malerischen Gegenstande hängen , sind viel häufiger , als nüchterne Verordnungen Unbeteiligter voraussetzen mögen . Die Alt-Geltower scheinen so empfunden zu haben und haben ihren besten Schmuck zu bewahren gewußt . Die Giebelwand , an der sich Kanzel und Kanzeltreppe befinden , ist ganz in Kronen und Kränze gekleidet , im ganzen zählte ich siebenzig , und dazwischen hängen jene bekannten , schwarz und weißen Tafeln , an deren Häkchen die Kriegsdenkmünzen aus der Gemeinde ihre letzte Stätte finden . Die eine Tafel erzählte von 1813 ; auf der andern las ich folgendes : » Aus diesem Kirchspiel starben im Befreiungskriege für ihre deutschen Brüder in Schleswig-Holstein : F. W. Kupfer , gef . vor Düppel am 17. März 1864 ; Carl Wilh . Lüdeke , gestorben an seinen Wunden im Lazarett zu Rinkenis am 22. März 1864 . Vergiß die treuen Toten nicht . « Das Jahr 1866 schien ohne Opferforderung an Alt-Geltow vorübergegangen zu sein . Aber jetzt ! Manch neuer Name wird sich zu den alten gesellen . In der Kirche hatte sich ein Mann aus dem Dorfe , ich weiß nicht , ob Lehrer oder Küster zu uns gefunden . » Nun müssen Sie noch die Meusebachsche Begräbnisstätte sehen « , so sagte er . Wir horchten auf , da wir von einer solchen Begräbnisstätte nie gehört hatten , folgten dann aber unserem neu gewonnenen Führer , bis wir draußen an einen Vorsprung gelangten , eine Art Bastion , wo der Kirchhofshügel steil abfällt . Hier , an höchster Stelle , die einen Überblick über das Dorf und seine Gärten gestattet , bemerkten wir nunmehr einen eingefriedigten , mit Eschen und Zypressen umstellten Platz , dessen schlichtes , mit Convolvulus und wildem Wein umranktes Gitter drei Efeugräber einschloß . In ihnen ruhten Vater , Mutter , Sohn . Die letzten ihres Namens . Das Ganze wirkte durch seine große Einfachheit . Der Vater , Karl Hartwig Gregor Freiherr von Meusebach , lange Zeit Präsident des Rheinischen Kassations- und Revisionshofes , war ein Kenner der deutschen Literatur , zugleich ein Sammler ihrer Schätze , wie kaum ein zweiter . Wir finden über ihn folgendes : » Seine bibliographischen Bestrebungen umfaßten das ganze Gebiet von Erfindung der Buchdruckerkunst bis auf die Gegenwart , doch so , daß er dem Volks-und geistlichen Liede , den Schriften Luthers , vor allen aber Fischarts , so wie den nach seiner Meinung zu sehr verachteten und vergessenen Schriftstellern des 17. Jahrhunderts einen gewissen Vorrang zugestand . Alle erheblich scheinenden Bücher , welche seine scharfsinnigen Untersuchungen ihn kennen gelehrt hatten , suchte er zu erwerben . So gedieh seine Bibliothek zu einer seltenen Vollständigkeit und zu einem fein gegliederten inneren Zusammenhange . « Von 1819 an lebte er in Berlin , wenn ich nicht irre in einem der Häuser , die bei dem Neuen-Museums-Bau verschwunden sind . Hier besuchte ihn anfangs der zwanziger Jahre Hoffmann von Fallersleben , der über diesen Besuch in seinen » Aufzeichnungen und Erinnerungen « berichtet . » Schon in Koblenz hatte ich viel gehört von einem Herrn von Meusebach , der von dort aus als Geheimer Rat an den Rheinischen Kassationshof in Berlin versetzt worden sei . Er besitze , so hieß es , eine große Bibliothek , reich an altdeutschen Werken , sei ein großer Kenner und immer noch ein eifriger Sammler . Ich erfuhr bald seine Wohnung : er wohnte in dem Hause der Frau Friedländer hinter der kleinen Brücke , die über den Kupfergraben auf den Museumsplatz und die Neue Friedrichstraße zuführte . Ich ging eines Morgens zwischen neun und zehn Uhr hin , ließ mich anmelden , wurde aber abgewiesen . Ich wiederholte noch zweimal meinen Besuch ; immer aber hieß es : › der Herr Geheime Rat schläft noch . ‹ Ich ließ mich nicht abschrecken und versuchte es zum vierten Male , aber erst um elf Uhr . Diesmal hatte ich sagen lassen , der Herr von Arnim habe mich ja schon angemeldet . Nach einiger Zeit kehrte der Bediente zurück : ich möchte eintreten . Herr von Meusebach war in eifrigem Gespräch begriffen mit Frau von Savigny , begrüßte mich , ließ mich stehen und setzte sein Gespräch fort . Frau von Savigny war so gesprächig , daß sich gar kein Ende absehen ließ . Endlich nach einer Viertelstunde war der Born ihrer Beredsamkeit versiegt und sie empfahl sich . Meusebach wendete sich nun an mich . Ich sprach einfach aus , was ich von ihm wünschte , nämlich seine Bücher zu sehen . Das gefiel ihm . Ehe er mir aber etwas zeigte , öffnete er die Tür zur Bibliothek und holte links aus der Ecke zwei gestopfte Pfeifen und bot mir die eine an . Als wir so recht damit im Zuge waren , schloß er eine Tapetentür auf ; in diesem unbemerkten Wandschrank wurden die Lieblingsbücher und kostbarsten und seltensten aufbewahrt . Zuerst zeigte er mir das Luthersche Gesangbuch von 1545 . › Was sagen Sie dazu ? ‹ Ich freute mich , staunte , bewunderte . Es folgte nun eine ganze Reihe derartiger Bücher , die ich alle noch nie gesehen hatte . Die Bücherschau dauerte bereits über anderthalb Stunden , da trat Friedrich der Bediente ein : › Herr Geheime Rat , es ist angerichtet . ‹ Das störte uns nicht , wir fuhren in unserem angenehmen Geschäfte fort . Friedrich kam wieder : › Herr Geheime Rat , das Essen steht schon längst auf dem Tische . ‹ › Gut . Nun kommen Sie mit . ‹ Ich hatte früher nie Sauerkraut essen können , heute schmeckte es mir vortrefflich , sowie der leichte Moselwein ( einen andern führte der Herr Geheime Rat nicht ) . Frau von Meusebach lachte , daß ich es heute so schön getroffen hätte . Die Unterhaltung war sehr heiter . Ich erzählte allerlei hübsche Geschichten so unbefangen , als ob ich in einem Kreise alter lieber Freunde mich befände . Nach Tische begaben wir uns wieder an unsern Wandschrank