' s alles und rief : » Die Morgenstund Hat Gold im Mund . Schau Knabe herauf , Fang alles dir auf , Bestelle dir Geigen , Tanz hochzeitlich Reigen . Nun Jüngferlein spröde , So macht es doch jede , Verstelle dich nicht , Und zeig dein Gesicht . Nun küsset euch Nur beide gleich ; Denn , durft es geschehn , Eh ' ich es gesehn , So küßt euch nur tüchtig , Da ich euch ansichtig . « Wie soll ich ' s beschreiben , Es glänzen die Scheiben Vom frohen Gesicht Der Gräfin , die spricht . Sie küssen sich oft , Es hallet der Hof , Sie drücken die Händ Und finden kein End , Und können nur danken In sel ' gen Gedanken . O du seliger Edelknecht ! Nun geht nicht aus dein schön Geschlecht ; Vom Abend bis zum Morgen früh Zur Hochzeit wird getanzet glüh . Was hast du von dem Tanze ? Der Edelknecht Die liebe Zeit vom Kranze ! Vierzehntes Kapitel Geschichte der Fräulein Lila , der Fräulein Mirrha und der Fräulein Walpurgis Hier endete sich das Spiel mit einem zärtlichen Kusse , den die Gräfin ihrem Manne gab , und er fühlte sich so reichlich für allen kleinen Kummer des vorigen Tages entschädigt ; auch die Stiftsfräulein sahen mit Rührung ein Glück , dessen Hoffnung ihnen so ferne lag , und konnten nicht lassen , es zu rühmen . Kaum hatte der Graf und seine Gesellschaft die ersten Ehrentänze gemacht , so hielt auch seine Dienerschaft und sodann das ganze Dorf mit Braut und Bräutigam einen schnell abwechselnden Umtanz , an dessen Schlusse nach alter ländlicher Gewohnheit eine Verkleidung ausgeführt wurde . Die tolle Ilse kam in geistlicher Kleidung , eine Perücke von ausgeblasenen Eiern auf dem Kopfe , eine lächerliche Maske vor dem Gesichte , und versicherte , das neue Ehepaar sei noch nicht ordentlich und vollständig getraut . Alle stellten sich erschrocken und die Neuverheirateten mußten demütig um eine vollständige Trauung bitten ; die Maske erfüllte nach vielen Umständen , warum man sich nicht gleich an sie gewendet ; diese Bitte , das Trauungszeremoniell wurde lächerlich parodiert , einigen unanständigen Liedern folgte eine lange Rede voll Zoten , die von allen herzlich belacht wurden , weil jeder sie seit Jahren kannte ; des Grafen zierliches Spiel war aus dem Gedächtnisse aller verwischt . Nach dem Ende des Spiels sagte der katholische Geistliche , daß er nun schon zwanzig Jahre vergebens daran arbeite , diesen anstößigen Spaß abzubringen , aber jede Hochzeit vermehre ihn mit neuen Einfällen ; die ernsthaftesten gesittetsten Leute des Dorfes beständen eben so sehr auf die Beibehaltung , als das junge lustige Volk . Der Graf dachte darüber nach , und sah , daß die Leute nicht unsittlicher nach dem Spaße , als vorher aussahen , da fuhr es so aus ihm heraus , er wußte selbst nicht , ob er an das glauben sollte , was er sprach : » Der rohe und meist der unschuldigste Mensch läßt seinen Scherz gemeinhin über die Verhältnisse der Geschlechter aus , weil sie ihm am deutlichsten und wichtigsten unter allen sind ; uns sind andre Verhältnisse , der Staat , die Gesetze , der Krieg wichtig geworden , wir reißen damit im fröhlichen Augenblicke unsre Zoten und wer weiß , welche die besten sind ; eine gute Zote erfordert auch ihr Talent ; ich wüßte keine zu machen , sie hält Leib und Seele zusammen ; - überhaupt , worüber man einmal mitgelacht hat , das sollte man nicht mehr verdammen dürfen . « - Der Geistliche war sehr beschämt , denn er hatte wirklich von ganzem Herzen gelacht ; der Graf lenkte wieder ein : » Freilich , das Ehrenwerte der Religion , der bessere Scherz , die feinere Unterhaltung muß darüber nicht zu Grunde gehen , insbesondre muß man bedenken , daß die Zote ihrem Grund und Boden leibeigen ist , und daher nicht in die Welt eingeführt werden kann , ohne eine Ungerechtigkeit gegen die edle Unterhaltung zu begehen . « - Der Geistliche bejahte das und der Graf führte seine Gesellschaft von Damen nach der Weinlaube , wo ein Tisch mit Zuckerwerk , Erfrischungen , Weinen und Früchten jeder Art für sie gedeckt stand ; dort brachte er sie unbemerkt auf Erzählungen von ihrem Stifte und dessen innern Verhältnissen ; endlich eröffnete er ihnen geradezu , sie wären seit einigen Tagen im Schlosse in ein so allgemeines Geschichterzählen gekommen , daß er sich durchaus wenigstens ein paar Lebensgeschichten von ihnen erbitten müsse . Die armen Fräuleins zierten sich gewaltig ; eine wollte der andern die Last aufbürden ; es wurde aber nichts daraus , bis eine anfing , von der andern zu erzählen ; da erschienen nun viel alltägliche Historien , von Stiefeltern , die ihnen den Aufenthalt im Hause verleidet , von Vätern , die erschossen worden : nur ein paar finden wir des Aufzeichnens wert . Fräulein Lila warf der Fräulein Mirrha vor , sie könnte glücklich verheiratet sein , wenn sie nicht die Stunden des Verlöbnisses versäumt hätte , wie sie noch jetzt alle Tage zum Essen zu spät käme und von der Äbtissin in Strafe genommen würde , ja selbst zu dieser Fahrt , zu welcher sich alle gefreut , sie eine halbe Stunde habe warten lassen . - Mirrha leugnete das nicht , » aber « , fuhr sie fort , » ich kann es nicht lassen und glaubt ihr , daß ich nur mit Aufopferung dieser Gewohnheit eine glückliche Ehe hätte erreichen können , wahrhaftig sie wäre mir so unerreichlich geblieben , wie der Himmel auf Erden . Von meiner ersten Kindheit hatte ich diese Gewohnheit ; wenn es nicht gerade Zeit war zum Aufstehen , so machte ich mir noch ein andres Geschäft : spielte , strickte im Bette ; erst , wenn die Glocke schlug , wo ich in der Lehrstunde sein sollte , konnte ich zu dem Entschlusse kommen , aufzuspringen ;