den Gütern , deren Ertrag nach dem Abgange von Adam Steinert in den letzten Lebensjahren des Freiherrn Franz so tief heruntergekommen war , daß er die Bedürfnisse der Herren von Arten nicht mehr deckte , fanden jetzt drei Familien ein reichliches Auskommen und ein immer wachsendes Gedeihen , weil sie selber schufen und erwarben , was sie brauchten , weil sie ihre Bedürfnisse und ihre Einnahmen in Einklang erhielten und weil ihre eigene Tüchtigkeit und Arbeitsamkeit den Arbeitern um sie her zu einem Antriebe und zu einer Ermuthigung gereichten , die den Gutsbesitzern ebenfalls zu Nutze kamen . Ein Jahr nachdem Herbert sich in dem Rothenfelder Amtshause niedergelassen hatte , war Seba in der Mitte des Sommers in ihre heimathliche Provinz zurückgekehrt , um ihr altes Vaterhaus einmal wiederzusehen und Herbert auf seinem Gute zu besuchen , und Eleonore hatte sie dabei begleitet . Seit die Gräfin in das Tremann ' sche Haus gezogen und gleichsam ein Mitglied seiner Familie geworden war , trennte sie sich von Seba nicht . Sie waren einander in tiefem Verständniß nahe getreten . Du hast so Viele gepflegt und gehegt , sagte die Gräfin bisweilen , daß es nur in der Ordnung ist , wenn sich endlich Jemand findet , der Dich nun hegt und pflegt . Davide hat ihren Mann , hat ihre Kinder ; ich habe Niemanden als Dich , und es kommt Dir zu , daß ein Wesen um Dich ist , über welches Du ganz verfügen kannst . Wo Du bist , da bin ich , wo Du hingehst , gehe ich mit Dir ! Seba wollte das nicht gelten lassen , denn sie wünschte , Eleonore in einer ihr angemessenen Ehe glücklich zu sehen ; aber es war , als hätte das Gemüth der Gräfin noch ein Ruhen nöthig , nachdem es ihr in schweren Kämpfen gelungen war , sich mit Hülfe ihrer Freunde völlig von den Banden frei zu machen , in denen der Abbé sie gehalten hatte ; und Paul bestärkte sie in ihrer Hingebung an Seba . Laßt sie ungestört gewähren , rieth er , wenn Davide in ihrem Glücke Heirathsplane für die Freundin machte . Für eine Eleonore kommt gewiß der Tag , an welchem die Freundschaft ihr nicht mehr allein genügt ; laßt uns ihn erwarten . Sie und Seba hatten in den letzten Jahren verschiedene große Reisen gemacht , sie waren auch einen Sommer in Haughton Castle gewesen . Aber Eleonore hatte in England nur ihre nächsten Anverwandten aufgesucht , und obschon von ihnen jetzt wieder bereitwillig empfangen , hatte sie sich doch nach Deutschland und in das Haus zurückgesehnt , in dem ihr zuerst selbstlose Liebe begegnet war und in dem sie es erlernt hatte , sich im Anschlusse an ihre Umgebung , im engverbundenen Zusammenhange des Familienlebens durch Hingabe zu bereichern , durch Unterordnung zu erheben . Man dachte nicht daran , sie besonders aufzuklären , sie zu erziehen . Die Luft macht eigen und die Luft befreit . Man ließ das Leben walten . Freilich wunderten die Leute , vor Allen Renatus und die Seinigen sich darüber , daß die Gräfin Haughton der Aufforderung ihres Gesandten , sich bei Hofe vorstellen zu lassen , nicht nachkam , daß sie noch immer in Deutschland , noch immer als eine Genossin des Tremann ' schen Hauses lebte ; man fand sich jedoch endlich damit ab , es ihr für eine ihrer englischen Grillen auszulegen , und des Freiherrn Angelegenheiten waren nicht der Art , ihm eine besondere Theilnahme an den Seelenzuständen der Personen einzuflößen , die nicht im nächsten Zusammenhange mit ihm lebten . Renatus mochte es ansehen , wie er wollte , das Glück wendete sich ihm nicht wieder zu . Während in Paul ' s Hause eine ganze Schaar von Kindern in Kraft und Gesundheit heranwuchsen , war das einzige Töchterchen , welches Cäcilie ihrem Manne geboren hatte , ein schwächliches Kind gewesen , das bald gestorben war , und er hatte bisher vergebens auf die Geburt eines Sohnes gehofft , der seinen Namen erben und in die Zukunft tragen sollte . Die Aussicht , daß Valerio , daß der seinem Vater untergeschobene Sohn vielleicht der einzige Erbe des alten , schönen Namens derer von Arten werden könne , widerstand dem Freiherrn bei der eigenartigen Entwicklung dieses jungen Menschen mit jedem Jahre mehr , und etwas , woran er sich recht von Herzen freuen konnte , hatte Renatus nirgend . Allerdings war seine Ehe eine würdige und friedliche ; aber Vittoria war eine schwere Last für ihn und seine Frau , und auch seine Dienstverhältnisse gestalteten sich nicht so günstig , als er es erwartet hatte . Er wurde trotz der größten Pflichttreue nicht befördert , das Avancement im Frieden war sehr langsam , und er konnte sich des Gefühles nicht erwehren , daß ein unbekanntes Etwas , daß ein heimliches Uebelwollen ihm , wohin er sich auch wende , hindernd im Wege stehe . Dazu kam er auch mit seinen Vermögensverhältnissen nicht , wie er es gehofft , in die Ordnung . Der Pächter hatte nicht den Muth , seine erarbeiteten Capitalien in das fremde Gut zu stecken , und der Freiherr keine Capitalien , mit denen er selber auf dem Gute etwas hätte unternehmen lassen können . Das Pachtgeld , welches regelmäßig genug einging , blieb immer nicht lange in des Freiherrn Händen , weil er gleich bei seiner Verheirathung eine Summe aufgenommen , die er zu verzinsen hatte ; und es fanden sich , da die gesellschaftlichen Beziehungen des Freiherrn sich mit jedem Jahre ausdehnten und das Leben in der Residenz mit dem wachsenden Reichthume ihrer Bewohner auch glänzender und üppiger wurde , mit jedem Jahre irgend welche neue Ausgaben , denen man sich anstandshalber nicht zu entziehen vermochte und die ein Abzahlen des gemachten Anlehens hinderten . Hier und da , wenn Cäcilie es sah , daß Renatus sich in Geldverlegenheit befand , wenn es sie drückte , daß man die eingehenden Rechnungen nicht gleich bezahlen