es mein lieb Mütterlein , die stund oberhalb des Kirchhofes auf der Höhe , darauf sie das Glockenhaus gebaut , und hatte durch den Abend nach mir ausgesehen . Da war ich flugs an ihrer Seiten und hielt sie an meiner Brust und frug alsbald , wo unsere Heimstätte itzo denn belegen sei ; und da sie nur über den Weg hinüber auf ein freundlich Haus und Garten zeigte , hub ich die fein und handlich Frau auf meine Arme und trug sie den Berg hinab . Und wiederum , aber solches Mal vom Hause her , rief es : » Josias , Josias ! « und unter herzlichem Lachen : » Aber gehet man so mit seiner Mutter um ? « Das war mein lieber Vater ; der war vor die Thür getreten und nahm sich nun die Mutter aus des Sohnes Armen ; denn er war von denen , welche wohl wissen , was ein Scherz bedeute , der aus reiner Herzensfreud quillet . Da aber mein Mütterlein nach ihrer lebhaften Art ihn drängte , ihren stattlichen Sohn gleich ihr mit Worten zu bewundern , entgegnete er fürsichtig : » Ja , ja , Mutter ; ich sehe , der Bruder studiosus ist gar wohl gerathen ; wollen sehen , ob der theologus darum nicht schlechter sei . « Dann führten die Eltern mich in meine Kammer ; die lag anmuthig nach dem Wald hinaus , und hat selbiger mich dorten oftmals nach meinem Nachtgebete sanft in Schlaf gerauschet . Zwar war der Fußboden nur mit Backsteinen ausgelegt ; aber mein Mütterlein hatte eine Decken übergebreitet , wie solche von den kleinen Leuten hier aus den Flußbinsen angefertigt werden . Bald stellete ich meine Bücher und die wohlgebundenen Collegienhefte auf den großen Tisch und saß zu meines lieben Vaters Freude mit großem Eifer über meiner Arbeit . Meine Mutter aber störete mich dann wohl , suchte mich ins Freie hinauszutreiben und sprach : » Was sollten doch die Leute denken , so dir in deiner Mutter Pflege die frischen Wangen einfielen ! « Und eines Abends , da es eben neun vom Glockenthurm geschlagen hatte , rief sie gar : » Da sitzest du noch , Josias , und weißt doch , daß des Kirchenältesten Tochter Hochzeit hält ! Da will es sich schicken , daß auch des Pastors Sohn mit der Braut ein Tänzchen mache ! « Dann hub sie meinen Rock vom Nagel , bürstete ihn säuberlich und steckte mir einen Hochzeitsthaler in die Taschen . Und itzt vernahm ich auch von fern das Fiedeln und Trompetten , und währete es nicht lang , so war ich mitten in der Hochzeit . Es sind aber nach altsächsischer Art die Häuser hier gebaut , also daß das Vieh , welches , wie dazumal im Sommer , auf den Koppeln oder Fennen weidet , zur Winterszeit zu beiden Seiten der großen Diele seinen Stand hat , die Stuben für den Bauern und seine Leute aber , was sie » Döns « benennen , der Thorfahrt gegen über zu unterst an der Dielen liegen . Da ich nun von draußen aus der sommerlichen Abendstille eintrat , war mir erstan , als sähe ich ein seltsam und beweglich Schattenspiel ; denn die Unschlittkerzen an den Ständern warfen nur karge rothe Lichter über die Köpfe derer , die hier sich durch einander drängten oder zu Paaren ihren Zweitritt tanzten und mit Juchzen und Gestampf den Musikanten Hülfe gaben . Und da der große Raum mit Gästen fast gefüllt war , so dauerte es eine Weile , ehe ich die Flitterkrone der Braut daraus emportauchen sahe ; machte dann meine Reverenz und drehte mich , obschon in dem Gedrang eine eigene Baurenkunst dazu gehörte , ein Dutzend Male mit selbiger hindurch . Hienach aber setzete ich mich zu einem Krämer aus der Stadt , so von der Schulzeit mir bekannt war , oder zu dem und jenen von denen älteren Bauren , die unter den Tonnen der Musikanten oder drinnen in der Döns an ihrem Bierkrug saßen . Es mochte solcher Weise die Zeit bis Mitternacht verflossen sein , da sahe ich auf dem Tritt zur Oberstuben eine Dirne stehen , abseits von den andern , als zieme ihr nicht , sich in den Haufen zu verlieren ; und da ich ihr im Rücken näher trat , gewahrete ich , daß sie zwar in Baurentracht gekleidet , ihr Röcklein aber von schwarzem Seidentaffet und : das Käppchen auf ihrem braunen Haar von rothem Sammet und gar reich mit Gold gesticket war . Mit dem , da itzt die Musikanten auf einen neuen Tanz anhuben , war ein junger Knecht zu ihr herangetreten ; der stieß einen Juchzer aus und winkte ihr , daß sie mit ihm in die Reihe träte . Aber sie wandte nur leichthin den Kopf , als sähe sie ihn kaum , und rührte sich nicht von ihrem Platze . Da stampfte der Bursche gar grimmig und mit einem Fluche auf den Boden ; und dauerte es nicht lang , so sahe ich ihn mit einer andern im Gedrang verschwinden . Die zierliche Dirn aber stund noch an dem Thürgerüste ; und hatte ich , da sie vorhin den Kopf gewandt , bemerket , daß sie die Kinderschuh noch nicht gar lang verworfen habe , denn ihre bräunlichen Wangen waren noch wie von zartem Pfirsichflaum bedecket . » Saget mir « , frug ich ein altes Weib , so eben mit einem Fäßchen Bier an mir vorüber wollte , » wer ist die feine Dirne dort ? « » Die , Jungherr ? Das ist die Renate vom Hof . « – » Vom Hof ? Da norden vor dem Dorf ? « » Ja , ja , Herr ! Oh , die ist stolz ! Wollen immer was Bessers sein , die vom Hof ; sind aber auch nur Bauern , sind sie ! « – » Und wer war « , frug ich wieder , » der