ein wahres , tief in mein ganzes Wesen eingewebtes Gefühl zum Grunde liegt . - Bald eile ich über die Alpen , dann in jene Gegend , wo auch milde Lüfte schmeicheln , auch Mandelbäume blühen , und Rebenhügel winken , und wo mehr ist als italiänischer Himmel , weil Amanda dort lebt ! Dem ausdrücklichen Verlangen meines Vaters Genüge zu leisten , mußte ich hier auch Biondina di Monforte sehen , eine Bekanntschaft , die ich sonst gern vermieden haben würde . Ich wurde von ihr mit ausgezeichneter Güte aufgenommen , und ohngeachtet meines Widerwillens gegen sie , konnte ich mich nicht enthalten , die Reize zu bewundern , die , trotz des herangenahten Alters , noch jetzt an ihr sichtbar sind , und die , was auch die Kunst für Theil daran haben mag , von einer seltnen Begünstigung der Natur zeugen . Jedoch fand ich auch dagegen , einen Ausdruck in ihrem Gesicht und in ihrem ganzen Wesen , der mich unwiderstehlich von ihr zurückzog , und der , wie ich fest überzeugt bin , auch bei der schönsten Blüthe feuriger Jugend eben dasselbe Gefühl in mir hervorgebracht haben würde . Mit inniger Befremdung , erinnerte ich mich daher in diesen Augenblicken so mancher Scene , wo mein Vater , nach einer mehr als zehnjährigen Entfernung seines Umgangs mit ihr , als der schönsten Zeit seines Daseins mit einem Enthusiasmus , einer Rührung gedacht hatte , der an diesem sonst so sanften und gleichgestimmten Manne doppelt auffallend war . Bedenke ich aber , wie er hier , in diesem Paradiese , noch vom Abendroth der Jugend beglänzt , von Liebe und Stolz zu süßem Genuß eingeladen , sich einem seeligen Rausche hingab , der ihm die magische Binde so fest um die Augen legte , daß er die unweibliche Anmaaßung und Herrschsucht dieser Frau nicht sah , und alle ihre Fehler den Umständen und der Umgebung aufbürdete ; so wird es mir wiederum sehr begreiflich , daß ihm die hier verlebte Zeit stets für die Blüthe seines Lebens galt . Diese Frau war es , welche meinem Vater vor Albret den entschiedensten Vorzug gab , und durch diese Kränkung in das stolze und heftige Gemüth dieses Mannes einen unauslöschlichen Haß gegen den Begünstigten pflanzte . Dieser Haß ward durch mich , in dessen Anblick er die Züge seines Feindes wieder fand , aufs neue belebt , und die Begierde , sich durch den Sohn , an dem Vater gerächt zu sehen , ließ ihn mancherlei Pläne entwerfen , deren Ausführung ihm um so mehr am Herzen lag , da Amanda , deren seltnen Werth er unwillkührlich anerkennen mußte , ihn durch ihr Betragen gegen mich , immer mehr mit Haß und Rache entflammte . O ! wie willkommen , wird ihm in mancher Rücksicht der Befehl meines Vaters gewesen sein , wodurch er auf meine schnelle Abreise drang , ohne damals mir selbst die Gründe dieses Verlangens anzugeben ! - Und dem Haß dieses Mannes konnte Amanda ihre Liebe aufopfern ? Auf seine Bitten , welche die Furcht , sie früh oder spät mit dem Sohn seines Todfeindes verbunden zu sehen , ihm eingab , konnte sie durch ein feierlich gegebenes Wort mir auf immer entsagen ? - Sieh ' Barton , wenn ich mir denke , wie Albret selbst das Gelingen seines Plans triumphirend verbreitete , wie Amanda es Nanetten bestätigte , wie ich auf meinem letzten , dringend an sie geschriebenen Brief , voll feuriger Liebe , keine Antwort erhielt , dann glüh ' ich von neuem , wie in den ersten Zeiten jener unseeligen Auflösung ; selbst der Anblick des südlichen Himmels , und der milden , lachenden Natur , die mich hier umgiebt , vermehrt nur die Bitterkeit , womit ich jener nordischen Kälte und Unnatur gedenke , die mich , ach ! all zu früh ! aus dem schönsten Wahn meines Lebens weckte , und ich eile , mich zwischen engen , düstern Wänden einzuschließen , weil ich den Contrast der heitern , mich umgebenden Welt , mit der zerstöhrten , die ich im Busen trage , da minder lebhaft zu fühlen glaube ! Vierzehnter Brief Amanda an Julien Ich schreibe Dir in der seltsamsten Mischung von Wehmuth , Ueberraschung , Schmerzen und Freuden . Ein Augenblick , ein Zufall hat mir so viel Aufschluß über Zweifel gegeben , die lange mein Leben verbitterten ; hat so viele Bilder der Vergangenheit lebhaft vor meinem Geist geführt , daß ich vor Unruhe und Träumen kaum zu mir selbst kommen kann . Und warum jetzt diese Entwickelung , diese oft mit heisser Sehnsucht gewünschte Befriedigung ? Warum jetzt erst ? Warum sehen wir das , was wir so sehnlich wünschten , meist erst dann geschehen , wann unsre Freude darüber nicht mehr ganz rein sein kann ? Doch dürfen Klagen nur das herrliche Gefühl , den süßesten Genuß des Herzens verbittern , der in dem Gedanken der Ueberzeugung liegt , uns von einem Wesen geliebt zu sehen , welches uns selbst das Geliebteste war ? - Nein ! ohne Rücksicht auf Vergangenheit und Gegenwart , ohne ängstliches Untersuchen , dessen was ist , und was hätte sein können , will ich mich , dankbar und frei , jetzt ganz diesem schönen Gefühl hingeben , eines der seeligsten , welches das Menschenherz zu empfinden vermag ! - Vor einigen Tagen , erhielt ich von Nanetten , die mehrere Jahre lang für mich so gut , wie aus der Welt verschwunden war , einen Brief , in welchem sie mir , ohne sich über ihr langes Schweigen zu rechtfertigen , oder unsre vorigen Verhältnisse zu berühren , eine leichte Skitze ihres bisherigen Lebens gab , und mir dann auf eine lustige Art ankündigte , wie sie in kurzer Zeit , von ihrem Mann begleitet , den sie mir aber nicht nannte , auf ihr so lang verlassenes Gut reisen wollte , wo sie mich ganz gewiß zu sehen hoffe . Meine Freude , diese fröhliche ,