ihm , dem Du gelobt hast , Dein Leben ausschließlich seiner Anbetung zu weihen ? Meine Seele erbebt vor dem Gedanken ! Ich liege auf meinen Knieen , und meine starke , feurige Liebe für Dich ersehnt und erfleht von dem Höchsten Deine Treue für ihn . Ich zähle die Stunden , bis mir Kunde kommen wird von Dir , die Stunden , bis ich , an das Gitter des frommen Hauses tretend , mir werde sagen dürfen : es birgt wie ein goldener Heiligenschrein den Schatz , den du der heiligen Gemeinschaft zugeführt , es umschließt das edle Herz , das du der Kirche zu gewinnen durch Gottes Gnade würdig befunden bist , und es erwächst in dieser gesegneten Mauern stiller Huth eine jener Frauenseelen für das Herrscheramt innerhalb der Kirche , der die Starken sich mit Anbetung und Wonne neigen . Komm , meine Schwester ! Komm , Du Ersehnte meiner Seele , laß mich die Stunde nicht mehr lange erwarten , in welcher unsere Seelen sich als zwei reine Flammen in der glühenden Begeisterung Eines Liebens , Eines Glaubens , Eines Hoffens zu Gott erheben . Meine ganze Seele schmachtet nach dem Glücke ! - Komm , denn ich erwarte Dich ! « Seba faltete , ohne ein Wort zu sprechen , den Brief zusammen , und eben so lautlos warf Eleonore sich mit beiden Armen der Freundin um den Hals und weinte bitterlich . Seba drückte sie an sich und hielt sie sanft umfaßt . Es war sehr still in dem Garten , Davide hatte sich entfernt , um das Kind , das an ihrem Busen eingeschlafen war , zur Ruhe zu bringen , der Knabe war ihr gefolgt , und Paul saß , die französischen Zeitungen lesend , in dem Schatten der großen , vor dem Gartensaale stehenden Bäume . Kein Lüftchen regte sich . Man hörte die Bienen leise summen , ehe sie sich in die Kelche der Blumen niedersenkten , in dem dichten Buschwerke sang und lockte die Nachtigall . Richten Sie Sich auf , Eleonore , sagte Seba endlich . Es ist gut , daß dieser Brief gekommen ist . Sie hatten ihn erwartet ; ich fühlte es Ihnen immer an . Was denken Sie zu antworten ? Was wollen Sie thun ? Weiß ich ' s denn selbst ? entgegnete die Gräfin , und nachdem sie noch einmal in ihr schwermüthiges Sinnen versunken war , sagte sie plötzlich : Es ist mir wie einem Träumenden zu Muthe . Was ich am deutlichsten wissen glaubte , was mich das Lebendigste , das Nothwendigste dünkte , Alles , worauf ich mich stützen zu können wähnte , zerrinnt mir wie Nebel , wenn ich mein Auge darauf richte , und es thut sich mir hinter demselben eine Ferne , eine Weite auf , die mir fremd ist und in der ich mich nicht zurecht zu finden weiß . Ich möchte , wenn es möglich wäre - sie zögerte und schwieg . Sie möchten Geschehenes ungeschehen machen können ! fiel ihr Seba in die Rede , um ihr zu Hülfe zu kommen . Ja ! rief Eleonore , als habe Seba mit dem bloßen Aussprechen dieses Wortes eine Fessel von ihr genommen , ja ! Ich wünschte , ich hätte mein ganzes Leben nicht gelebt ! So vergessen Sie es und beginnen Sie ein besseres , ein neues ! Kann man das ? fragte Eleonore . Kann man es sich selber vergessen machen , was man empfunden hat ? Seba nahm sie bei der Hand . Sehen Sie , Eleonore , sprach sie sanft , seit mehr als zwanzig Jahren schaue ich dem Leben jener Bäume zu , die da drüben , jenseit des Flusses , in dem Garten stehen . Als ich zum ersten Male im Herbste ihr Laub erbleichen und zu Boden fallen sah , war ich jung wie Sie , und unglücklich , weit unglücklicher , als Sie , denn ich hatte mein Herz mit seiner reinsten Liebe einem Manne zugewendet , den ich verachten mußte , ich hatte durch meine Schuld mich selbst verloren ; und ich sah in jenem Herbste auf die entblätterten Bäume hin und dachte : sie sind dein Bild , dein und ihr Frühling , deine und ihre Blüthenzeit sind hin , es ist Winter geworden und Alles ist todt und öde , todt und öde für immer ! Sie hielt inne , die Gräfin küßte ihr die Hand . Da glitt ein melancholisches Lächeln über Seba ' s Antlitz , und ihr Haupt mit seinen schönen Augen zu ihrer jungen Freundin wendend , sagte sie mit einem Tone , welcher dieser tief in ' s Herz drang : Und nun blicken Sie hinüber , ob ich mich nicht irrte ? Ob das Leben nicht viel mächtiger , die Welt in ihrem ewig waltenden Werden nicht viel wunderthätiger ist , als unser armes Herz in seinem kleinmüthigen Verzagen es für möglich hält ? Jener Winter ist entschwunden , und mancher andere nach ihm , und jeder neue Frühling hat meinen alten Bäumen drüben neues Leben und neues Blühen gebracht , und in allem ihrem Blühen und Vergehen sind sie gewachsen und gewachsen , und der Abfall ihrer Blätter selbst hat dem Boden , der sie erzeugte , noch Wärme und noch neue Kraft verliehen ! Und Sie wollten dem Leben entsagen , weil Sie einmal irrten ? Sie wollten Sich gebunden glauben durch den Eid , den Sie in einer geflissentlich durch fremden Willen in Ihnen erregten leidenschaftlichen Ueberspannung geleistet haben ? Wie dürfen Sie nur daran denken , einen unfreiwilligen Irrthum Ihres Verstandes , eine Uebereilung Ihres Herzens zu einer bewußten Lüge zu machen ? Nimmermehr , Eleonore ! Das darf , das kann nicht geschehen ! - Sie hatte die letzten Worte unwillkürlich mit erhobener Stimme gesprochen , so daß Paul und Davide , die herangekommen waren , sie vernommen hatten , und Paul die Frage aufwarf , wovon die Rede sei . Seba gab