Grafen nah liegenden Gütern . Jeder Tisch war für einige Gäste mitberechnet , sie fanden also leicht einen Platz . Sie suchten sich sogleich ihre Verwandte oder Bekannte heraus , und wer keine zu finden hatte , wurde von allen eingeladen , er wählte selbst seinen Wirt ; die freundliche Hausfrau , das netteste , sittsamste Töchterchen zählten die meisten Gäste , und entschieden die Wahl auf den ersten Blick . Der Graf hatte einige Söhne aus dem Dorfe unter seinem Regimente , diesen hatte er heimlich Urlaub gesandt , nach ihrer Heimat zurückzukehren und sich mit ihren Mädchen zu verbinden , die schon längst auf diese Erlaubnis geharrt hatten . Jetzt kamen sie muntern Soldaten unvermutet zwischen den Bäumen hervor , und begrüßten die freudig erschreckten Eltern und die errötenden Bräute , die sich unter den versammelten Mädchen befanden , und welche heute ihre Aussteuer von Eleonorens Händen erwarteten . Herzlich froher lauter Willkommen schallte von allen Seiten ; Umarmungen , Glückwünsche und Händeschütteln gingen im kunstlosen Reihentanz durcheinander , bei dem der freiere militärische Anstand und die hellen Farben der Uniformen lustig abstachen gegen das einfältige friedliche Betragen der Einwohner . Der Graf und Florentin kamen dazu ; er bezeigte Eleonoren seine Zufriedenheit , und lächelte vergnügt bei dem schönen Anblick . - » Sehen Sie , Florentin « , sagte Eleonore , » wie das alles lacht und lebt . « - » Mir ist « , sagte Florentin , » als sähe ich eine Szene von Teniers lebendig werden ! Es wäre noch der Mühe wert zu leben , wenn es immer so auf der Welt aussehen könnte ! « - » Mutter « , rief Therese , » wo bleibt denn Juliane ? Ich werde ungeduldig . « - » Es ist wahr « , sagte Eleonore , » sie müßte schon hier sein , und wo bleibt Eduard ? « - » Sie waren schon diesen Morgen mit ihm aus , Florentin « , sagte der Graf , » ich sah Sie beide zurückkommen , was hatten Sie schon so früh vor ? « - » Die Gesellschaft trennte sich gestern sehr früh , wir blieben noch zusammen , ein Buch , das wir vor einigen Tagen zu lesen angefangen hatten , zog uns so fort , daß wir nicht eher aufhören konnten , bis es geendigt war ; es war nun nicht mehr Zeit sich niederzulegen , wir gingen hinaus , und erwarteten den Morgen . « - » Seit einigen Tagen « , fing der Graf wieder an , » habe ich ein nachdenklicheres , trüberes Wesen an Eduard bemerkt , als ihm gewöhnlich ist . Hat er Ihnen etwa die Ursache vertraut , Florentin ? Oder haben Sie sonst Gelegenheit gehabt zu bemerken , was ihn drückt ? Sie müssen uns kein Geheimnis daraus machen , es ist vielleicht nicht unmöglich seinem Verdruß abzuhelfen , oder irgendeinen geheimen Wunsch zu erfüllen . Warum verbirgt er sich uns ? « - » Mir ist nichts bekannt , Herr Graf , als was Sie selbst bemerkt haben , nämlich daß er nicht so heiter als gewöhnlich ist . « - » Haben Sie sonst keine Vermutung ? « - » Die steigende Ungeduld , vielleicht die Erwartung ! « - » Unmöglich ! Sein Glück ist so nah , so sicher . « - » Vielleicht ist es etwas ... mir hat er ... wirklich ... ich weiß nicht ... Wenn Sie mir erlauben , so will ich jetzt die Gräfin Juliane aufsuchen . « - Er ging zurück auf das Schloß . Die Fragen des Grafen hatten ihn verwirrt . Entdeckt hatte Eduard sich ihm nicht , aber er war fest überzeugt , eine geheime Eifersucht , die er gerne unterdrücken möchte , marterte ihn , er war bis zur Peinlichkeit reizbar geworden ; Juliane heiterte ihn freilich oft wieder auf , aber nur auf kurze Zeit , dann war irgendeine Kleinigkeit wieder imstande , ihn zu beunruhigen . Wie ein Gespenst trat es Florentin vor die Seele , er sei die Ursache dieser Zerstörung . Auch das , was in jener Nacht in der Mühle vorgegangen war , konnte er sich auf keine andere Weise sonst erklären . Auf dem Korridor nach Julianens Zimmer sah er eine Tür geöffnet , die er bis jetzt immer verschlossen gefunden hatte ; er trat hinein , es war das neu eingerichtete Schlafzimmer für Julianen , in dem die Kammerfrauen eben noch einiges ordneten . Ein Basrelief mit Figuren in Lebensgröße über dem Kamine zog sogleich seine Augen auf sich . Es war eine Psyche , welche die Lampe in der Hand , den schlummernden Gott der Liebe mit staunendem Entzücken beschaute . Es war in edlem Stil gearbeitet , und von vollendeter Ausführung , Florentin betrachtete es mit innigem Vergnügen , und glaubte die Hand des Meisters darin zu erkennen ; er freute sich es so unverhofft erblickt zu haben . Das ganze Zimmer war übrigens mit glänzender Pracht eingerichtet . Als er es eben verlassen wollte , und noch einen Blick umher warf , fiel ihm das große Prachtbette auf , das dem vortrefflichen Kunstwerk gegenüberstand . Am Oberteil des Lagers sowohl , als zwischen den stolzen Federbüschen , die auf den reich mit goldnen Quasten verzierten schweren seidnen Vorhängen prangten , breiteten sich mit großer Würde die Wappen , gleichsam der schwebenden , beinahe entkörperten Psyche erdrückend entgegen . - Wir wagen es nicht zu bestimmen , was dem Florentin für Bemerkungen eingefallen sein mögen , aber er lachte laut auf . Juliane und Eduard begegneten ihm , als er zur Türe heraustrat . - » Ich war im Begriff Sie beide aufzusuchen , Sie werden im Park erwartet . « - » Von wem ? Sind meine Eltern dort ? « - » Sie wünschen im Park zu frühstücken , eh ' die Gesellschaft zu groß wird , auch werden Sie eines erfreulichen Anblicks genießen . « - Sie eilten hinunter