Auge ? Oder fesselt Sie doch nicht die wilde Leidenschaftlichkeit seiner Frau ? Ah ! Ich hätte nie geglaubt , daß die Inquisition so schöne Dienerinnen hat , wie Sie , Fräulein Wilhelmine ... Ich habe mehr von Ihnen und Ihren Umgebungen gehört , als ich Ihnen wiederholen möchte ... Was wissen Sie von mir und jener Frau ? Der Majorin von Werdeck ? Ich hoffe , Sie wissen , daß ich sie noch in meinem Leben nicht gesprochen habe . Mein Bruder malte ihr Bild und aß zuweilen bei den Werdeck ' s polnische Pirotkis . Und Leidenfrost ? Dieser Aufwiegler der Werkstätten , dieser Führer der Handwerker , dieser cynische Robespierre ... Steht in einer geheimnißvollen , mir dunkeln Beziehung zu jener Familie , das ist wahr . Aber ich glaube nicht , daß dabei die Politik eine Rolle spielt ... Die gefährlichste ! Die Verbindung mit Polen soll in jenem Hause unausgesetzt unterhalten werden . Der leidenschaftliche Katholicismus der Majorin ist der Deckmantel ihrer wahren Gesinnung . Man weiß , daß sie Seelenmessen für Menschen lesen läßt , die in Sibirien gestorben sind . Durch Klosterverbindungen verständigt man sich mit Denen , die in Krakau und Warschau nur auf den Augenblick harren , um - doch wovon unterhalt ' ich Sie ! Ich staune , Fräulein ! rief Dankmar , dem alle diese Äußerungen übertrieben und verleumderischen Entstellungen nacherzählt vorkamen . Welche Chronik ! Trennen Sie sich von diesen Umgebungen ! sagte das Fräulein drängend und mit großer Innigkeit . Über Allen , die mit Werdeck verkehren , zieht sich eine mächtige dunkle Wolke zusammen ... Ihr Proceß , Herr Wildungen- wüßten Sie nur , was man davon spricht ! Ich lausche mit Spannung ... Wolle der Himmel verhüten , daß Sie jemals diese großen Reichthümer gewännen ! Sie würden sie nur dazu anwenden , die Revolutionen aller Staaten zu unterstützen . Ah so ! Nein , mein Fräulein ! Ich würde sie nur dazu anwenden , einmal irgend ein Wesen , das ich liebe , mit allen Reizen des Glückes zu umzaubern . Ich baute diesem Wesen Villen , hängende Gärten , Paläste ... Aber im Ernst , Fräulein , sind diese Gesinnungen der Loyalität , die Ihre schöne Stirn mit einem Heiligenschein umgeben haben , wirklich Ihre innersten Überzeugungen ? Ich weiß es , ich frage fast so dreist , wie man eine Prophetin fragen würde , ob sie wirklich an den Gott glaube , von dem sie sich ergriffen erklärt ? Aber wir haben denn doch die Bücher der Geschichte aufgeschlagen vor uns liegen . Sie sind doch auch den Frauen zugänglich und ich weiß es , die Bildung ist Ihnen , mein Fräulein , ein theures Wort . Sagen Sie mir nur um ' s Himmelswillen , kennen Sie denn Das nicht , was wir Männer Kritik nennen ? Es ist Ihnen also unmöglich , die Zeit im Großen und Ganzen aufzufassen und zu fühlen , daß Ihr und Ihrer Genossen Wirken und Denken eine reine Selbsttäuschung ist ? Fräulein Wilhelmine bat Dankmar , auf einer Bank , die ziemlich am Ende des Gartens unter dem Weinlaubdache stand , Platz zu nehmen . Sie setzten sich ... Sie sagen , begann sie gesammelt und mit einem Sonnenschirme spielend , daß Ihnen etwas an uns unbegreiflich ist und wir sind in dem gleichen Falle über Sie und die Ihrigen . Kann man gemeinschaftliche Sache mit Menschen machen , die die Fackel der Empörung anzündend nur Verwirrung wollen , um sich zu bereichern oder zu Ehrenstellen aufzuschwingen ! Wie schonungslos hat man zerstört ! Forschen Sie den Tonangebern nach ! Es sind meist nur ruinirte , zweideutige Mitglieder der Gesellschaft . Kann man Freiheit da finden , wo nur die Rohheit und Sittenlosigkeit das Recht bekommt , glänzende Gewänder um sich zu werfen ! Sehen Sie die kecken Gebehrden der verworfensten Individuen , die es jetzt wagen , der Sitte und dem Anstande Hohn zu sprechen . Kann man wünschen , daß je die Gesellschaft diesem Pöbel preisgegeben wird , diesem Pöbel , der in meinen Augen auch unter den Menschen steckt , die äußerlich anständig gehen . Man wühlt nur , um seiner jämmerlichen , ehrgeizigen und habsüchtigen Leidenschaften willen . Die Musik spielte in der Ferne . Die Kinder jagten sich . Die Paare wandelten auf und ab . Man mied das von seinen Früchten befreite Weinlaubdach ... Dankmar , dem diese Unterhaltung von psychologischem Interesse war und dem die Situation einer Verständigung zwischen zwei so verzweifelten Gegensätzen , wie sie von ihm und diesem Fräulein vertreten wurden , fesselnd erschien , erwiderte : Sie sind in diesem Augenblicke viel aufrichtiger gegen mich , als Sie es gegen die Welt sind . Wie so ? fragte Wilhelmine . Der Welt gegenüber stellen Sie die Hingebung an den Thron und die Interessen der absoluten Monarchie wie etwas Ursprüngliches dar , wie eine Art Religion ; während Sie doch eben verriethen , daß dies System , wie ich es nennen möchte , nur die Folge einer sehr klug angestellten Reflexion ist . Welcher Reflexion ? Sie fühlen , daß mit der Demokratie in der Art , wie sie Ihnen erschienen , nicht gut zu leben ist und verwerfen sie deshalb ohne Weiteres , indem Sie eine Anbetung der Monarchie , eine Vergötterung der Hebel derselben befördern , die das Übel , das Sie bekämpfen wollen , nur ärger machen wird . Man muß dem Throne Kraft geben , den Arm der Fürsten stärken , die Bürgschaften der Ordnung befestigen ! Alles Politik ! Alles Reflexion ! Durchaus keine Religion , durchaus keine Andacht ! rief Dankmar und rückte seiner Gegnerin näher , indem er einige welke Weinblätter , die auf ihren Nacken gefallen waren , weglas ... Nennen Sie es Tugend , wenn man sich dahin stellt , wo man die Gefahren der Gesellschaft abgewendet sieht ! antwortete das Mädchen bestimmt und von Dankmar ' s Spiel durchrieselt . O nein , Das nenn '