, die ihn alle Verhältnisse , wie ein Stück Metall und eine künstliche Arbeit ansehn läßt , doch unwillkührlich und ohne es daher selbst zu wissen , eine stille Ehrfurcht und Gottesfurcht vor allen unbegreiflichen und höhern Erscheinungen zu haben , und daher das Aufblühen eines Kindes mit demüthiger Selbstverleugnung zu betrachten . Ein Geist ist hier geschäftig , der frisch aus der unendlichen Quelle kommt und dieses Gefühl der Überlegenheit eines Kindes in den allerhöchsten Dingen [ , ] der unwiderstehliche Gedanke einer nähern Führung dieses unschuldigen Wesens , das jezt im Begriff steht eine so bedenkliche Laufbahn anzutreten , bey seinen nähern Schritten , das Gepräge einer wunderbaren Welt , was noch keine irrdische Flut unkenntlich gemacht hat , und endlich die Sympathie der Selbst Errinnerung jener fabelhaften Zeiten , wo die Welt uns heller , freundlicher und seltsamer dünkte und der Geist der Weissagung fast sichtbar uns begleitete , alles dies hat meinem Vater gewiß zu der andächtigsten und bescheidensten Behandlung vermocht . Laß uns hieher auf die Rasenbank unter die Blumen setzen , unterbrach ihn der Alte . Zyane wird uns rufen , wenn unser Abendessen bereit ist , und wenn ich euch bitten darf , so fahrt fort mir von eurem frühern Leben etwas zu erzählen . Wir Alten hören am liebsten von den Kinderjahren reden , und es dünkt mich , als ließt ihr mich den Duft einer Blume einziehn , den ich seit meiner Kindheit nicht wieder eingeathmet hätte . Nur sagt mir noch vorher , wie euch meine Einsiedeley und mein Garten gefällt , denn diese Blumen sind meine Freundinnen . Mein Herz ist in diesen Garten . Ihr seht nichts , was mich nicht liebt , und von mir nicht zärtlich geliebt wird . Ich bin hier mitten unter meinen Kindern und komme mir vor , wie ein alter Baum , aus dessen Wurzeln diese muntre Jugend ausgeschlagen sey . Glücklicher Vater , sagte Heinrich , euer Garten ist die Welt . Ruinen sind die Mütter dieser blühenden Kinder . Die bunte , lebendige Schöpfung zieht ihre Nahrung aus den Trümmern vergangner Zeiten . Aber mußte die Mutter sterben , daß die Kinder gedeihen können , und bleibt der Vater zu ewigen Thränen allein an ihrem Grabe sitzen ? Sylvester reichte dem schluchzenden Jünglinge die Hand , und stand auf , um ihm ein eben aufgeblühtes Vergißmeinnicht zu holen , das er an einem Zypressenzweig band und ihm brachte . Wunderlich rührte der Abendwind die Wipfel der Kiefern , die jenseits den Ruinen standen . Ihr dumpfes Brausen tönte herüber . Heinrich verbarg sein Gesicht in Thränen an dem Halse des guten Sylvester , und wie er sich wieder erhob , trat eben der Abendstern in voller Glorie über den Wald herüber . Nach einiger Stille fieng Sylvester an : Ich möcht euch wohl in Eysenach unter euren Gespielen gesehn haben . Eure Eltern , die vortreffliche Landgräfin , die biedern Nachbarn eures Vaters , und der alte Hofkaplan machen eine schöne Gesellschaft aus . Ihre Gespräche müssen frühzeitig auf euch gewürkt haben , besonders da ihr das einzige Kind wart . Auch stell ich mir die Gegend äußerst anmuthig und bedeutsam vor . Ich lerne , versezte Heinrich , meine Gegend erst recht kennen , seit ich weg bin und viele andre Gegenden gesehn habe . Jede Pflanze , jeder Baum , jeder Hügel und Berg hat seinen besondern Gesichtskreis , seine eigenthümliche Gegend . Sie gehört zu ihm und sein Bau , seine ganze Beschaffenheit wird durch sie erklärt . Nur das Thier und der Mensch können zu allen Gegenden kommen ; Alle Gegenden sind die Ihrigen . So machen alle zusammen eine große Weltgegend , einen unendlichen Gesichtskreis aus , dessen Einfluß auf den Menschen und das Thier eben so sichtbar ist , wie der Einfluß der engern Umgebung auf die Pflanze . Daher Menschen , die viel gereißt sind , Zugvögel und Raubthiere , unter den Übrigen sich durch besondern Verstand und andre wunderbare Gaben und Arten auszeichnen . Doch giebt es auch gewiß mehr oder weniger Fähigkeit unter ihnen , von diesen Weltkreisen und ihrem mannichfaltigen Inhalt und Ordnung gerührt , und gebildet zu werden . Auch fehlt bey den Menschen wohl manchen die nöthige Aufmerksamkeit und Gelassenheit , um den Wechsel der Gegenstände und ihre Zusammenstellung erst gehörig zu betrachten , und dann darüber nachzudenken und die nöthigen Vergleichungen anzustellen . Oft fühl ich jezt , wie mein Vaterland meine frühsten Gedanken mit unvergänglichen Farben angehaucht hat , und sein Bild eine seltsame Andeutung meines Gemüths geworden ist , die ich immer mehr errathe , je tiefer ich einsehe , daß Schicksal und Gemüth Namen Eines Begriffs sind . Auf mich , sagte Sylvester , hat freylich die lebendige Natur , die regsame Überkleidung der Gegend immer am meisten gewirkt . Ich bin nicht müde geworden besonders die verschiedene Pflanzennatur auf das sorgfältigste zu betrachten . Die Gewächse sind so die unmittelbarste Sprache des Bodens ; Jedes neue Blatt , jede sonderbare Blume ist irgend ein Geheimniß , was sich hervordrängt und das , weil es sich vor Liebe und Lust nicht bewegen und nicht zu Worten kommen kann , eine stumme , ruhige Pflanze wird . Findet man in der Einsamkeit eine solche Blume , ist es da nicht , als wäre alles umher verklärt und hielten sich die kleinen befiederten Töne am liebsten in ihrer Nähe auf . Man möchte für Freuden weinen , und abgesondert von der Welt nur seine Hände und Füße in die Erde stecken , um Wurzeln zu treiben und nie diese glückliche Nachbarschaft zu verlassen . Über die ganze trockne Welt ist dieser grüne , geheimnißvolle Teppich der Liebe gezogen . Mit jedem Frühjahr wird er erneuert und seine seltsame Schrift ist nur dem Geliebten lesbar wie der Blumenstraus des Orients . Ewig wird er lesen und ich nicht satt lesen und täglich neue Bedeutungen , neue entzückendere Offenbarungen der liebenden Natur gewahr werden . Dieser unendliche Genuß