, Situationen sind es doch des wirklichen Lebens . Man sieht Das ordentlich und erlebt es mit . So paßte auch das fromme Fräulein ganz hier herein , diese wunderliche Seele , der ich eigentlich nicht einmal recht zugethan bin . Was ? rief die Trompetta , Sie tadeln die schöne Seele ? Das Kleinod aller nach innengewandten Herzen seit einem halben Jahrhundert ? Tadeln ? sagte Anna sehr ermuthigt , welch ' hartes Wort ! Ich sage nur , daß ich sie nicht von Herzen lieben kann . Nun , Das ist wunderbar ! erstaunte die Trompetta und bat um Aufklärung , indem sie fast die Hände faltete . Alle waren gespannt . Ich finde , sagte Anna gesammelt und ruhig , daß dies Fräulein eigentlich recht eigenwillig ist . Sie nimmt sich das so vor , einmal in Gott ihren einzigen Freund zu suchen und weist , fast kalt , fast gleichgültig , alle Zweifel , alle Sorge , alle Lehre der Menschen zurück . Sie bricht mit ihrem Verlobten , wie er mit ihr bricht . Sie sagt ihm : Magst du mich , so mag ich dich . Magst du mich nicht , so mag ich dich auch nicht . Ich gestehe Ihnen , daß eine solche Ergebenheit in die Wege des Schicksals bis an ' s Fahrlässige grenzt . Und weil ich doch aus ihrer Erzählung herausfühle , daß sie keineswegs in andern Dingen fahrlässig , sondern eifrig , emsig ist , so kann ich mich nicht erwehren , sie sogar für ein ganz klein wenig trotzig zu halten und ich glaube , ihr alter Onkel schickt ihr seine kleinen Nichtchen deshalb so selten auf ihr einsamgelegenes Schlößchen , nicht weil er fürchtet , daß die kleinen Mädchen bei ihr herrnhutherisch werden , sondern weil sie ein reizbares und recht apartes altes Jüngferchen ist . Die Männer billigten diese eigenthümlich vorgetragene , fast wie zwischen Zerbrechlichem mit verbundenen Augen behutsam auftretende Auffassung vollkommen und Rudhard wollte sogar noch weiter gehen und wieder von seiner beliebten Muckerei anfangen ... Nein , nein , sagte Anna mit freundlicher Drohung , weiter nicht ! Sie sollen auch gar nicht loben , Herr Pfarrer ; ich bin Ihnen doch noch etwas bös mit Ihrem Don-Quixote ! Dankmar bekam von den Andern die Aufklärung über diese Erwähnung des Don-Quixote ... Daß ich Recht habe , gnädige Frau , sagte Rudhard , bestätige Ihnen der Anblick da oben ! Die Gesellschaft war nämlich wieder an den Anfang des Gartens gekommen , dem zur Seite der Hof mit einem Wirthschaftsgebäude , einer Remise und dem Stalle lag . Über dem Stalle war ein kleines , zwar längliches , aber niedriges Mansardenfenster . Es war offen . Ein Mann in weißer Piquéjacke saß an dem Fensterbret und las mit aufgestütztem Kopfe tief in einem Buche verloren ... Alle lachten ; denn sie waren überzeugt , daß dies Peters war , der eben den Don-Quixote las ... Nun , rief Dankmar hinauf , hat Saul den Esel seines Vaters gefunden ? Peters , der die Anspielung auf seine Bibel und die Begegnung im Park von Solitüde nicht verstand , fuhr erschrocken auf und wollte sich zurückziehen ... Ei , so bleibt doch , Peters ! sagte Rudhard hinauf zu dem in größter Verlegenheit nach dem Kopf greifenden Peters , der nicht wußte , wie man ohne Mütze oder Hut grüßen sollte . Mit wem hat es denn jetzt der tolle Junker ? Peters lachte nur mit verklärtem , abwesendem Angesicht . Dankmar wollte etwas von der Kathrine hören ... Ich wette , sagte Siegbert , als Peters nicht antwortete , er besinnt sich , ob Kathrine eine von den Mägden ist , die dem Junker Don-Quixote für Edelfräulein gelten ... Kennt Ihr uns denn nicht ? sagte Dankmar . Nun erst besann sich Peters und kam grüßend aus seiner Lektüre wieder in den Zusammenhang mit der Welt . Alle lachten und mußten dem Pfarrer bestätigen , daß er ein vortreffliches Mittel gefunden hatte , einen eifersüchtigen Mann von seinen Grillen abzubringen . Man kehrte auf das Parquet zurück und folgte der Aufforderung , von dem Fruchttische zu genießen , den man nicht genug bewundern konnte . Olga entzog sich verschämt allen Lobeserhebungen über Das , was Rudhard heute für ihre Idee und ihre Schöpfung erklärte . Man fand das eigene Mädchen allgemein schön , liebenswürdig und sagte , als sie sich entfernt hatte , der Mutter mannichfache Artigkeiten über ein Kind , das sich seit der kurzen Zeit ihrer Anwesenheit so auffallend entwickelt hatte . Die Fürstin nahm diese Freundlichkeiten mit jenem Takte hin , der dem Gebildeten unter allen Umständen eigen ist und ihn immer Das treffen läßt , was sich nach den allgemeinen Gesetzen in solchen Fällen geziemt oder am Platze ist . Rudhard sah schon tiefer und blickte voll Unmuth zur Erde . Er beschäftigte sich mit den Kleinen ; denn die Gesellschaft zerstreute sich theilweise im Garten und fing an , sich in gleichgestimmte Paare aufzulösen , während die Fürstin und die Gelbsattel ' s auf dem Parquet blieben ... Der Propst und die Trompetta schienen es auf Siegbert abgesehen zu haben . Sie nahmen ihn bei Seite und begannen vom Gethsemane . Der Propst rühmte die ausgezeichneten Blätter dieses Albums , vorzugsweise aber die Farbenskizze Siegbert ' s. Einen Vorschlag , den er an sein Lob anknüpfen wollte , unterbrach die Trompetta mit dem Jammer über das Unglück , das ihr eine Laune des Hofes bereitet hätte . Sie wollte von den Männern Vorschläge hören , wie sie ihre Sammlung zum Besten eines wohlthätigen Zweckes veräußern könnte . Es blieb nichts übrig , als ihr eine Lotterie anzurathen . Sie schlug den Werth des Albums auf den Betrag von tausend Thalern an und zweifelte durchaus nicht , tausend Loose , jedes zu einem Thaler , absetzen zu können . Das Album sollte zu dem Zwecke einer Einladung und Ermunterung in den Sälen des Kunstvereins aufgelegt werden . Nun aber