im Tone leichter Ueberraschung sagte : „ Ah Signor Almbach , Sie hier ? “ Es war Signora Biancona ; ob sie beim Eintritte den bereits Anwesenden wirklich nicht bemerkt hatte , ließ sich nicht entscheiden , denn sie fuhr mit voller Unbefangenheit fort : „ Ich suchte auf einen Augenblick Erholung von der Hitze und dem Gewühle des Salons . Auch Sie haben sich der Gesellschaft so kurz nach Ihrem Triumphe entzogen ? “ Almbach hatte sich schnell erhoben . „ Wenn von Triumphen die Rede ist , so bleibt wohl kein Zweifel , wer sie heute feiert . Meine improvisirte Leistung vermag sich nicht entfernt mit dem zu messen , was Sie dem Publicum gaben “ Die Sängerin lächelte . „ Ich gab ihm auch nur Töne , wie Sie , aber ich gestehe Ihnen offen , daß es mich überrascht hat , erst heute und hier von einem Künstler zu hören , der gewiß schon längst – “ „ Verzeihung , Signora , “ unterbrach sie der junge Mann kalt . „ Ich habe bereits im Salon erklärt , daß ich nur auf Dilettantismus Anspruch machen darf . Ich gehöre dem Kaufmannsstande an . “ Derselbe Blick der Verwunderung , den er bei Welding im Theater gesehen , streifte hier zum zweiten Male das Gesicht Almbach ’ s. „ Unmöglich ! Sie scherzen ! “ „ Weshalb unmöglich , Signora ? Weil ich ein schwieriges Bravourstück geläufig vorzutragen vermochte ? “ „ Weil Sie es so vorzutragen vermochten und weil – “ sie sah ihn eine Secunde lang fest an und setzte dann mit voller Bestimmtheit hinzu : „ weil Ihr Antlitz den Stempel zeigt , den , wie man sich immer einbildet , das Genie an der Stirne tragen muß . “ „ Sie sehen , wie sehr der Schein bisweilen trügt . “ Signora Biancona schien dieser Ansicht nicht beizustimmen ; sie ließ sich auf den Divan nieder ; das helle Gewand legte sich leicht und luftig wie eine Wolke auf den dunklen Sammet . „ Ich bewundere Sie , “ begann sie von Neuem , „ daß Sie im Stande sind , mit solchen künstlerischen Anlagen sich einem Alltagsberufe zu widmen . Mir wäre das unmöglich . Ich bin in der Welt der Klänge und Töne aufgewachsen und vermag nicht zu begreifen , wie sich in ihr noch Raum finden kann für andere Pflichten . “ Es lag eine diesmal unverhohlene Bitterkeit in der Stimme des jungen Mannes , als er entgegnete : „ Ihre Heimath ist auch Italien , die meine – eine norddeutsche Handelsstadt . In unserem Alltagsleben ist die Poesie nur ein seltener , flüchtiger Gast , dem oft genug die Stätte versagt wird . Die Arbeit , das Mühen um den Erwerb steht immer und ewig im Vordergrunde . “ „ Auch bei Ihnen , Signor ? “ „ Es sollte wenigstens dort stehen ; daß es nicht immer der Fall ist , hat Ihnen wohl mein musikalischer Versuch gezeigt . “ Die Sängerin schüttelte zweifelnd das Haupt . „ Ihr Versuch ? Ich möchte darauf hin Ihre Meisterschaft kennen lernen . Aber es kann doch unmöglich Ihre Absicht sein , dieses Talent der Oeffentlichkeit ganz zu entziehen und es nur im Kreise der Ihrigen zu üben ? “ „ Im Kreise der Meinigen ? “ wiederholte Almbach mit eigenthümlicher Betonung . „ Ich pflege dort keine Taste anzurühren , am wenigsten in Gegenwart meiner Frau . “ „ Sie sind bereits vermählt ? “ fragte die Italienerin rasch , während eine momentane Blässe ihr Antlitz überflog . „ Ja , Signora . “ Es klang schwer und kalt dieses Ja , und der halb spöttische Ausdruck , der einen Augenblick lang um die Lippen der Sängerin spielte , als sie den kaum vierundzwanzigjährigen Mann betrachtete , verschwand vor diesem Tone . „ Man vermählt sich , wie es scheint , sehr früh in Deutschland , “ bemerkte sie ruhig . „ Bisweilen . “ Die junge Italienerin schien die Pause , welche diesen Worten folgte , etwas peinlich zu finden ; sie ging rasch zu einem anderen Thema über . „ Ich fürchte , Sie haben bereits das Examen bestehen müssen , vor dem ich Sie vorhin warnte . Die Gesellschaft war nichtsdestoweniger entzückt von Ihrem Vortrage . “ „ Vielleicht ! “ sagte der junge Mann halb verächtlich . „ Und doch war er sicher nicht für die Gesellschaft bestimmt . “ „ Nicht ? Und wem galt er denn ? “ fragte Signora Biancona den Blick fest auf ihn richtend . Auch er sah sie an ; es lag etwas Verwandtes in den beiden Augenpaaren , die jetzt einander begegneten , beide groß , dunkel und räthselhaft . Auch in dem Blicke Almbach ’ s leuchtete der gleiche Strahl , wie in dem der Künstlerin ; auch dort flammte eine heiße leidenschaftliche Seele ; auch dort schlummerte in der Tiefe der dämonische Funke , der so oft das Erbtheil genialer Naturen ist und ihnen zum Fluche wird , wenn keine schützende Hand ihn mehr behütet , wenn er zur Flamme angefacht wird , die dann nicht mehr Licht , sondern nur noch Verberben bringt . Er trat einen Schritt näher und dämpfte die Stimme , aber die tiefe Erregung darin verrieth sich doch . „ Nur der Einen , die mir und uns Allen vor wenig Stunden die höchste Schönheit und die höchste Poesie verkörperte , getragen von den Tönen eines unsterblichen Meisterwerkes . Man hat Ihnen heute tausendfach gehuldigt , Signora ! Was die Begeisterung nur zu erfinden vermochte , das legte man zu Ihren Füßen . Der Fremde , Unbekannte wollte Ihnen doch auch sagen , wie sehr er Sie bewundert , und da that er es denn in der Sprache , die Ihrer allein würdig ist . Ganz fremd ist sie auch mir nicht geblieben . “ In der Huldigung lag etwas , was sie über jede Schmeichelei erhob , der Ton echter ,