. « » Ja , die Million , die er noch gar nicht hat , ist ihm zu Kopfe gestiegen , « spottete Hartmut . » Schade , daß der Bengel so bildhübsch ist ! Eine Millionärin zeichnet sich gewöhnlich nicht durch hohe Geistesgaben aus , und da hat er mit dem Gesicht und der Geniekomödie möglicherweise Aussichten , da wird seine sonstige Dummheit mit in den Kauf genommen . Uebrigens warst du noch viel zu zahm in deiner Predigt , ich hätte ihn ganz anders ins Gebet genommen . Wenn er mir einmal kommt mit der › eigentlich schon abgeschlossenen Zukunft ‹ , dann gnade ihm Gott ! « Raimar wollte antworten , da wurde die Hausthür geöffnet , und ein alter Herr trat herein , so eilig , daß er sich kaum Zeit nahm , zu grüßen . » Aber , Ernst , was soll das heißen ? « rief er vorwurfsvoll . » Maxl ist hier , die halbe Stadt weiß es schon , und ich erfahre es eben erst durch den Bürgermeister , der hat es von der Frau Doktor , und die weiß es von dem Apotheker , der den Maxl vorbeifahren sah . Warum hast du denn nicht zu mir geschickt ? « » Max kam gestern spät abends und ganz unerwartet , « sagte Ernst . » Er wäre heut jedenfalls zu dir gekommen , Onkel Treumann . « Herr Notar Treumann , der bereits in der Mitte der Sechzig stand , war ein kleines , bewegliches Männchen , mit grauen Haaren und scharfen grauen Augen , noch sehr rüstig und lebhaft für seine Jahre . Er wandte sich jetzt erst an den Freund seines Neffen , den er bereits kennen gelernt hatte . » Ihr Diener , Herr Major ! Nun , wie gefällt Ihnen unser Heilsberg ? Interessant , nicht wahr , hochinteressant ! Und die Hauptsachen haben Sie noch gar nicht gesehen . Sie müssen nach dem Rathaus kommen , da haben wir eine historische Sammlung , Urkunden , Waffen , Marterinstrumente aus den Hexenprozessen , wir haben eine ganze Folterkammer zusammengestellt , die müssen Sie sehen ! « » Danke , ich inkliniere nicht für Folterkammern , « sagte der Major trocken . » Wenn Sie einen historischen Burg- oder Klosterkeller hätten – mit Inhalt natürlich – das wäre eher mein Fall . « » Bedaure , den haben wir nicht , « gestand der alte Herr , » aber im › goldenen Löwen ‹ finden Sie auch einen guten Tropfen . Dort haben wir heute abend Zusammenkunft , Sitzung des historischen Vereins . – Du bringst deinen Freund natürlich mit , Ernst . « » Du wirst uns wohl entschuldigen müssen , Onkel , « warf Ernst ein . » Arnold ist erst seit vorgestern hier , und da möchten wir doch – « » Was , du willst wieder nicht kommen ? « unterbrach ihn der Onkel entrüstet , » Zwei Sitzungen hast du schon versäumt , heute werden wir wohl endlich auf die Ehre deiner Gegenwart rechnen dürfen . Freilich , du interessierst dich ja weder für das Historische noch für Heilsberg überhaupt , da hat der Maxl mehr Herz für seine Heimat . Denken Sie nur ! « wandte er sich triumphierend an den Major . » Er hat seine Heilsberger Studien in Berlin im Kunstverein ausgestellt , alle Welt hat sie gesehen , die Zeitungen haben sie besprochen . Ja , unser Maxl , das ist ein Talent ! Der wird die Familie noch zu Ehren bringen und Heilsberg berühmt machen mit seinem Genie . Aber wo ist er denn ? « » Das Familiengenie sitzt im Garten , « sagte der Major . » Wir haben es schon gebührend bewundert . « » So , da will ich doch gleich zu ihm . Also heut abend um sieben Uhr , im goldenen Löwen ! Sitzung – Vorträge und dann ein gemütliches Zusammensein . Da bringen wir dem Maxl eine Ovation für seine Heilsberger Studien , habe ich schon abgemacht mit dem Bürgermeister , alles abgemacht ! « Damit schoß der Herr Notar davon und in den Garten , um das Familiengenie gleichfalls zu bewundern . Hartmut sah ihm ärgerlich nach . » Der Herr Onkel scheint das Geschäft deiner Frau Mama fortzusetzen , « bemerkte er . » Die ging auch ganz auf in der Anbetung ihres genialen Maxl . « » Ja , er steht sehr in Gunst bei dem Onkel , « sagte Ernst . » Was gibt es denn ? « Die letzten Worte waren an den Schreiber gerichtet , der eben aus der Kanzlei trat und eintönig meldete : » Herr Notar , Anton Lechner und Johann Obermaier sind da und wollen einen Vergleich schließen wegen des Feldheimer Ackers – und vom Herrn Bürgermeister ist auch Bescheid gekommen wegen Verpachtung der Viehweide auf dem Gemeindeanger – und um zwölf Uhr kommt der Herr Apotheker wegen seiner Erbschaftssache – « » Es ist gut , ich weiß schon , « sagte Raimar müde . » Auf Wiedersehen , Arnold ! « Er ging in seine Kanzlei und der Major stieg die Treppe hinauf , aber dabei brummte er wütend . » Und das hält er nun Tag für Tag aus ! Bauernacker und Viehweide auf dem Gemeindeanger und apothekerliche Erbschaft – eigentlich ist es ein Wunder , daß Ernst nicht verrückt geworden ist dabei . Ich wäre es längst schon ! « Inzwischen saß Notar Raimar in seiner Kanzlei und hörte zu , wie Anton Lechner und Johann Obermaier ihm weitschweifig auseinandersetzten , daß sie sich jetzt wegen des Feldheimer Ackers , um den sie so lange gestritten , vergleichen wollten . Dabei gerieten sie aber aufs neue in Hader und Zank und kamen beinahe bis zu Thätlichkeiten . Dann wurde die Verpachtung des Gemeindeangers erledigt , und zum Schluß erschien der Herr Apotheker , von dessen Erbschaft die ganze Stadt seit vier Wochen sprach , feierlich , im schwarzen