wir schritten dorfan , um der » Grelle « und ihren Anwohnern einen Besuch zu machen . Der Weg dahin führt durch eine Akazienallee und demnächst an einer ganzen Plantage von Akazien vorbei . Schon vorher war mir der besondere Reichtum des Dorfes an dieser Baumart aufgefallen . Man begegnet der Akazie überhaupt häufig in den Havelgegenden , aber vielleicht nirgends häufiger als hier . Es ist ein dankbarer Baum , mit jedem Boden zufrieden , und in seiner arabischen Heimat nicht verwöhnt , scheint er sich auf märkischem Sande mit einer Art Vorliebe eingelebt zu haben . Alle Akazien in Spree- und Havelland rühren mittelbar von Sanssouci her , wo der Ur-Akazienbaum , der Stammvater vieler tausend Enkel und Urenkel an der Bornstädter Straße , gegenüber dem Triumphbogen steht . Die Akazie , ursprünglich als Zier- und Parkbaum gehegt , hat übrigens längst aufgehört eine exzeptionelle Stelle einzunehmen ; sie ist , wie das ihrer anspruchslosen Natur entspricht , Nutzholz geworden und bildet einen nicht unerheblichen Handelsartikel dieser Gegenden . Ich erfuhr darüber folgendes : Zu bestimmten Zeiten kommen Händler aus den Nordseehäfen , aus Hamburg , Stade , Bremerhaven , auch von der Jade her , bereisen die Akaziengegenden , kaufen an und markieren die Bäume , die zunächst gefällt werden sollen . Ein Hauptpunkt für diese Händler ist Petzow . Einige Wochen später erscheint ein Elbkahn von Hamburg oder den andern genannten Plätzen und hat eine kleine Armee von Holzfällern und Holzspaltern an Bord . Es sind Geschwisterkinder der Schindelmacher . Wie diese haben sie es zu einer Virtuosität gebracht ; sie fällen , zersägen , spalten ; während der Schindler aber ein Flachholz herstellt , stellt dieser nordische Holzspalter ein zylinderförmiges Langstück her , das später , als beste Sorte Schiffsnägel , auf den Werften der Seestädte eine Rolle spielt . Wenn der Kahn mit diesen Schiffsnägeln gefüllt ist , wird die Rückfahrt angetreten und die Petzower Akazien schwimmen ein Jahr später auf allen Meeren und halten die Planken der deutschen Flotte zusammen . – Wir hatten inzwischen » die Grelle « und damit zugleich den großen Ziegelofen erreicht , der sich hier am Ufer der tief einschneidenden Havelbucht erhebt . Dieser Ziegelofen ist weit bekannt in Havelland und Zauche ; er ist der ältesten einer , und schon im vorigen Jahrhundert umgab ihn eine Kolonie von Ziegelstreichern und Ziegelbrennern , die sich hier in Hütten und Häusern angesiedelt hatten . Diese übertrugen den Namen , den sie hier vorfanden , alsbald auf die ganze Anlage , so daß mit dem Worte » Grelle « nunmehr ebenso oft das Etablissement wie die seeartige Einbuchtung bezeichnet wird . Der alte historische Ziegelofen modernisierte sich im Laufe der Jahre , vielleicht auch die Häuser , die ihn umstanden , aber sie blieben immerhin kümmerlich genug . Auf eins derselben , dem man ersichtlich vor kurzem erst ein neues Stockwerk aufgesetzt hatte , schritten wir jetzt zu . Der Eingang war vom Hofe her . Ein alter knorriger Birnbaum , der ziemlich unwirsch aussah , legte sein Gezweig nach links hin auf das niedrige Hausdach , nach rechts hin über ein Konglomerat unsagbarer Örtlichkeiten : Verschläge , Ställe , Kofen . Zwischen ihnen das gemeinschaftliche Gestade eines Sumpfes . Alles ärmlich , unsauber ; selbst das Weinlaub , dem man dürftig und kunstlos ein Spalier zusammengenagelt hatte , spann sich verdrießlich an der Hinterwand des Hauses aus . Ein unpoetischer , selbst ein unmalerischer Ort ! Aber aus dem Weinlaub hervor schimmerte eine weiße Tafel mit der Inschrift : » Hier ward Zelter geboren am II. Dec . 1758 . « Beuth , wenn mir recht berichtet , hat seinem Freunde Zelter diese Tafel errichten lassen . Der Schüler und zweite Nachfolger des berühmten » Sohnes der Grelle « aber war – Grell . Auch der Zufall liebt es , gelegentlich mit Wort und Namen zu spielen . Baumgartenbrück Baumgartenbrück And thus an acry point he won , Where , gleaming with the setting sun , One burnished sheet of living gold , Loch-Katrine lay beneath him roll ' d. Lady of the Lake Die Havel , als sie nach Süden hin den Schwielowsee bildete , um sich innerhalb dieses weiten Bassins zu ergehen , mußte doch schließlich aus dieser Sackgasse wieder heraus , und die Frage war nur : wo ? In der Regel behalten die durchbrechenden Wogen die einmal eingeschlagene Richtung bei und ruhen nicht eher , als bis sie , dem Durchbrechungspunkte gegenüber , einen Ausgang gefunden oder gewühlt und gebohrt haben . Nicht so hier . Die Havel schoß eben nicht wie ein Pfeil von Nord nach Süd durch das Moor- und Sumpfbecken hindurch , in welchem sie während dieser Stunden den Schwielow schuf , sie erging sich vielmehr innerhalb desselben , entschlug sich jeder vorgefaßten Richtung und nahm endlich ihren Abfluß halbrückwärts , keine zweitausend Schritt von der Stelle entfernt , wo sie kurz vorher den Damm durchbrochen hatte . An dieser Abflußstelle , wo also die Havel nach ihrer Schwielowpromenade sich wieder verengt , um nordwestwärts weiter zu fließen , liegt Baumgartenbrück . Dies Baumgartenbrück wird schon frühe genannt und bereits im 13. Jahrhundert findet sich eine Burg Bomgarde oder Bomgard verzeichnet , ein sonderbares Wort , in dem unsere Slawophilen , nach Analogie von Stargard , Belgard , eine halbwendische Bezeichnung haben erkennen wollen . Was es nun aber auch mit dieser Bomgarde auf sich haben möge , ob sie wendisch oder deutsch , so viel verbleibt ihr , daß sie seit historischen Tagen und namentlich seitdem ein Bomgarden-Brück daraus geworden , immer ein Punkt von Bedeutung war , ein Punkt , dessen Wichtigkeit gleichen Schritt hielt mit dem industriellen Aufblühen der Schwielow- und Havelufer . Die Einnahmen verzehnfachten sich und wenn früher hier ein einfacher , altmodischer Zoll gezahlt worden war , um die Landreisenden trocken von einem Ufer zum andern zu bringen , so kamen nun die viel einträglicheren Tage , wo , neben dem Brückenzoll für Pferd und Wagen