... So lächeln Mumien ... Was wünschen Sie ? fragte sie indessen mit sich sammelnder , ablehnender und hoffärtiger Kälte ... Sie erwartete eine Botschaft von Klingsohr und konnte sich darum noch weniger zur Freundlichkeit stimmen ... Mein geehrtes Fräulein - begann Hubertus mit seinem im wunderlichen Tonfall gesprochenen fremdartigen Dialekt und unterbrach sich dann schon selbst , um sich erst zu versichern , ob seine Rede unbelauscht blieb ... Lucindens Schrecken mehrte sich ... Was wollen Sie ? sprang sie voll Furcht und Unwillen auf ... Dunkler und dunkler war es geworden ... In einem Kamin , sah Lucinde erst jetzt , leuchteten noch halbglimmende Kohlen ... Mein Fräulein , begann der Mönch aufs neue und mit Milderung seiner auffallenden Hast , Sie wohnen ja wol bei Frau von Sicking - ? Ja ! Warum ? ... Sie heißen Lucinde - Schwarz - was fragen Sie danach ? Ich möchte wissen , ob Ihnen der Name - eines gewissen - Jean Picard bekannt ist ? ... Lucinde mußte sich am Rand des Kamins halten ... Da war das tödliche Wort gefallen ... Das Geheimniß ihres Innersten ausgesprochen ... Die Welt wußte schon alles ! ... Der Alte sah die Vermuthung des Briefes bestätigt ... Allmählich zog er aus der innern Tasche seiner Kutte das Papier ... Vor Aufregung lächelte er selbst ... Konnte eine so schöne , junge Dame mit Verbrechern bekannt sein ? ... Bei seinem Lächeln gingen ihm die Winkel seines Mundes fast bis zum Ohr ... Es war nicht zu unterscheiden , ob der schreckliche Mönch ihr Vorwurf oder Theilnahme bezeigte ... Lucinde stöhnte mit schwerem Athem : Jean Picard ? ... Den Namen hab ' ich - einmal nennen hören ... Ja ! ... Was soll es mit ihm ? ... Er hat auf einem Kirchhof einen Sarg erbrochen ... Der ... Der ! Ganz recht ! ... ergänzte der Mönch , entfaltete den Brief und prüfte Lucindens Benehmen , das sich vergebens zu fassen suchte ... Wissen Sie , wo er ist ? Sie würden den Behörden - mit der Angabe - einen Gefallen thun ! sagte sie kleinlaut ... Hubertus legte die Hand an den Knochen , der sein Kinn war , und betrachtete von unten her , forschend und mistrauisch , die kalte Ruhe , die sich ihm gegenüber so als völlig sorglos zu geben suchte ... Ob diese Ruhe gemacht war , unterschied er nicht ... Der gute Bruder hatte ein edles Herz , hatte viel erlebt , doch seine Geistesgaben waren nicht die hervorragendsten ... Fräulein , sprach er , als Lucinde so erwartungsvoll fragend stand ... Hier ist ein Brief an die Behörden in Witoborn ... Der Regierungsrath von Enckefuß wünscht , daß Sie - ja Sie , Fräulein - von seinem Vater , dem Landrath , um Ihre Bekanntschaft mit diesem Jean Picard befragt werden ... Lucinde hatte von Serlo einen Grundsatz angenommen . Dieser hieß : Droht dir eine Gefahr , und du weißt es und sie naht endlich , dann denke dir nur immer gleich die ganze Fülle des Elends ! Laß nichts von beschönigenden Mittelstufen , von möglichen bessern Erwartungen aus ! Sage gleich : Alles ist verloren ! Und bricht dann doch nicht alles so herein , wie du fürchtetest , so hast du ja gleich eine kleine Abschlagzahlung wieder auf das Glück ! ... So sah sie sich jetzt , wo schon die Sicherheitsbehörden ihr Geheimniß wußten , geradezu bereits in Ketten und Banden ... Sie sagte sich : So wandelst du hin ! So wird dein Loos sich erfüllen ! Das wird aus einem Weibe , wenn - » es die Liebe nicht findet « ... ! So war dir ' s , als du auf der Bühne scheitertest ! ... So war dir ' s , als dir in der Dechanei gekündigt wurde ! ... Nun sieh nur zu , was kommt ! ... Der Mönch betrachtete das ihm durch Klingsohr so wohlbekannte Mädchen voll Staunen und Mitleid ... Kreidebleich , wie der Rand des Kamins , stand sie und bemerkte nicht , daß ihr der Alte mit seiner knöchernen Hand den Brief selbst zu lesen gab ... Die Augen gingen ihr tief innenwärts ... Lesen Sie ' s nur selbst , sagte der Greis und sprach dies schon wie strafend ... Zu dunkel ist ' s ! antwortete sie , wollte lesen und konnte nicht ... Sie wandte sich , weil ihre Hände zitterten und hauchte : Sagen Sie doch selbst , was darinnen steht ! Hubertus theilte ihr den Inhalt des Briefs im kurzen Zusammenfassen mit ... Lucinde hörte ihr Todesurtheil ... Sie sah Flammen um sich her und konnte nicht entfliehen ... Sie hörte Sturm läuten von den Thürmen und rannte sinnlos mit den andern ... Grützmacher , der Wachtmeister aus Kocher am Fall , stand vor ihr mit seinem Signalementbuch und sprach sein : Na Paschol , Mamsell ! ... Eine Emissärin hieß sie den Behörden schon lange ... So stand sie wie eine Statue ... Bei alledem sagte sie : Dummheit ! Ich sehe da die ganze - blonde - blauäugige - Weisheit des - Herrn von Enckefuß ! ... Wie kommen denn Sie - Sie , ein Klosterbruder , dazu , von diesen Menschen - in - Criminalsachen gebraucht zu werden ? Der Landrath kennt diesen Brief noch nicht ! sagte Hubertus . Auch soll er seinen Inhalt nicht erfahren - Darauf geb ' ich Ihnen mein Wort - falls Sie mir sagen , Fräulein , wo ich - Jean Picard finde ! Lucinde wandte staunend ihr Antlitz ... Und was geschah ? Da lag das Papier schon auf dem halb im Verkohlen begriffenen Feuer des Kamins ... Der Mönch hatte es eben hingeworfen und das plötzliche Wehen des Kleides , das entstanden war , als Lucinde hoffnungsbelebt einen Schritt zurückfuhr , brachte den Zugwind , an dem sich das Papier entzündete und langsam zu verbrennen anfing ... Ich begreife Sie nicht - ! flüsterte