, ich empfinde es wie eine Ahnung und es ängstigt mich ! Sagen Sie es , sprechen Sie es aus , geliebter Onkel , was haben Sie , was ist vorgefallen ? Der Graf stützte mit der geschlossenen Hand sein Haupt , und es leise und traurig wiegend , sagte er : Wir werden nicht mehr oft beisammen sitzen ! Was soll das heißen ? riefen Mutter und Tochter wie aus Einem Munde . Aber statt ihnen zu antworten , entgegnete der Graf : Wie durfte ich darauf auch rechnen ? Wie konnte ich nur wähnen , daß so viel Anmuth , Geist und Güte allein dazu geschaffen wären , den Niedergang eines Daseins wie das meinige zu verschönen ! Und Hildegarden ' s Hände ergreifend , zog er sie näher an sich heran und nöthigte sie damit unmerklich , sich von ihrem Platze zu erheben . Sie begriff nicht , was der ganze Vorgang bedeuten konnte , indeß sie war stets geneigt , bei irgend einer Gefühlsergießung mitzuwirken , und sich auf das Polster niederlassend , das zu des Grafen Füßen lag , sagte sie , die Mutter anblickend : Mama , frage Du den Onkel , womit Deine Hildegard es verschuldet hat , daß er ihr mit seinem Zweifel an der Treue ihrer Freundschaft heut ' so wehe thut ! Nein , rief der Graf , schweigen Sie , schweigen Sie , meine Freundin , damit ich mich fassen , mich überwinden kann ! Ihre Ankunft überraschte mich und ließ mir nicht die Zeit , mich zu sammeln . Sie wissen es ja , ich bin ein Egoist , ich kann nicht , kann nicht selbstlos lieben , wie Sie beide , wie die theure Hildegard . So eigensüchtig , so ganz auf dieses lieben Wesens Nähe ist mein Sinn und meine Zuversicht gestellt , daß selbst sein Glück mich nicht mit dem Gedanken aussöhnt , es künftig , es vielleicht bald entbehren zu müssen . Die Worte des Grafen wurden den Frauen immer räthselhafter , aber seine Erregtheit theilte sich ihnen mit , und die Gräfin , welcher der Vorgang doch bedenklich scheinen mußte , verlangte endlich eine bestimmte Erklärung desselben . Der Graf gewährte ihnen dieselbe nur auf seine Weise . Er fragte , ob er sich irre , wenn er glaube , von Hildegard den Namen eines Majors von Kabeniew gehört zu haben . Ob er sich täusche , wenn er meine , daß der Major ihr seine Hand angetragen und sie dieselbe wegen ihrer Verlobung mit Renatus ausgeschlagen habe . Nein , nein , rief Hildegard , Sie irren nicht ! Aber was ist ' s mit dem Major ? Da legte der Graf seine Hand auf Hildegard ' s Schulter und sagte : Was es mit ihm ist ? - Er entreißt mir meines Lebens einziges , wahres Glück ! Er ist gestorben - und Sie , Hildegard - Sie sind seine Erbin . Sein Testament liegt auf der russischen Gesandtschaft ; man hat sich bei mir erkundigt , ob man ' s Ihnen unvorbereitet übermachen dürfe . Morgen schon wird es in Ihren Händen sein , morgen sind Sie eine reiche Erbin ! - Und was werde ich Ihnen dann noch sein ? - Was kann mein mäßiges Vermögen , das einst das Ihrige werden sollte , Ihnen dann noch bedeuten ? Es entstand eine lange Pause , denn man geht aus großer Beschränkung nicht zu großer Lebensfreiheit über , ohne eine Wandlung , eine Erschütterung in sich zu spüren . Hildegard hatte den Reichthum stets ersehnt und ihre verhältnißmäßige Armuth war ihr nach der fehlgeschlagenen Hoffnung auf ihre Verheirathung doppelt drückend gewesen . Sie wußte , daß Herr von Kabeniew sehr reich gewesen war , und die Aussicht , jetzt plötzlich zu einem bedeutenden Vermögen zu gelangen und vor allen Dingen dadurch unabhängiger , reicher , freier zu werden als Renatus , als Cäcilie , schwellte ihre Brust mit einer nie gekannten Freude . Nicht nur ihr Glück genoß sie , sie genoß im voraus auch bereits das Erstaunen und wo möglich die Demüthigung der beiden Menschen , die sie tödtlich haßte , denn sie gehörte zu den verbitterten Naturen , deren Freude der Unterlage eines fremden Schmerzes nöthig hat , um voll und ganz zu sein . Kein Wort , nur ein laut aufgeschrieenes Ach ! entrang sich ihrer Brust , und beide Arme um der Mutter Nacken werfend , weinte sie , als solle es ihr das Herz zersprengen . Die Gräfin weinte ihre Freudenthränen mit ihr . Auch ihr fiel eine schwere Last vom Herzen . Graf Gerhard saß in seinem Sessel und wendete sein Auge nicht von ihnen . Endlich , als er meinte , daß die Frauen sich mit ihren Gefühlsergüssen genug gethan hätten , richtete er sich empor , die Schelle zu ziehen . Das lenkte Hildegard von sich selber ab . Sie eilte hinzu , ihm die Mühe zu ersparen , und erkundigte sich , was er wünsche . Ich will den Diener nach einem Wagen für Sie senden , sagte er . Sollen wir Sie verlassen ? fragte Hildegard . Der Graf sah schwermüthig zu ihr empor . Sie werden zu Hause möglicher Weise schon die Dokumente finden , welche der Legationsrath Ihnen auszuliefern hatte . Es ist natürlich , daß Sie dieselben zu lesen , daß Sie Sich mit der Mutter zu besprechen wünschen , und ich habe Sie , liebe Hildegard , ja nun gesehen ! Fahren Sie nach Hause , theures Kind ! Die Gräfin und Hildegard weigerten sich dessen ; er bestand jedoch auf seinem Vorschlage . Ich habe ja Freude , sprach er , wenn ich Ihrer denke , und - an das Alleinsein werde ich mich gewöhnen müssen ! Er reichte ihr die Hand . Als sie sich zu ihm neigte , zog er sie , als könne er seiner Empfindung nicht widerstehen , auf das Polster zu seinen Füßen nieder , und ihr Haupt in seine