man hatte indes an dem Tische die Geschichte der Gräfin Dolores aufgeschlagen und blätterte darin hin und her . Die mannigfaltigsten Urteile darüber durchkreuzten sich bald . Die Frau vom Hause und ihr Nachbar , der Schmachtende , sprachen vor allen andern bitter und mit einer auffallend gekränkten Empfindlichkeit und Heftigkeit darüber . Sie schienen das Buch aus tiefster Seele zu hassen . Friedrich erriet wohl die Ursache und schwieg . - » Ich muß gestehen « , sagte eine junge Dame , » ich kann mich darein nicht verstehen , ich wußte niemals , was ich aus dieser Geschichte mit den tausend Geschichten machen soll . « » Sie haben sehr recht « , fiel ihr einer von den Männern , der sonst unter allen immer am richtigsten geurteilt hatte , ins Wort , » es ist mir immer vorgekommen , als sollte dieser Dichter noch einige Jahre pausieren , um dichten zu lernen . Welche Sonderbarkeiten , Verrenkungen und schreienden Übertreibungen ! « - » Gerade das Gegenteil « , unterbrach ihn ein anderer , » ich finde das Ganze nur allzu prosaisch , ohne die himmlische Überschwenglichkeit der Phantasie . Wenn wir noch viele solche Romane erhalten , so wird unsere Poesie wieder eine bloße allegorische Person der Moral . « Hier hielt sich Friedrich , der dieses Buch