handelte es sich um die Verwendung des eingegangenen Geldes . Frau von Trompetta hatte damit etwas Zeitgemäßes im Sinne . Sie sprach von den im Kampfe gegen die Demokratie hier und da gebliebenen oder verwundeten Kriegern und von deren Angehörigen , fand aber bei Siegbert sowol wie beim Propste lebhaften Widerspruch . Jener erklärte eine solche Verwendung für eine politische Demonstration , die er nimmermehr unterstützen , ja gegen die er sowol wie mancher seiner Freunde , die zu dem Album beigetragen hätten , entschieden protestiren würde . Dieser konnte nicht umhin , Siegbert Recht zu geben . Er lehnte zwar jede Übereinstimmung mit Siegbert ' s politischen Motiven ab , meinte aber doch auch , daß die Zeit noch nicht reif wäre , in einer solchen Verwendung des Albums jene Harmlosigkeit zu erblicken , die denn doch von den Künstlern , die diese Idee unterstützten , vorausgesetzt wurde ... Zu diesem Streit gesellte sich in diesem Augenblicke Leidenfrost , der nach seinen Feuerwerksvorbereitungen sehen wollte . Der Propst wußte es so geschickt zu wenden , daß er mit Siegbert plötzlich abbog und die Trompetta mit Leidenfrost allein ließ , bei dem sie , da er sehr praktisch war , noch einige Winke über ihre Pläne zu gewinnen hoffte , so abgeneigt sie ihm seiner Richtung nach auch sein mußte . Man kann sich vorstellen , wie komisch diese Unterhaltung ausfiel . Leidenfrost hielt durchweg den Ton der Ironie fest , den die Trompetta , erfüllt von ihrem Gegenstande , nicht fühlte . Er rieth ihr ohne Zweifel die wunderlichsten Wege an und machte die Frau wol nur noch verwirrter , als sie schon war . Der Propst aber sprach sich so misbilligend über die Ostentation dieser Frau aus , daß Siegbert Vertrauen gewann und das ihm für seinen Nicodemus gespendete Lob nicht zurückwies . Ich habe eine Idee mit dieser Skizze , sagte der Propst . Ich wünschte wohl , daß Sie Veranlassung fänden , sie in größern Dimensionen und am liebsten al fresco auszuführen . Die Frescomalerei , sagte Siegbert , ist mir noch zu wenig geläufig . Ich habe darin Übungen gemacht , würde aber kaum wagen , sie vor Jemanden sehen zu lassen ... Und dennoch , fuhr der Propst fort , muß man Wände haben , um sich daran vervollkommnen zu können . Ich schlage Ihnen vor , Ihre Skizze in einer Kirche auszuführen , die im vorigen Jahre theilweise abbrannte und neuerdings wiederhergestellt ist . Die Gemeinde ersucht mich , ihr Vorschläge zu einigen durch Künstlerhand auszuführenden Zierrathen zu geben . Da sie reich ist , da dem Bau noch manche Summe zu Gebote steht , so schlag ' ich Ihnen vor , die Gemeinde zu besuchen und sich mit ihr über diese Idee zu verständigen . Siegbert war von dem Vorschlage sehr angenehm überrascht und fragte nach dem Namen des Ortes . Das große und reiche Dorf Schönau , auf dem Wege von hier nach Hohenberg . Siegbert lehnte das Anerbieten durchaus nicht ab . Er erklärte sogar , daß ihm nichts erwünschter sein könnte , als die ersten Proben der Technik , die er sich in der Frischmalerei erworben hätte , an einem Orte zu versuchen , wo er die allzustrenge Kritik nicht herausforderte . Das ist sehr weise gedacht ! sagte der Propst . Reisen Sie hin ! Beginnen Sie das Werk ! Sie vergessen , Herr Propst , sagte Siegbert , daß diese Unternehmung nur im warmen Sommer begonnen werden kann . Das ist wahr ! besann sich künstlich der geübte Kunstkenner . Allein man macht vorläufig seinen Überschlag , Sie prüfen die Örtlichkeit , Sie nehmen mit dem Vorstande der Gemeinde Rücksprache . Auch wüßt ' ich sogleich eine Veranlassung , sich in Schönau den Leuten werthvoll und angenehm zu erweisen . Man wünscht bei der Einweihung der Kirche , die am Martinstage stattfinden soll , die Wiederherstellung einiger glücklicherweise aus dem Brande geretteter Bilder aus der altdeutschen Schule . Ich entsinne mich , bei früheren Inspektionsreisen in der Schönauer Kirche zwei vortreffliche Kranach ' s und einige Bibelscenen gesehen zu haben , die , wenn nicht von Albrecht Dürer selbst , doch aus seiner Schule sind . Zu dem neuen frischen Anblick der wiedererrichteten Kirche wünscht man diese Bilder so lebhaft und anmuthig als möglich zu restauriren . Auch dafür , hab ' ich gedacht , entschiede sich gewiß Ihre kundige Hand und Sie nähmen die Entschädigungen mit , die man Ihnen dafür bieten würde . Siegbert freute sich der wohlwollenden Versöhnlichkeit , die aus diesen Anerbietungen des Propstes zu sprechen schien und drückte ihm unverhohlen die angenehme Überraschung aus , die er über diese Anträge empfand . Bester Freund , setzte Gelbsattel mit einem eigenthümlichen kaustischen Ausdrucke hinzu , bis zu dem Tage , wo Ihnen das Obertribunal in letzter Instanz eine Million zu Füßen legt , dürfte es noch ziemlich lange hin sein . Glauben Sie nur nicht , sagte Siegbert , daß ich irgendwie die sanguinischen Hoffnungen meines Bruders theile ! Ich darf mich natürlich seinen Unternehmungen nicht entziehen und lasse Das , was eine gewisse Wahrscheinlichkeit für sich hat , ihm zu Liebe gern für Gewißheit gelten . Seh ' ich doch , daß ihn diese Angelegenheit nicht lässig , sondern im Gegentheil eifrig macht . Sie schlägt in sein Fach , sie nährt seine Studien . Und ich selbst finde wenigstens Den Gefallen an den Verhandlungen , daß ich mich des Überblickes der Zeiten erfreue , an vergangene Zustände meiner Familie zurückdenke und an den großen Widersprüchen der Verhältnisse , die unser Leben erfüllen , einen persönlichen Antheil habe . Dies Vergnügen wird Ihnen aber viel Geld kosten ! warf Gelbsattel etwas bitter hin ... Das ist wahr , sagte Siegbert , wir müssen schon jetzt Opfer bringen und haben alle Ursache , uns einzuschränken . Sie sehen mich auch deshalb nicht abgeneigt , eine Gelegenheit zu ergreifen , mir meine Kunst ergiebig zu machen . Leider fesseln mich für den Augenblick so