früher da gesessen . - » Der englische Garten ist göttlich « , sagt ' er abgehend zum stillen Gärtner an der Pforte , » abends erschein ' ich gewiß wieder , liebster Mann . « Er machte auch zur versprochenen Zeit die Gartentüre auf . In der Villa war Musik . Er verbarg sich und seine Wünsche in die schönste Grotte des Parks . Aus der Felsenwand hinter ihm drangen Quellen und überhängende Bäume . Vor ihm goß der glatte Fluß seinen langen Spiegel durch ein Auen-Land . Windmühlen kreiseten ungehört auf den fernen Höhen um . Ein sanfter Abendwind wehte das rote Sonnengold aus den Blumen höher um die Hügel . Eine weibliche Statue , die Hände in ein Vestalinnen-Gewand gehüllt , stand mit gesenktem Haupte neben ihm . Die Töne der Villa hingen sich wie helle Sterne ins Quellen-Rauschen und blitzten durch . Da Gottwalt nicht wußte , welches Instrument Klothar spiele : so gab er ihm lieber alle in die Hand ; denn jedes sprach einen hohen , tiefen Gedanken aus , den er dem Herzen des Jünglings leihen mußte . Er entwarf sich unter süßen Klängen mehrmals den Umriß von der unerhörten Seligkeit , wenn der Jüngling auf einmal in die Grotte träte und sagte : » Gottwalt , warum stehest du so allein ? Komme zu mir , denn ich bin dein Freund . « Er half sich durch einige Streckverse an Jonathan ( so wollt ' er im Haßlauer Wochenblatte den Grafen verziffern ) , die ihm aber schlecht gelangen , weil sein innerer Mensch viel zu rege und zitternd war , um den poetischen Pinsel zu halten . Zwei andere Streckgedichte , unter welche er jene absichtlich im Wochenblatte zum Scheine mischen wollte , als sei alles Dichtung , waren viel besser und hießen so : Bei einem Wasserfalle mit dem Regenbogen O wie schwebt auf dem grimmigen Wassersturm der Bogen des Friedens so fest . So steht Gott am Himmel , und die Ströme der Zeiten stürzen und reißen , und auf allen Wellen schwebet der Bogen seines Friedens . Die Liebe als Sphinx Freundlich blickt die fremde Gestalt dich an , und ihr schönes Angesicht lächelt . Aber verstehst du sie nicht : so erhebt sie die Tatzen . Eben kam der Gärtner und befahl ihm an , sich wegzumachen , weil man den Garten schließe . Er dankte und ging willig . Aber zu seinem Erstaunen fuhr er in der Theaterschneiders-Gasse nahe vor einem sechsspännigen Fackel-Wagen vorbei , worin Klothar saß nebst andern , so daß er im Garten manches , sah er , vergeblich empfunden . Er ging noch eine halbe Stunde vor Vults Fenstern auf und nieder , zwar ohne diesen zu sehen , der ihn sah , aber doch um ihn sich nahe zu denken . Tags darauf hatt ' er das Glück , den Grafen , der mit einer alten krummen Dame englisch sprach , auf einem Garten-Gange zu treffen und vor dessen ernstem schönen Gesicht den Hut mit Liebes-Augen zu ziehen . Er suchte ihm noch sechs oder sieben Male aufzustoßen und zog ebensooft - aus Unbekanntschaft mit der Garten-Kleiderordnung - den Salutier-Hut , was zuletzt dem Grafen so verdrüßlich fiel , daß er unter Dach und Fach auswich . Auch der Gärtner , der längst über ihn und seine scharfen Beobachtungen des Landhauses seine eignen angestellt , wurde konfus und glaubte , etwas zu vermuten . Noch spät abends kam ein Läufer vom polnischen General Zablocki - der in Elterlein das bekannte Ritterschloß hatte - mit dem Befehle , sich morgen ganz früh Punkt 11 Uhr einzustellen , um etwas zu machen . » O Lieber , wenn doch mein Klothar ein Instrument bei mir bestellte ! Gäb ' es denn eine holdere Gelegenheit ? « dacht ' er . Punkt 11 Uhr kam derselbe Läufer und bestellt ' ihn ab . Aber an der Wirtstafel vernahm er , welche Himmelskugel nahe vor ihm seitwärts weggezogen war . Die Tischgenossenschaft vereinigte sich nämlich , das göttliche Gemüt einer gewissen » Generals-Wina « zu erheben ... Es gibt vielerlei Ewigkeiten in der armen Menschenbrust , ewige Wünsche , ewige Schrecken , ewige Bilder - so auch ewige Töne . Der Laut Wina , ja nur der verwandte Winchen , Wien , Mine , München , erfaßte den Notar ebensosehr , als wenn er an - Aurikeln roch , auf deren Duft-Wolken er sich so lange in neue ausländische Welten verschwamm , bis er entdeckte , daß er nur die frühesten seines Lebens tauig ausgebreitet sehe . Und die Ursache war eben eine . In seiner Kindheit war nämlich , da er an den Blattern blind dalag , ein Fräulein Wina , die Tochter des General Zablocki , dem das halbe Dorf oder die sogenannten Linken gehörte , mit der Mutter zum Schultheiß gekommen . In der Familie hatte sich erhalten , daß das kleine Mädchen gesagt , der arme Kleine sei ja sehr tot , und sie woll ' ihm alle ihre Aurikeln geben , weil sie ihm keine Hand geben dürfte . Der Notar beteuerte , daß er sich es noch klar und süß erinnere , wie ihn Blinden der Aurikeln-Geruch durchdrungen und ordentlich berauscht und aufgelöset habe , und wie er ein peinliches Schmachten gefühlt , nur eine Fingerspitze des Kindes , dessen süßes Stimmchen ihm fern , fern herzukommen schien , anzurühren , und wie er die kühlen Blumenblätter an seinen heißen Lippen totgedrückt . Diese Blumen-Geschichte mußt ' ihm , erzählt ' er , in der Krankheit und nachher in der Gesundheit unzählige Male erzählt werden , er habe aber Wina nie aus seiner Kindheits-Dämmerung gelassen und sie später nie angesehen , weil er es für Sünde gegen dieses für das Tageslicht ordentlich zu heilige zarte Wesen gehalten . Wenn ansehnliche Dichter ihre Arme und Flügel zusammenstellen , um wie auf einem Minervens-Schilde eine Schönheit emporzuheben durch Wolken hindurch , über schwache Monde , mitten unter die Nacht-Sonnen hinein :