viele Dinge ... Schütteln Sie doch diese Fesseln ab ! sagte der Propst . Ihr jungen Männer lebt in einer glücklichen Zeit ! Welche Mühe hatten wir einst , unsre Wünsche auszuführen , unsre Wirkungskreise zu verändern ! Jetzt reist Das hin und her ; im Fluge ist man unter andre Verhältnisse versetzt . Ein junger Geistlicher , Oleander , hört heute von einem Vikariat in Plessen , von der unbesetzten Stelle des einige Zeit beurlaubten Pfarrers Stromer ; morgen ist er schon unterwegs und tritt dieses Amt an , das ihm den Weg zu besseren Ämtern bahnen soll ... Oleander ? fragte Siegbert , der den Namen schon oft , auch einigemale sonderbarerweise von Louis Armand gehört hatte . Irr ' ich nicht ... Sie werden Manches von ihm gelesen haben ... Es ist der Verlobte ... Meiner ältesten Tochter ? Glauben Sie Das nicht ! Wo junge Mädchen sind , stellt sich sogleich bei jedem männlichen Besuche ein solches Vorurtheil ein . Es ist wahr , ich habe diesen Oleander gehoben . Er hat das Sabbathspredigerstipendium in der Dreieinigkeitskapelle , er genießt manchen Vortheil , der für seine Jahre und Einsicht unverhältnißmäßig ist ; da zeigt er sich auch als Einen der Undankbaren und Vermessenen , die Alles nur sich selbst danken wollen , reißt sich von den behaglichsten Verhältnissen los und übernimmt jenes elende Vikariat - Siegbert war fast im Begriff , diese Handlungsweise Oleander ' s edel und schön zu nennen , als ihr Gespräch durch eine Störung unterbrochen wurde . Sie waren dem Hause wieder näher gekommen , als Siegbert am Gitter des Gartens im Hofe einen jungen Soldaten erblickte , der schüchtern die Thür öffnete und sich nach Jemanden , den er zu suchen schien , umsah . Siegbert ging zu dem jungen Soldaten hinüber , um ihn nach seinem Anliegen zu fragen . Dieser trat mit dem schönen Anstande , der einem gebildeten Krieger eigen ist , näher , faßte an seinen Tschako und wünschte Herrn Dankmar Wildungen zu sprechen . Warten Sie einen Augenblick ! sagte Siegbert und empfahl sich dem Propste . Er wollte den Bruder im Garten suchen . Da trat ihm dieser aus einem schattigen Gange , Fräulein von Flottwitz begleitend , schon entgegen . Er erkannte sogleich den Sergeant Heinrich Sandrart , dessen sich der Major von Werdeck öfters zu Aufträgen bediente bei der nähern Beziehung , die zwischen diesem Offizier und den Brüdern seit einiger Zeit besonders durch Leidenfrost eingetreten war ... Heinrich Sandrart , der etwas leidend aussah , überreichte Dankmarn ein Billet von dem Major . Während dieser las , trat Fräulein Wilhelmine dem Sergeanten näher und fragte : Garde ? Garde ! Erstes Regiment ? Zweites Regiment ! Dritte Compagnie ? Dritte Compagnie ! Lieutnant von Aldenhoven ? Sandrart mußte alle Fragen der unterrichteten , kriegskundigen Offizierstochter fast zustimmend beantworten . Dankmar trat näher und sagte dem Sergeanten : Eine Empfehlung an den Major ! Sehr erwünscht . Wir würden die Ehre haben , ihn zu erwarten . Damit legte Sandrart die Finger an den Tschako und wollte sich entfernen zum Entzücken der Flottwitz , die sich an seiner Haltung und dem Hereinragen auch des Militairischen in dieses Fest nicht genug weiden konnte . Aber schon hatten auch Paulowna und Rurik von einem Soldaten gehört , waren herbeigesprungen und betasteten diesen Krieger , seinen Säbel , die Aufschläge seiner Uniform , die Tressen , wie den Schmuck einer Figur ... Sie sind Heinrich Sandrart ? fragte Dankmar . Zu dienen , mein Herr ! Es ist schon einige male , daß wir uns sahen ; Sie blasen die Flöte , sind fleißig , wollen Ihr Fähnrichexamen machen ? Hat Ihnen Das der Major gesagt ? Der Major hält große Stücke auf Sie ! Er verdient , daß sein Bataillon für ihn durch ' s Feuer geht . Die Flottwitz hatte etwas auf der Zunge , was sie auszusprechen durch die Kinder verhindert wurde . Olga , die das Gespräch in der Ferne beobachtet hatte , war gleich so wohlwollend gewesen , ein Glas mit Wein füllen zu lassen , es auf ein lackirtes Bret zu stellen , ein Stück Kuchen hinzuzulegen und den Kindern zum Überbringen an den hübschen Soldaten zu übergeben . Diese faßten den Teller Beide zugleich an und trugen ihn behutsam , doch nicht ohne bedeutende Schwankungen und Verschüttungen . Dankmar redete Sandrart zu , zu nehmen und wollte Olga einen freundlichen Blick zuwerfen ; doch war Olga schon wieder verschwunden ... Es trieb sie eben wie ein Irrlicht unruhig bald da- , bald dorthin , ruhelos , unstät , wie ihre dunklen Augen selbst hin und wieder gingen ... Die dritte Compagnie steht in keinem guten Rufe ; sagte die Flottwitz . Wer sagt Das ? antwortete Sandrart . Die ganze Armee ! Sandrart schwieg . Es lag außerhalb der Disciplin , hier Ansichten auszusprechen . Ein guter Soldat , fuhr die Flottwitz begeistert fort , soll treu seinem Könige dienen , treu der Fahne , auf die er geschworen hat . Sandrart aß in steifer Haltung seinen Kuchen , trank seinen Wein und schwieg . Die Ehre des Kriegers , fuhr das geröthete , jetzt flammende Mädchen fort , ist der Gehorsam . Wenn sich die Bande der Disciplin lockern , wird die Kraft eines Heeres gelähmt . Das unsrige hat seine Schlachten nicht dadurch gewonnen , daß ein Jeder dazwischen redet und vom Volke fabelt , sondern dadurch , daß es für seinen König Blut und Leben dahingab und seinem Vorgesetzten selbst dann gehorchte , wenn eine Armee auch nur unter den Waffen steht und zusehen muß , was die Weisheit seines Fürsten so oder so beschließt . Sandrart schwieg . Krieger , fuhr das seltene Mädchen , die in der That den Namen einer neuen Jungfrau von Orleans verdiente , fort , Krieger , die sich von der Demokratie irre machen lassen in ihrer Pflicht , verdienen den Namen der Tapfern nicht . Sie schänden die glorreiche