ihm eine andeutende Antwort , aber Eleonore sagte sehr bestimmt : Wir sprachen von einem traurigen Gegenstande , von mir und meiner Zukunft , und es ist gut , daß Sie , meine Freunde , jetzt dazugekommen sind , denn ich fühle mich halt- und rathlos ! Ich habe Stunden , in denen ich mich in Lebenslust an das Dasein klammern , und Tage , an denen ich aus Widerwillen gegen mich selbst , mich vor der Welt verbergen und ein Herz in Einsamkeit begraben möchte , das ... - Sie brach plötzlich ab , und nach kurzem Schweigen heftig auffahrend , rief sie : Wenn Sie es wüßten , wie man mich umworben hat , wenn Sie wüßten , wie ich in dem Glauben an eine große , reine Liebe mich mit Stolz zurückgehalten habe , von den Spielen des Herzens , in denen die Mehrzahl der Frauen sich gefällt und genügt ! Rein und ganz in meinem Empfinden , so hatte ich mich und alles , was ich habe und bin , mit meiner Liebe einst dem Manne hinzugeben gehofft , der mich zu seiner Gattin nehmen würde ! Und sich jetzt sagen zu müssen , daß ich dies alles , daß ich diese große , diese umfassende Liebe , daß ich die tiefste Verehrung meines Herzens einem Manne entgegenbrachte , der mit kaltem Auge auf mich herniedersah , dem ich nichts , nichts gewesen bin , als der Gegenstand einer Berechnung , und der , als ich in Liebe zu seinen Füßen niedersank , es vielleicht bedachte , was mein Besitz dem Orden werth sei , in dessen Dienste er sich meiner zu bemächtigen wünschte ... - Sie brach noch einmal ab und sagte dann nach einer Pause wie im Selbstgespräche : Das denkt keines Menschen Seele aus ! Doch , rief Paul , der ihr achtsam zuhörend gefolgt war , doch ! Und Seba ' s Hand ergreifend und schüttelnd , sagte er : Fragen Sie Seba , ob sie es nicht nachzudenken vermag , ob sie nicht Gleiches , ob sie nicht Schwereres erduldet hat ! Und sie hat sich aufgerichtet in sich selbst , daß sie die Stütze und die Zuflucht aller derer geworden ist , die einer starken und geduldigen Liebe für sich nöthig haben ! Was ist Ihnen denn geschehen , was haben Sie denn erlitten und erlebt ? Die Gräfin sah ihn betroffen , ja , mit Erstaunen an . Es ist wahr , fuhr er fort , Sie haben ein großes , ein schönes Capital von Liebe falsch angelegt , das ist aber auch Alles ! Sie haben Sich in dem Manne betrogen , dem Sie es anvertrauten , und nur Sie , nicht er , tragen die Schuld davon ! Sie sahen das Kleid , das er trug , Sie kannten die Grundsätze der Gemeinschaft , der er angehört ! Wer hieß Sie der eiteln Verlockung nach Herrschaft nachgeben , mit der er zuerst verführend an Sie herantrat ? Nicht er , Ihr Stolz hat Sie verleitet , die Freiheit , deren Sie nach allen Seiten hin genossen , gegen die Unfreiheit zu vertauschen , die Ihnen Herrschaft über Andere und die blinde Unterordnung Anderer als ein Glück vorspiegelte ! Nicht Ihre Liebe für den Abbé allein , Ihr Haß gegen Ihre Tante , ja , die ganze müßige , selbstsüchtige Abgeschlossenheit , in der Sie , wie Sie es mir geschildert haben , lebten , haben Sie dem Abbé in die Arme getrieben ! Und jetzt , da Sie ihn kennen , jetzt wollen Sie aus falschem Ehrgefühl hingehen , Sich in einem Kloster zu verbergen ? Sie wollten auch jetzt noch nach jener hochmüthigen Selbstbefriedigung suchen , die Sie der Erde und Ihren Mitmenschen entfremdet ? Wie können Sie nur daran denken , noch länger ein Dasein zu führen , welches in unserer Zeit und bei unseren Erkenntnissen nicht mehr werth ist , daß man ' s lebt ? - Er schüttelte mißbilligend sein ernstes Haupt , und der Gräfin fest in ' s Auge schauend , sprach er : Da wär ' s besser , Sie wären nicht genesen ! Die Frauen blickten besorgt auf Eleonore hin . Sie sah schweigend vor sich nieder . Paul störte sie in ihrem Sinnen nicht . Ein paar Mal schien es , als ob sie sprechen wolle , aber sie fand das Wort nicht oder sie vermochte sich nicht von den Vorstellungen loszureißen , mit denen sie sich bisher getragen hatte , und Davide , welche ihr dies nachempfand und ihr zu Hülfe kommen wollte , fragte : Aber was soll Eleonore denn jetzt thun ? Sie soll sich befreien und sich durch Selbstüberwindung selbst wieder gewinnen , wie unser Aller Vorbild , wie unsere Seba es gethan hat ! Sie soll dem Abbé und der Habsucht seines Ordens den Triumph nicht vollenden , den sie ihnen zu bereiten auf bestem Wege war ! rief Paul . Er hielt inne . Ihr fragt mich , was die Gräfin thun soll ? Erretten soll sie von dem schlecht angelegten Capitale ihrer Liebe , ihrer Freundschaft , was sie kann ! Sie soll ihr Herz tapfer in die Hand nehmen , sie soll sich muthig ihren Irrthum , ihre Verblendung eingestehen ! Sich soll sie anklagen , nicht die Andern oder gar ihr Schicksal , und sie soll lieben , ihre Mitmenschen lieben lernen ... O , rief Eleonore , und ihr Antlitz leuchtete in einer Verklärung , deren es früher nie theilhaftig geworden war , liebe ich Euch denn nicht ? Wie eine zärtliche Mutter , wie liebende Geschwister seid Ihr mir gewesen ! Mutterliebe und Geschwisterliebe und die Seligkeit , welche in der Ehe , in dem Lächeln eines Kindes liegen kann , Alles habe ich kennen und empfinden lernen hier bei Euch ! - Aber wenn ich von Euch geschieden sein werde ... Scheiden ? fiel ihr Davide in das Wort , und die Gräfin in ihre Arme