Junge , wie er war , nahmen sie ihn zur Garde . Er stand bei den Jägern . « » Und durch schwere Schulen ist er gegangen , sagten Sie ? « » Das will ich meinen ! Lassen Sie sich erzählen . Der grüne Jägerrock sticht in die Augen ; grün geht noch über blau ; kurz und gut , Schupke wurde ein glücklicher Liebhaber . Der Himmel hing ihm voller Geigen . Ob er das Mädchen heiraten wollte , weiß ich nicht , aber sie hielt zu ihm , und eines Tages , der Böse hatte sein Spiel , schenkte sie ihm Uhr und Kette . Eine goldene Uhr . Es sei ein Erbstück ; ein Onkel von ihr sei gestorben . Das hätte nun unsern Schupke wohl stutzig machen sollen ; aber der Mensch ist eitel , und wenn er hübsch ist und erst zweiundzwanzig Jahr , dann ist er ' s doppelt , kurzum Schupke nahm die Uhr und freute sich dran ; die kleine goldene Kette paradierte zwischen dem dritten und sechsten Knopf , und wenn ihm ein Gedanke durch den Kopf ging , so dachte er : › Es sterben so viele ; warum soll er nicht gestorben sein ? ‹ Es sterben so viele Onkel , aber ihr Onkel , des Mädchens Onkel war nicht gestorben und schon am andern Tage hieß es : des alten Wolffenstein goldene Uhr wird vermißt , Uhr und Kette ; und eine Stunde später hieß es : man weiß , wer sie hat ; sie hat es gestanden . Das ging wie ein Lauffeuer durch die Stadt ; es kam auch in die Jägerkaserne . Schupke wurde leichenblaß . Ein unbescholtener Mann , makellos , aller Leute Liebling , – und nun entehrt . › Ich hab es nicht gewußt ‹ ; aber wer hätt ' es geglaubt ? Der Schein war gegen ihn . Es schüttelte ihn am ganzen Leibe ; er riß das Fenster auf , um wieder frei zu atmen ; es half nichts ; ein furchtbares Anklagewort gellte ihm vor den Ohren ; er hörte das Ticken der unglückseligen Uhr auf seiner Brust ; er tat sie weg – es tickte noch . Es mußte sein ; er nahm seine Büchse und ging hinaus . Aber das Leben ist süß . Er irrte draußen umher , erst an der Havel hin , dann links in den Forst hinein . › Jetzt ! ‹ Er riß seinen Rock auf . Nein , noch nicht . So vergingen Stunden . Wo ist Schupke ? hieß es derweilen in der Kaserne . Man öffnete seinen Schrank . Da lagen Uhr und Kette . Man sah auf den Büchsenstand . Eine Büchse fehlte ; Schupkes . Alles war klar . Der Hauptmann seiner Kompanie , Graf Schlieffen , warf sich aufs Pferd . Der Weg war wie vorgeschrieben . Er sagte sich : ein Jäger ist in den Wald gegangen . Fünfhundert Schritt hinterm Schützenhause begegnete ihm ein Mann , der Reisig auf seiner Karre heimkarrte . › Guten Tag , Papa , habt Ihr nicht einen Gardejäger hier herum gesehen ? ‹ › Woll , den hebb ick sehn . Reitens man to , Herr Hauptmann . Mit den Jäger is et nich richtig . Ich kaek upp ' n Kirchhof . Da läg he an een von de Gräbers up sine Knie , un ick hürte , wie he lies ' beden und spreeken deih . Un denn legt he sinen Kopp up det Grab , immer deeper int Gras . Mit den Jäger is et nich richtig . Reitens man to , Herr Hauptmann . ‹ Also doch . Graf Schlieffen jagte vor . In einer Minute hielt er an dem halb angelehnten Torflügel . Da lag der Gardejäger noch auf seinen Knien , wie der Reisigsammler erzählt hatte , und betete . Schupke ! rief der Graf . Schupke sprang auf und griff nach seiner Büchse . Er sah wie gestört aus ; dann winkte er mit der Hand , wie um anzudeuten : der Graf solle ihn nicht stören . Der aber ritt näher . Schupke winkte noch einmal . Als der Graf auch jetzt noch weiter vorritt , legte Schupke die Büchse an die Schulter : Zurück , Herr Hauptmann , oder ich schieße ! Der Graf hielt ; – ein Gardejäger trifft seinen Mann . So war Zeit gewonnen . Im nächsten Augenblick aber fiel ein Schuß . Schupke hatte sich in die Brust geschossen . Auf einer Bahre trugen sie ihn heim . Er schien ein Sterbender . Aber die Jugend war stärker als der Tod . Drei Jahre lang lag er im Lazarett , die Kugel hatte ihm ein Stück Tragband mit in die Lunge gejagt ; dann stand er auf und war ein genesener Mann . Kein Mensch in Potsdam sprach von dem , was vorhergegangen war ; in Mitleid war jede andere Betrachtung untergegangen ; jeder hatte ein tiefes Mitgefühl für den Mann von Ehre , der die leise Schuld , die ihn traf , mit seinem Blute bezahlt hatte . Er verließ das Lazarett und wurde Förster in der Pirschheide . Hier , wo die Lichtung ist , dort stand sein Haus . Das Trauerspiel war aus ; das Idyll begann . Er schloß eine glückliche Ehe , und ehe zehn Jahre ins Land gegangen waren , war er eine › Figur ‹ in Havelland und Zauche . Er trat wie ein Sonnenschein in jeden Kreis ; jedes Gesicht wurde heiterer , die Kinder liefen ihm entgegen und reichten ihm die Hand . Er hatte die glücklichste Mischung : einen festen Sinn und ein freundliches Herz . So lebte er in unserer Mitte , unseres Dorfes Stolz , sich und andern zur Freude . Aber er sollte nicht zu hohen Jahren kommen . Eines Morgens – alle Dächer lagen in Reif und die Sonne stand wie eine rote Kugel über den Bäumen , – da