ist der Schwielowsee , die belebte Straße ist die Havel , deren Fahrwasser an dem Quai vorüber und durch die unmittelbar zur Rechten gelegene Brücke führt . Ist es hier schön zu allen Tageszeiten , so waltet hier ein besonderer Zauber um die sechste Stunde ; dann schwimmen , kommend und gehend , aus dem Schwielow hinaus und in den Schwielow hinein , aber alle von der Abendsonne beschienen , die Havelkähne in ganzen Geschwadern heran und zwischen ihnen hindurch gleitet von Werder her der obstbeladene Dampfer . Die Zugbrücke steigt und fällt in beständigem Wechsel , bis mit dem Niedergehen der Sonne auch der Verkehr zu Ende geht . Nun dunkelt es . In den Lindenlauben werden die Lichter angezündet und spiegeln im See . Noch hallt dann und wann ein Ruf herüber , oder ein Büchsenschuß aus dem Fercher Forst her rollt im Echo über den See ; – dann alles still . Die Lichter löschen aus , wie die Glühpunkte in einem niedergebrannten Papier . Ein Huschen noch hierhin , dorthin ; nun verblitzt das letzte . Nacht liegt über Baumgartenbrück und dem Schwielow . Alt-Geltow Alt-Geltow I do not set my life at a pin ' s fee ; By heaven , I ' ll make a ghost of him that hinders me : I say , away ! Hamlet Etwa tausend Schritt hinter Baumgartenbrück , und zwar landeinwärts , liegt Alt-Geltow . Wenn es auch bezweifelt werden mag , daß die » alte Bomgarde « , die dem heutigen Baumgartenbrück den Namen gab , wenigstens soweit das Sprachliche in Betracht kommt , bis in die slawische Zeit hinauf zu verfolgen ist , so haben wir dagegen in Alt-Geltow ein unbestritten wendisches Dorf . Die ältesten Urkunden tun seiner bereits Erwähnung und es nimmt seinen Platz ein unter den sieben alten Wendendörfern der Insel Potsdam : Bornim , Bornstädt , Eiche , Golm , Grube , Nedlitz und Gelte . Diese letztere Schreibweise , ursprünglich Geliti , ist die richtigere . Geltow indes ist der übliche Name geworden . Die Geschichte des Dorfes geht weit zurück ; aber die schon erwähnten Urkunden , von denen die älteste aus dem Jahre 933 stammt , sind dürftigen Inhalts und lassen uns , von kleinen Streitigkeiten abgesehen , nur das eine erkennen , daß erst die Familie Hellings von Gelt , dann die Gröbens , dann die Hakes ihren Besitz hier hatten . 1660 gingen Dorf und Heide an den Großen Kurfürsten über und gehörten seitdem zu den vielen Besitzungen des kurfürstlichen , beziehungsweise königlichen Hauses in der Umgegend von Potsdam . 1842 wurde die Heide zur Erweiterung des Wildparks benutzt . Geltow war immer arm ; dieser Charakter verblieb ihm durch alle Zeiten hin , und die schlichten Wände seiner Kirche , deren wir eben ansichtig werden , mahnen nur zu deutlich daran , daß die Pfarre , um die Mitte des vorigen Jahrhunderts , zweihundert Taler trug . Wir schreiten zunächst über einen Grabacker hin , der seit zwanzig oder dreißig Jahren brach liegt und eben wieder anfängt , aufs neue bestellt zu werden . Zwischen den eingesunkenen Hügeln wachsen frische auf ; diese stehen in Blumen , während wilde Gerste über die alten wächst . Es ist spät Nachmittag ; der Holunder blüht ; kleine blaue Schmetterlinge fliegen um die Gräber ; ein leises Bienensummen ist in der Luft ; aber man sieht nicht , woher es kommt . Die Kirchtür ist angelehnt ; wir treten ein und halten Umschau in dem schlichten Raume : weiße Wände , eine mit Holz verschlagene Decke und hart an der Giebelwand eine ängstlich hohe Kanzel , zu der eine steile , gradlinige Seitenstiege führt . Und doch das Ganze nicht ohne stillen Reiz . Krone neben Krone ; gestickte Bänder , deren Farben halb oder auch ganz verblaßten ; dazwischen Myrten- und Immortellenkränze im bunten Gemisch . Das Ganze ein getreues Abbild stillen dörflichen Lebens : er ward geboren , nahm ein Weib und starb . Es ist jetzt Sitte geworden , die Kirchen dieses Schmuckes zu berauben . » Es sind Staubfänger « , so heißt es , » es stört die Sauberkeit « . Richtig vielleicht und doch grundfalsch . Man nimmt den Dorfkirchen oft das Beste damit , was sie haben , vielfach auch ihr – Letztes . Die buntbemalten Fenster , die großen Steinkruzifixe , die Grabsteine , die vor dem Altar lagen , die Schildereien , mit denen Liebe und Pietät die Wandpfeiler schmückte , – sie sind alle längst hinweggetan ; » sie nahmen das Licht « , oder » sie waren zu katholisch « , oder » die Fruen und Kinner verfierten sich « . Nur die Braut- und Totenkronen blieben noch . Sollen nun auch diese hinaus ? Soll alles fort , was diesen Stätten Poesie und Leben lieh ? Was hat man denn dafür zu bieten ? Diese Totenkronen , zur Erinnerung an Heimgegangene , waren namentlich dem aufs Saubere und Ordentliche gestellten Sinn Friedrich Wilhelms III. nicht recht . In den Dorfkirchen , wo er sonntags zum Gottesdienste erschien , duldete er sie nicht . Er gestattete aber Ausnahmen . Pastor Lehnert in Falkenrehde erzählt : Eine alte Kolonistenwitwe in meiner Gemeinde verlor ihren Enkel , den sie zu sich genommen und erzogen hatte , und der ihr ein und alles war . Sie ließ eine reich mit Bändern verzierte Totenkrone anfertigen und begehrte , solche neben ihrem Sitze in der Kirche aufhängen zu dürfen , » weil sie sonst keine Ruhe und keine Andacht mehr habe « . Pastor Lehnert gab nach . Der König , bei seinem nächsten Kirchenbesuche von Paretz aus , bemerkte die Krone und äußerte sich mißfällig ; als ihm aber der Hergang mitgeteilt wurde , fügte er hinzu : » Will der Frau ihre Ruhe und Andacht nicht nehmen . « – Solche Fälle , wo » Ruhe und Andacht « eines treuen und liebevollen Herzens an einem derartigen , noch dazu höchst