mir stürzet ? Tilie : Es sei dir Nacht , und nächtliches Entzücken , Das mild der Sterne Blumenglut ergießt , Erblühe dir aus meinen stillen Blicken . Und wenn du mir nicht in die Augen siehst , So will ich deinen Arm gelinde drücken . Damit sich nie das Leben dir verschließt , Sollst du an meinem Arme hängend fühlen , Wie warm mein Herz , will deines gleich erkühlen . So sprich mir dann von deinem jüngsten Leben , Von deiner Freud und Schmerzen Heiligkeit , Denn über dieser wunderbaren Zeit Kann nur der Schmerz , kann nur die Freude schweben . Dem Ältern sind die Stunden hingegeben , Er führet sie zu Frieden oder Streit , Er herrschet über sie . So Freud wie Leid Muß er allein sich selbst bestimmend weben . Um Vater , Mutter und das Vaterland Weint oft Eusebio so stille Tränen Und hat verloren , was er nie gekannt . Auch mich hält fest ein tief unendlich Sehnen , Der frühverlornen Mutter zugewandt ; Denn uns besitzt , was wir verloren wähnen . Besinne dich ein wenig , was du sagest , Denn selten , lieber Freund , sagst du das Rechte . So sollte ich mich besinnen , Römer , und wußte doch von nichts , kannte niemand mehr als sie . O , wie hat mich dies Weib gefangen genommen , und wie werde ich durch sie leiden müssen , Schmerzen , die sie nimmer verstehen kann . Sie heilt , wie die Natur , alle Wunden , ohne sich zu einzelnen hinzuwenden ; sie heilt mit einer eigentümlichen heilenden Kraft , mit einem Balsam , der wie ihre eigne Gesundheit in ihr lebt . So bin ich denn einem Wesen hingegeben , das in seiner eigentümlichsten Macht dasteht ; ich liege in der Wiege der Natur , ihr Fußtritt bringt mein Leiden mit leichten Schwingungen in die Träume der goldnen Zeit ; möge ich erwachend an ihrem Busen von einem Geiste beseelt sein , für den meine jetzige Sprache ein Stammlen des Kindes ist . Oder werde ich sterben , wenn ich an ihrem Busen erwache , und die Form aller Formen mir vor den Augen und der Quell aller Nahrung und Wollust zwischen meinen Lippen schwillt ? O wie werde ich dich dann nennen , Freund ! mit aller Macht des Worts , allem Zauber der Poesie nennen können . Godwi Godwi an Römer Ich habe dir gestern geschrieben , Römer , wie wir sprachen , und will gerne fortfahren , aber ich habe hier in jeder Minute stets so viel geliebt und gelebt , daß ein ganzes Leben der Erinnerung immer hinabsinken muß , um die Gegenwart zu umfangen . Wer in der reinen Natur und unter den Menschen Gottes lebt , o ! der ist so von der unendlichen Kraft durchdrungen , daß er keine Augen für die Handlung hat . Ich bin so gezwungen zu leben , daß alle Reflexion mir Mühe kostet , und wäre ich nicht so ungeschickt , und so verschroben , daß in jeder Minute des Alleinseins mir alles Genossene als Bedürfnis erscheint , weil ich noch nicht in mir selbst fortdauernd empfinde , daß diese Welt ewig in mir entzündet , so könnte ich dir nichts schreiben als abgebrochene Sätze und Ausrufungen , wie der , der , in dem tiefsten Schoße der Wollust versunken , sich selbst mit aller Äußerung in ihm auflöst , und keine Beschreibung als in der Anschauung des Genusses selbst geben kann . - Godwi Fortsetzung meines Tagebuchs Es ist eine Torheit , Römer , daß ich dir diese Szene zu schildern anfing , da es keine war - - Es ist , als wollte ein Maler ein wunderbar heiliges , lebendiges Leben im Mondschein , wo alle Gestalt leise zerrinnt , vor dir in bestimmten Formen hinzeichnen , wo der Mensch und alles Einzelne in das Ganze zerrinnt , wo nichts von dem Hintergrunde sich trennt , und alles in ein leises Gefühl des ewigen Gleichheit verschwimmt , und unser bestimmtester Begriff nur der des allgemeinen seligen Daseins des Lebens sein kann . Es war kein Umriß da und keine Fülle , und kein Selbstgefühl , es war alles eins , und ich fühlte Tiliens warmen Busen an meiner Brust , wir wandelten leise , als wollten wir den Schlaf des Waldes nicht erwecken . Mein Herz drängte sich in meiner Brust schüchtern hinüber zu dem ihrigen , dessen vollen Schlag ich fühlte , sie drängte sich im Gehen dicht an mich , und alle Fibern zitterten in mir . Ich wußte nicht , ob die Eichen oder unsre Locken so sanft über uns rauschten , ob Tiliens Blicke den Mond oder der Mond ihre Blicke anzündete . Ich war nie mehr - und doch nichts als ein Lebender . Das Äußre fühlte ich in meiner Seele in einem stillen Weben , und mich das Äußre bildend und von ihm gebildet . Es war , als habe ich ein Element um mich erschaffen , das seinen Schöpfer mit Wellen dankend umschlingt , und ihn von sich selbst trennend zur Einzelheit erhebt . - - Es war die letzte Empfindung des Geschaffenen , und die erste des Schöpfers . Mit dunkeln Wünschen ist die Ordnung in unserm Herzen angeknüpft , ihr stiller Strom fließt zu der Liebe hin , und kehrt mit allem Leben ewig in unser Herz zurück . Ich habe bis jetzt noch keinen Genuß im Leben gehabt , den mir die Reue über den Mißbrauch meiner Fähigkeit , mich zu freuen , nicht begleiten würde , wenn es nicht nichtswürdig und eine schnöde Verachtung der Gegenwart wäre , etwas zu bereuen . Schnell nieder mit der alten Welt , Die neue zu erbauen . Der , dem die Liebe sich gesellt , Darf nicht nach Trümmern schauen . Aus Kraft und nicht aus Reue dringt , Was die Vergangenheit verschlingt . Nie darf die Erinnerung mit Neid nach der Gegenwart blicken ,