Furien Verfolgten und wie der höchsten Gewissensangst kam über die in sich haltlose und so tief ehrgeizige Seele ... Und um nur etwas zu thun , was den Augenblick festhielt , betrieb sie ihre Reise , schützte Gründe der Eile vor , ließ alle Anstalten wie zu einer Flucht treffen ... Sie glaubte wenigstens darin das Beste zu thun , daß sie , selbst wenn keine Verständigung mit Nück möglich war , doch in die Nähe des Verbrechers zu kommen suchte , um seinen Arm zu ergreifen und ihm zuzurufen : Die ewigen Mächte ziehen mich durch dich noch nicht rettungslos hinunter ! Das » Hessenmädchen « - die halbe Bäuerin - das war sie geworden ! ... Geworden durch Schönheit , Ehrgeiz , Geist und - » Unglück ! « ... Sie sah Nück in ihrem kleinen Zimmer jetzt an wie eine Verzweifelnde ... Ihm aber erschien sie bei alledem eine Zauberin ; nur die rothen Kleider , die phantastischen Zeichen fehlten um ihre Schultern , der goldene Stab in ihren Händen ; er hätte sie zur Priesterin welcher Religion sie wollte gemacht ... Schon sprach er , mit heißen Seufzern sich ihr nähernd : Sie sind krank ! Lucinde ! Sie fuhr zurück , als vergiftete sie sein Athem ... Sich sammelnd bat er sie , sich zu beruhigen und die Pferde abbestellen zu dürfen ... Seine Augenbrauen zuckten hin und her ... Er öffnete das Fenster , sprach in den Hof hinunter und bestellte die Pferde ab ... Lucinde ließ nun alles geschehen ... Kommen Sie ! Was haben Sie ? Sprechen Sie aufrichtig mit mir ! Ich kann alles hören ! begann er ... Diese gleisnerische Ruhe war so entwaffnend , daß sie , als glücklicherweise die Thür aufging und die Commerzienräthin , Johanna , die Hausfreunde herbeigeeilt kamen und staunend von dem veränderten Reiseplan sprachen , einwilligte zu bleiben , zustimmte nach vorn zu gehen und ihre Furcht und ihr Bangen für den Augenblick beschwichtigte ... Nück folgte mit Ingrimm ... Er war gestört worden in einer längst ersehnten Stunde ... Doch scherzte er alles hinweg und sagte , daß er es so weit zu bringen nie geglaubt hätte , sich wieder an Thee zu gewöhnen ... Einige Tage vergingen Lucinden auf den Anblick der Harmlosigkeit des schreckhaften Mannes in einem Zustand scheinbarer Beruhigung oder der Abspannung ... ... Monika von Hülleshoven machte Condolenzbesuch und nahm Abschied , um ebenfalls auf Witoborn zu reisen ... Lucinde hätte sich der Hand dieser kleinen freundlichen und mit Rührung von Hendrika Delring sprechenden Frau anklammern und rufen mögen : Nimm mich mit ! ... Doch Monika ' s Blick war ihr kalt und streng und es schien , als wollte auch sie schon nach seither öfter erfolgter Begegnung sagen - wie fast alle Frauen - : Wir gehören nicht zusammen ! Ihre Furcht erwachte aufs neue ... Zu schreiben an Nück wagte sie nicht ... Täglich hatte Nück das Princip wiederholt , das sie schon bei der ersten Unterhaltung von ihm gehört : Nicht schreiben ! ... Schon nach drei Tagen war ihr Zustand völlig rathlos ... Als sie gerade in den obern , schon von Delring verlassenen Zimmern des zweiten Stockes etwas räumte , kam ihr eines Morgens Nück entgegen . Es war wie zufällig . Hier , in den schallenden Zimmern , ohne Tisch und Stuhl , hier wagte er , nicht achtend der Erinnerung an eine Sterbestätte , auf der sie standen , eine Scene herbeizuführen , wie die erste gewesen an jenem Piter ' schen Festabend und wie sie neulich ihm gestört worden war ... Lucinde unterbrach ihn aber und sagte : Wollen Sie mich wieder auffordern , das auszuführen , wofür Hammaker Bickert gedungen hat , der in diesem Augenblick vielleicht im Begriff ist , Ihren Proceß durch Mord brennerei zu entscheiden ? Nück sah sie mit seinen weit aufgerissenen weißen Augen an ... Schon ertrug sie diese Augen , die ihr früher so entsetzlich gewesen ... In - diesem - Augenblick - ? Was reden Sie da ? sprach er ... Lucinde wiederholte ihre Frage ... Hammaker ? Wer ist - Sie kennen - was - wer ist - Bickert ? Diese Frage war eine heuchlerische . Die ersten Reden jedoch , die Nück in unterbrochenen Sätzen ausgestoßen hatte , schienen in der That unverstellt gewesen zu sein ... Bickert , sagte Lucinde , jede Fiber in seinen Bewegungen beobachtend , Bickert ist jener Kirchhofräuber des Dorfes Sanct-Wolfgang ... Ich entdeckte ihn hier bei jener Gefahr im Profeßhause , von der ich Ihnen noch nicht alles erzählt habe ... Aber Sie , Sie hat er mir genannt als den Mann , der ihm die Mittel geben würde , für immer nach Amerika zu entfliehen , wenn er - staunen Sie nur ! - zuvor auf einem Schlosse - Feuer angelegt und bei dieser Gelegenheit eine falsche Urkunde - Himmel ! unterbrach sie Nück ... Die Wände haben ja Ohren - ! Was sprechen Sie da ? .. Sprachen Sie nicht einst selbst so zu mir ? Ich ? ... Zu Ihnen ? ... Wann ? Nück stand besinnungslos ... In wessen Auftrag ist Dionysius Schneid nach Witoborn gereist ? fuhr Lucinde mit überlegener Ruhe fort ... Dionysius - Schneid - ? Wer - ist - das ? Nück zeigte eine unverstellte Befremdung , war aber zugleich in eine Aufregung versetzt , die ihm , dem Kalten , Ruhigen , Allem gleichgültig Zuwartenden den Schweiß auf die Stirne trieb ... Kein Stuhl war im Zimmer , auf den er sich hätte niederlassen können ... Er taumelte zum Fenster hin , um sich dort zu halten ; zufällig ergriff er eine noch zurückgebliebene Vorhangschnur und ließ diese sofort aus den Händen gleiten , stöhnend : Ich hielt meinen Schutzengel von der Reise zurück ! ... Ich fange an - zu - ahnen - ! Jesus Maria ! ... Ja , ja ! ... Sie müssen fort , fort , sogleich ! ... Wär '