pries die Bibel , nannte sie das Buch aller Bücher , rühmte die Thätigkeit der Bibelgesellschaften , gab statistische Angaben über die Zahl der von England herübergekommenen und vertheilten Exemplare ... Das war aber Alles nichts . Die Trompetta beruhigte sich nicht und forderte dadurch den etwas unwirschen und verdrießlichen Rudhard heraus zu der Äußerung : Meine gnädige Frau ! Die Bibel ist ein herrliches Buch ! Sie ist gar kein Buch , sondern ein Stück von der Geschichte selbst ! Sie ist das Leben selbst und wol von Gott eingegeben , wie alle Zeugnisse seiner Größe , seiner Allmacht , wie alle Wunder , wo man die Züge seines Athems zu hören glaubt . Allein , beste gnädige Frau , die Bibel will gelesen , will verstanden sein . Ich bin dieser Tage einmal in den Fall gekommen , einem Menschen , der mich fragte , ob er die Bibel lesen solle , zu sagen : Guter Freund , hier habt Ihr ein Buch ! Les ' t darin ! Es ist nicht die Bibel , aber besser für Euch ! Es war der Don Quixote . Großer Gott ! schrie die Trompetta auf und auch Anna von Harder fühlte sich doch wie von einer kalten Hand ergriffen . Die Bibel und der Don Quixote ! rief man entsetzt . Alle Töchter des Propstes waren vor Erstaunen sprachlos . Das ist ganz einfach , sagte Rudhard sehr gelassen . Unser Kutscher verfiel kürzlich in eine Art Trübsinn und fing in sonderbarster Weise an , über Leben und Sterben zu sprechen . Den Namen Gottes führte er selbst beim Striegeln seiner Pferde im Munde und unterließ alle die herzhaften Flüche , die früher die Thiere von ihm gehört hatten und an die sie schon gewöhnt waren . Sie zogen nun auch viel schlechter . Peters , fragte ich ihn eines Tages , du bist so trübsinnig , was fehlt dir ? Herr Pfarrer , antwortete er , schon lange wollt ' ich einmal mit Ihnen sprechen und mein Gemüth stärken . Was hast du , Peters ? fragt ' ich . Er erzählte mir dann eine traurige Geschichte von seinen häuslichen Leiden . Seine Frau wäre weltlich gesinnt , lebte unter Spöttern und Ehebrechern und es verlange ihn recht die Bibel zu lesen . Warum willst du die Bibel lesen ? fragte ich . Um mich vorzubereiten , mich von meiner Frau scheiden zu lassen , sagte er ... Anna von Harder fand diesen Zug , Rudhard unterbrechend , sehr bedeutungsvoll und nannte eine solche im Volke noch wurzelnde Empfindung eine Seltenheit , da man gerade jetzt auf die leichtsinnigste Art sich verbände und wieder trennte . Gut , sagte Rudhard , ich hätte auch nichts gegen eine solche Vorbereitung einzuwenden gehabt . Ich erkundigte mich aber genauer nach den Verhältnissen des Mannes , dem Charakter und der gegenwärtigen Handthierung seiner Frau , und da merkt ' ich wohl , daß unser guter Peters nur ein Hypochonder war , die unschuldigsten Dinge schwarz sah und auf seinem Kutscherbock Grillen fing . Unter solchen Umständen hielt ich es für besser , ihm statt der Bibel eine heitere Lektüre anzurathen . Wir kauften ihm eine hübsche Ausgabe des Don Quixote mit schönen Bildern . Er hat sich nun in die Heldenthaten des sinnreichen Junkers von La Mancha so verlesen und lacht auf dem Bocke noch hinterher , wenn ihm plötzlich einfällt , was er Abends in seiner Stallkammer in sich aufgenommen hat , so lustig , daß die Pferde jetzt viel besser ziehen , und ich meine , Das ist ein Resultat , wie wir es durch die Bibel nie gewonnen hätten . Rudhard endete damit eine Erzählung , die die Unbefangenen , besonders Siegbert befriedigte , nur vorzugsweise Frau von Trompetta nicht . Sie schüttelte den Kopf und fand hier etwas , was nicht nach dem landesüblichen Systeme war . Der Blick nach dem Kutscher und die Erwähnung des Stallkämmerchens hatte die Augen auf den Eingang des Gartens gelenkt , durch den jetzt eben Dankmar Wildungen eintrat . Dankmar kam in großer Erregung . Das Erscheinen des anziehenden jungen Mannes , der von Tag zu Tag an Kraft des Willens und edler Männlichkeit gewann , erregte das allgemeinste Interesse . Man fühlte , daß der Kreis erst jetzt vollständig wurde . Die Damen grüßten ihn durch eine leichte Erhebung ; die Männer standen auf , um ihm die Hand zu reichen , selbst Propst Gelbsattel übte einen Akt der antiken Heroenzeit ; er ehrte sich selbst in seinem Gegner und machte die nähere Bekanntschaft desselben gleichsam so , daß er die Waffen erst zu seiner Begrüßung senkte . Er erwähnte sogleich den Vater der Brüder , die alte Zeltkameradschaft von Schulpforte und spielte nekkend auf das zukünftige Glück der Söhne seines alten » Freundes « an , ohne jedoch die Mutter zu erwähnen , weil ihn dies Thema in Gegenwart seiner Familie zu weit geführt hätte . Die meiste Achtung zollte Dankmar der Fürstin , die ihn gar freundlich begrüßte und ihn der neben ihr sitzenden Anna von Harder vorstellte . So sah denn Dankmar endlich auch diese vielbesprochene und ihm selbst so werthvolle Frau zum ersten male in der Nähe ! Anna betrachtete den jungen , für unternehmend und charakterfest bekannten Mann mit Wohlgefallen und konnte wol begreifen , daß die Flottwitz über und über erröthete , als ein kurzer , flüchtiger , aber sonderbar herausfordernder Blick aus Dankmar ' s blitzendem Auge statt aller Begrüßung zu ihr hinüberstreifte . Die Trompetta fragte , ob er sich erst so spät von seinem Freunde , dem Prinzen Egon , losgerissen hätte ? Ich komme soeben , antwortete Dankmar , den Kaffee , den ihm der Bediente bot , rasch niederschlürfend , von Hause , vor zwei Stunden aber aus der Kammer . Was ist vorgefallen ? fragte man gespannt . Eine eigentliche Herausstellung der Parteien , antwortete Dankmar , wird sich erst heute Abend in der Berathung eines Paragraphen zur Geschäftsordnung