Philisterthum der Genius hindurchbrach ... Der Adel wußte , was er an dem Manne besaß . Er drückte ihm aus , was zu besitzen ihm Beruhigung gewährte , wenn man Schiller und Goethe ablehnt . Da waren ja Denken und Dichten , Wahrheit und Schönheit auch vertreten ; wozu brauchte man die protestantische Welt ? Auf Freiherrn Levinus von Hülleshoven war die ganze Provinz stolz ; nur mußte er nicht von Rom , Griechenland und Jerusalem gleich auch nach Abyssinien und Cochinchina reisen ... Deshalb kamen die Hörner gerade recht , die ein lustiges Jagdlied schmetterten ... Schon war das reiche Mahl fast zu Ende , schon war der heute so auffallend schweigsame Terschka in der Nothwendigkeit , auf Rom sowol , wie auf den Hufbeschlag der Pferde Rede zu stehen - hatte er doch alle Offiziere durch seine Kenntniß des letztern , wie die Damen durch seine Kenntniß des erstern oft genug gefesselt - als Püttmeyer endlich , endlich an sein Glas klopfte . Beim fortgesetzten Gefülltwerden desselben hatte er bemerkt , daß seine Sinne plötzlich zu schwindeln anfingen und der Augenblick zu kommen drohte , wo der Mensch von Einsicht erkennt , daß er keinen Toast mehr bringen soll ... Allgemeines Bravo und Klopfen an die Gläser ... Püttmeyer steht auf ... Es war ein Moment , wo ihm der Boden unter den Füßen wankte . Hinter einem Transparent im Dunkeln hatte er stundenlang sprechen können - jetzt aber mußte er seinen ganzen Menschen aufbieten , um sich zu behaupten . Danken wollte er für das ihm gebrachte Hoch , wollte wiederum , wie sich ' s erwarten ließ , seiner Philosophie eine anerkennende Zukunft prophezeien ... Armgart sah durch ihre in Thränennebeln flimmernden Augen hindurch die sonnenbeschienene Warte des Geyerfels , von der Angelika Müller einst in einer schönern Stunde gesprochen : Da möchte man predigen ! ... Schon war Püttmeyer ' s : Hochzuverehrende Damen und Herren ! über seine Lippen , die etwas im Tone Schnuphase ' s sprachen ; schon hatte er wiederum zum Beginn seiner eigenen Verherrlichung gelegenheitsgemäß gesagt : » Wie aus dem Wald , in welchem die edle Waidmannskunst vor wenigen Stunden , bald zum letzten mal ehe die Axt des Holzschlägers die alten Stämme niederlegen wird , ihr fröhliches Jagen erschallen ließ , in kurzer Zeit sich die Grundlagen einer jener Eisenstraßen erheben werden , welche das Gaslicht der Aufklärung auch endlich in unser Land , in das Land der Böotier « ; - - und schon war nach dem stürmischen Jubel auf dies ironische Sichselbstverspotten durch ein Stichwort , mit dem die fragliche Provinz nicht selten bezeichnet wurde , und nach dem Wehen der Damentaschentücher , die in diesem Augenblick zu Kriegsfahnen wurden für den neueröffneten Kreuzzug gegen Ketzer- und Beamtenthum - Püttmeyer im Begriff , seinem » einsamen Denkstein « und seinem : » Heureka ! « auch vor den Männern eine genugthuunggebende Zukunft zu verheißen , als - die Lacerte am Riedbruch auch in diesem Augenblick wieder dahinhuschte , wieder eine Dame aufsprang , wieder wie zur Flucht , und wieder Lucinde , die schon Allbeobachtete , nach der Thür suchte ... Diesmal war aber die Störung nur das Signal eines allgemeinen Aufbruchs ... Im Saal waren die Fenster nicht verhängt gewesen . Durch eine große dreigetheilte Balconthür hindurch hatte man einen erschreckenden Anblick ... Feuer ! riefen schon draußen Stimmen zu gleicher Zeit ... Feuer ! wiederholte man von den Corridoren ... Ein Nordlicht ist ' s ! rief Jemand im Saale , zur Beruhigung auffordernd ... Der glührothe Schein konnte nur einem Brande angehören ... Eine Weile Todtenstille ... Der Schein war im Süden ... In Witoborn ist ' s ! riefen die einen ... In Heiligenkreuz ! die andern ... Auf Westerhof ! schrie Armgart und stürzte wie aus einem Traum erwachend , der den Tag über dumpf auf ihr gelegen , und mit fanatischer Erregung zur Thür hinaus ... Die Rede und der Abend waren zu Ende . Püttmeyer stand an der Tafel , wie ein kalt gewordenes Gericht und konnte sich nicht finden . Es war ihm , als wäre ihm plötzlich auch sein eigener Verstand so davon-und zur Thür hinausgelaufen ... Die Beruhigungen des Wirthes und der Diener konnten Niemanden mehr zurückhalten ... Ein breiter glührother Schein blieb quer über dem schneebedeckten Rücken eines Tannenwaldes liegen ... Am Zittern des Scheins sah man , daß die Flamme vom Winde bewegt wurde . Bald war der Schein stärker , bald schwächer ; die Bewegung kam , wie in regelmäßigen Pulsschlägen . So unheimlich sah es sich an , daß die Frauen schon die Erscheinung fühlten , wie wenn die intermittirende Bewegung vom eigenen Herzen kam ... Die Phantasie der einen machte sich durch Aufschrei Luft , die andern gingen wie in der Irre . Jede Natur , mochte sie sich eben auch ganz in der Beherrschung gegeben haben , die Bildung und Ueberbildung mit sich bringen , warf jetzt die Fesseln ab . Die schweigsamste wurde beredt , die lauteste verstummte . Schluchzen hörte man , Trostworte ... Alle aber riefen : Die arme Gräfin Paula ! Und sie hat es vorausgesehen ! ... Levinus , Armgart , Terschka und Thiebold waren schon verschwunden ... Noch ehe diejenigen , die auf das obere Stockwerk und das Dach geeilt waren , zurückkehrten und die Nachricht brachten , es schiene in der That entweder das Schloß Westerhof oder die Liborikirche oder das Stift Heiligenkreuz zu brennen , war der Saal entleert ... Im Hof drängte sich ein Gewühl kaum zum Durchkommen ... ... Die Pferde , die Spritzen wurden aus den Ställen und Remisen gezogen ... Viele Herren , selbst Fräulein von Merwig setzten sich auf eine der Spritzen , um nur rasch an Ort und Stelle zu kommen ... Dabei fehlten die Diener , die Jäger , die Mägde . Viele hatte schon der magische Reiz , den jede Feuersbrunst ausübt , angezogen , trotz der ernsten Warnung des Grafen , die Jedem