Beleidigung , die Fritz ihnen angetan hatte , indem er das Gewonnene wieder verlor . Aber Frau von Kosegartens Verstand kam , trotzdem sie den Brief ihres Sohnes mit reichlichen Tränen netzte , kaum dazu , das über ihn hereingebrochene Unglück recht zu fassen . War es nicht der Grund , der Fritz bewog , endlich ernstlich an die Heimkehr zu denken ? In der betäubenden Freude , ihn bald sehen zu dürfen , versank alles andere wie nebensächliche Kleinigleiten . – Doch es folgten peinvolle Verhandlungen zwischen August und dem alten Herrn . Beide Männer entschieden , daß Fritzens Besuch unter diesen Umständen in keiner Weise erwünscht sei . Frau von Kosegarten hielt noch eine kleine , letzte Hoffnung im Hinterhalt . Tante Trinette hatte für die nächste Zeit ihren Frühlingsbesuch angesagt . Und Tante Trinette hatte ja so sündhaft viel Geld , sie konnte ihr schon den Jungen kommen lassen . Aber Trinette von Kosegarten war immer für alle Einrichtungen begeistert , die ihr gestatteten , ihr Portemonnaie in der Tasche zu behalten . Sie machte ihrer Schwägerin begreiflich , daß es ein törichter Übermut des Herzens wäre , wenn sie es unter den jetzigen bedrückten Verhältnissen der Familie gestatten wollte , Fritz mit Reisegeld zu versehen . So bedrängte man Frau Marie von allen Seiten mit Vernunftgründen , bis sie selbst an Fritz den Brief schreiben mußte , der ihm die Rückkehr im Namen seines Vaters untersagte . Tag und Nacht stellte sie sich nun jenen Augenblick vor , in dem er das Schreiben empfangen und das Kuwert öffnen würde , und wie die Ablehnung seiner Bitte auf ihn wirken mußte . Die Mutter faßte einen heimlichen Groll gegen ihren Mann , gegen August , gegen Trinette , aber vor allem gegen ihren Herrgott , der es hatte zulassen können , daß sie mit eigener Hand diesen abscheulichen Brief schreiben mußte . Ihr Sohn würde sie nun hassen , und niemals wieder würde sie von ihm hören ! Das Gekläff der Hunde kündigte den Herrn an . Frau von Kosegarten legte ihr Strickzeug in den geräumigen Strohkorb und zündete mit ihren schönen , großen , weißen Händen das Flämmchen unter der Teemaschine an . Hilde kam näher , nahm dem Onkel Stock und Mütze ab , und während er seiner Frau die Hand küßte und August den Teckeln die Schinkenränder von seinem Teller zuwarf , rückte sie dem alten Herrn den Stuhl vom Tisch , schenkte ihm Tee ein mit viel Zucker und noch mehr Rum , wie er es liebte , wenn er frühmorgens aus dem Wald kam . Herr von Kosegarten hatte es gern , daß die Frauen seines Hauses um ihn beschäftigt waren . Je mehr , je besser . Er bedauerte oft , nicht ein halbes Dutzend Töchter zu besitzen , er hätte sie alle in Atem zu halten gewußt . Es war ihm behaglich , wenn es laut und wichtig um ihn zuging . » Ärger gehabt , Alterchen ? « fragte Frau von Kosegarten besorgt . » Die liederlichen Bengels , die Volontäre ? « Er ließ sich schwer in den großen geschnitzten Lehnstuhl fallen . » Mariechen , das Leben ist putzwunderlich . Ich versteh ' s nicht mehr – ich mache nicht mehr mit . « Die Fäuste auf den Knien saß er da , mochte nicht essen , grübelte und sah sie mit seinen blauen Augen verwirrt und hilflos an . » Du hast doch etwas Besonderes erlebt ? « fragte Mariechen ängstlich , aber Hilde nötigte ihn zum Essen , und er folgte ihr auch schweigend , langte plötzlich tüchtig zu , aß und trank gierig und ohne Behagen . Plötzlich begann er zu singen , mit einer tiefen , dröhnenden Stimme und einer Melodie , die keinen Anspruch auf musikalische Anklänge machte : » Freut euch des Lebens , weil noch das Lampchen glüht , Fresset den Schinken , so lange das Schwein noch blüht . « Und lachte dann laut über seinen eigenen Witz . Mariechen lachte mit , aber ihre Augen forschten unruhig . » Kinder , man ist runtergekommen – ich sag ' s ja immer – , auf den Hund sind wir gekommen ... « Er lehnte sich in den Stuhl zurück . » Was ich erlebt habe – nee , nee , Kinder , da ist schon das Ende von weg . Das – das ist rein , um aus der Haut zu fahren ... Wißt ihr , wer sich mir eben als Käufer für Rauschenrode angeboten hat ? « » Ein Käufer ! ? « rief Marie erregt . » Aber nein , Friedrich , das wär doch herrlich ... « » Herrlich ? Na , ich danke . Thete Debberitz , das unverschämte Aas ! « » Ja , der macht jetzt hier die Gegend unsicher , « bemerkte August , nicht so erschüttert durch die Mitteilung , wie sein Vater erwartet hatte . Bei Marie wirkte die Neuigkeit stärker . Es dauerte eine Weile , bis sie sich fassen konnte . Thete Debberitz , der Sohn ihres vor manchem Jahr nicht eben in Gnaden entlassenen Rechnungsführers , trat hier auf und wollte Rauschenrode an sich bringen ? Auch sie empfand dies einfach als eine Unverschämtheit . Wo er sein Geld erworben hatte ? In Berlin mit Terrain- und Häuserspekulationen , wußte Hilde zu berichten . Millionen sollte er besitzen , so erzählten sich die Dorfleute , die den prachtvollen Mann wie ein leibhaftiges Wunder anstarrten , seit er in Schäfers Gasthof abgestiegen war . Die Unterhaltung wurde plötzlich sehr belebt am gutsherrlichen Teetisch , seit das Thema Debberitz angeschlagen worden war . Während der alte Herr sich ereiferte , nahm August eine ernste , nachdenkliche Miene an . » Na – und ich sag euch , « rief Kosegarten , » in welchem Ton sich der Kerl nach Fritz erkundigte ... Dabei – ich seh den Bengel noch hier herumstrolchen mit nem zerrissenen Hosenboden . Habe Fritzen so