doch schon gefaßter , da sie die Mitfurcht eines so mächtigen Dritten hatte ... Vielleicht irr ' ich mich in den Voraussetzungen über die Verkleidung jenes Picard ... sagte sie ... Nein , nein ! Hammaker hat mir diesen Dank fürs Leben hinterlassen wollen ! Nun weiß ich es für gewiß ! Folge mir auch du ! riefen die Teufel in seiner Brust , als er aufs Schaffot mußte ... In meinen Gefängnißgesprächen mit ihm deutete ich auf jene frühern Aeußerungen über den falschen Isidorus hin ... Da fuhr er auf und sagte höhnisch , daß ich ihm denn doch auch zu viel Devotion für meine Interessen zutraute ... Für - meine Interessen ? fragte ich forschend , mußte aber schweigen und sehen Sie da , wie ich mit ihm stand - jedesmal daß ich bei ihm war , hatte ich Gift bei mir und wollte es ihm anbieten ... Einmal machte ich davon eine Andeutung ... Da sprang er auf mich zu und erschlug mich fast mit der Handschelle ... Ich entfloh , die Wache kam herein ... Ich hörte die nichtswürdigsten Worte hinter mir hergerufen ... Er glaubte nicht an seine Hinrichtung - er wollte die Buschbeck nur im Ringen , nur im Vertheidigungsstand gegen eine Wüthende erwürgt haben ... Voll Rache , auch gegen mich und meine scheiternde Vertheidigung , bestieg er das Schaffot . Seitdem athmete ich auf und ahnte nicht , daß er mich nach sich zieht ... Neulich merkt ' ich etwas davon zum ersten male ... Ein Mensch kommt zu mir und stellt sich mir vor als ein von Hammaker Gedungener - Den - Den mein ' ich ! ... bestätigte Lucinde ... Als ein Mensch , der von mir tausend Thaler bekommen würde , wenn er auf Schloß Westerhof bei Witoborn im dortigen Archiv Feuer anlegte ... Bei dem dann entstehenden Tumult sollte er eine Urkunde , die er wohlverwahrt bei sich zu Hause hätte , in das Archiv bringen ... Ich stand erstarrt ... Mich endlich ermannend fuhr ich dem wüsten Menschen an die Gurgel und wollte die Wache rufen ... Darüber wieder entsank mir der Muth ... Ein Verdacht , ein Flecken würde immer geblieben sein ... So redete ich dem stumpfsinnigen , der deutschen Sprache kaum mächtigen Menschen zu , bat ihn vernünftig zu sein , solche Nichtswürdigkeiten nicht zum zweiten male gegen mich auszusprechen und gab ihm hundert Thaler zur sofortigen Abreise ... Wie bereu ' ich die geringe Summe , die ich gegeben ! Auch die Drohungen , die ich ihm nachrief ! Ich fahre sofort auf das Polizeiamt ! sprach ich ihm die Thür weisend ; ich werde Sie anzeigen und beobachten lassen ! ... Da erst besann ich mich : Hammaker wird ihm gesagt haben : Gelingt es oder nicht , so sind tausend Thaler mehr oder weniger für Nück ' s Furcht eine Bagatelle ! Ewig kannst du auf die Art von ihm ziehen ! Jedenfalls mehr , als wenn du in Westerhof uns , heute oder morgen , beide angäbest und zum Dank - dann doch auch mit ans Eisen müßtest ! ... Ich höre alles das ! ... Lucinde , wir erleben eine große Demüthigung ... Nück brach fast zusammen . Er kam zu keiner Besinnung mehr , steckte mit seiner Furcht aufs neue Lucinden an , die an manche Beruhigung sich halten wollte , drängte in sie , abzureisen , Bickert aufzusuchen und durch ihre Beredsamkeit , natürlich auch durch so viel Geld , als sie nur mitnehmen wollte , den Verbrecher von seiner That zurückzuhalten ... So reiste sie noch am selben Abend ab und kam nach Witoborn in der leidenschaftlichsten Erregung ... Nur zu bald erfuhr sie hier , wo sich ein gewisser Dionysius Schneid befand ... Schon auf Westerhof ! ... Schon am Ziel seiner gewinnsüchtigen und frevlerischen Absichten ! ... Wie aber näherst du dich ihm ? Wie rettest du dich vor Schimpf und Schande ... Im Geist sah sie sich durch alle diese Vorgänge auf der Bank vor den Assisen ... Willenlos hatte sie sich heute schmücken lassen ... Willenlos war sie nach Münnichhof gefahren ... Paula hatte schon eine Vision von einer Feuersbrunst gehabt ! ... Das hörte sie dann ... Sie sah in Püttmeyer ' s Bildern immer nur Brand und Brand ... Sie mußte sich selbst wie schon aus den Flammen losreißen ... Brütend , wie sie an Dionysius Schneid kommen sollte , saß sie in dem dunkeln Zimmer , zum Tod vernichtet ... Entsetzt fuhr sie zusammen , als ein Bedienter den Kopf durch die Thür steckte und sie nach ihrem Namen fragte ... Vor ihren Blicken standen gleich Häscher und Richter ... Der Bediente sagte , ein Mönch , ein Laienbruder hätte bei einigen Dienern , die von Witoborn mit gekommen wären , nach dem Fräulein gefragt und zu seinem Erstaunen gehört , daß sie selbst hier anwesend wäre ... Ob er sie sprechen dürfte ? ... Wer ? fragte sie halb ablehnend , halb nicht begreifend ... Ein Bruder Hubertus ! Ein frommer guter Alter ... Aus dem Kloster Himmelpfort drüben ... Hubertus ? ... Den Namen kannte sie ja ... Aus Serlo ' s Erinnerungen sah sie den Pater Fulgentius vor sich , den Hubertus einst gerichtet hatte ... Sie wußte auch , Hubertus war der ehemalige Verlobte ihrer Hauptmännin ... Der » Bruder Abtödter « war ' s , der Klingsohr zum Pater Sebastus gemacht hatte ... Naht sich schon wieder die Kette , die dich ewig an das Vergangene schmiedet ? rief es verzweifelnd in ihrem Innern ... Sie wollte den Mönch abweisen ... Doch , noch ehe sie erwidert hatte , öffnete sich die Thür und ein dunkler Schatten huschte herein . 16. Vor der Unschönheit des Anblicks , der sich ihren Augen darbot , ergriff Lucinden ein Schauder ... Das waren keine Züge , die dem Leben angehörten ... Jene Chinesenköpfe , die sie einst im verschlossenen Zimmer der Buschbeck gesehen , traten ihr entgegen