meine Mutter ; › er hat ihm für die gestohlenen Butterbröte die himmlische Wegzehrung wollen bereiten helfen ! ‹ › Das nebenbei , Frau Nachbarn ‹ , sagte Ivers , › vor allem aber hat er ihm noch bei lebendigem Leibe seinen Daumen abgekauft ; die alten Weiber in der Stadt erzählen sich das ganz genau . ‹ › Habt Ihr nichts anderes zu berichten , Ivers , als dies dumme Zeug ? ‹ frug mein Vater . › Nein , Nachbar Ohrtmann ; aber vergesset nicht , den Alten quält die neue Brauerei , wenn sich das Bier mit Eurem gleich nicht messen kann ; und dann – der Finger war ja hinterher auch ohne Kauf zu haben ! Nach der Hexenweisheit war es zwar genug , ihn unterm Drümpel einzugraben , aber besser ist gewißlich immer besser ; und so wird er denn gleich in den Braukessel selbst hineingekommen sein . ‹ Mein Vater schüttelte den Kopf . › Ihr wollt mich doch nicht glauben machen , daß unser alter Lorenz sich den Finger von dem Hochgericht geholt habe ? ‹ › Das will ich allerdings , Nachbar ! Wißt Ihr , beim Reisbrei damals , als er nicht Antwort geben wollte , da ich von der Sache anfing ? ‹ › Ei , Ivers ; Lorenz ist nicht gewöhnt , an seiner Herrschaft Tische mitzureden ; und überdies , er fühlte wohl , daß Ihr ihn necken wolltet . ‹ › Mag sein ‹ , versetzte Ivers ; › aber was hat er bei nachtschlafender Zeit da draußen an dem Galgenberg herumzukriechen ? ‹ › Was sagt Ihr , Nachbar ? ‹ rief meine Mutter . › Ich sag nur ‹ , erwiderte er , › was die Hebamme Clasen mir selbst erzählt hat ; vorgestern nach Mitternacht , als sie dort vorbeigefahren , hat sie etwas von oben den Galgenberg hinunterlaufen sehen , und da sie ihre Laterne , die sie bei sich hatte , darauf hingewandt hat , ist die Gestalt in einen Busch gesprungen ; aber an den großen blanken Knöpfen auf der Jacke , die sonst kein Mensch hier trägt , hat sie genug erkennen können , wer der Mann gewesen ist . Und auch noch andere wollen ihn dort des Nachts gesehen haben . ‹ Ich war sehr erschrocken , als der Nachbar das erzählte ; denn ich sah , was ich keinem verraten hatte , den alten Lorenz wieder bei hellem Tage zwischen seinen Fässern schlafen . › Aber Ivers ‹ , sagte mein Vater ; › das Unheil , wenn denn Lorenz es sollte angestiftet haben , war ja schon geschehen ; was konnte er jetzt noch auf der Richtstatt suchen wollen ! ‹ › Nun , Nachbar ‹ , – und der alte Junggesell steckte sein Schalksgesicht auf , was er mitunter bei den traurigsten Geschichten nicht unterlassen konnte – , › Peter Liekdoorn hat doch jedenfalls noch einen Daumen mehr gehabt ; vielleicht sollte der nun unter den Drümpel , da der andere so sichtlich den verkehrten Weg gegangen war ! Aber er ist nur nicht so leicht zu haben ; denn auf dem Rade soll bei Nachtzeit etwas sitzen , das einen Christenmenschen nicht heranläßt ! ‹ Mein Bruder Christian blinkte mich aus seinen dicken Augen an . › Wärst du bang , Nane ? ‹ blies er mir durch die hohle Hand ins Ohr . › Ich nicht ! ‹ Unser Vater hatte am Tisch gesessen , den Kopf schwer auf seinen Arm gestützt . Nun stand er auf und sagte : › Der Spaß will diesmal nichts verschlagen , Nachbar Ivers . Aber , wenn Ihr ' s nicht ungut nehmen wollt , so lasset uns jetzt allein ; denn ich möchte gleich jetzt mit meinem Lorenz reden ! ‹ An dem sauersüßen Gesicht , das der alte Junggeselle machte , sah man wohl , wie bitterlich gern er dageblieben wäre ; aber er verabschiedete sich denn doch mit guter Manier , und gleich darauf wurde ich ins Brauhaus geschickt , um unseren alten Knecht hereinzurufen . › Lorenz ‹ , sagte mein Vater , als wir zusammen in die Stube getreten waren , › du siehst uns hier alle ratlos beieinandersitzen ; der Finger des Mörders soll in unserem Bier gefunden sein ! ‹ Der Alte fuhr sichtlich zusammen . › Herr ‹ , sagte er traurig , › so wissen Sie das auch schon ? ‹ › Ich habe es eben erst erfahren ; aber du , wenn du es wußtest , weshalb hast du es mir verschwiegen ? ‹ › Ja , Herr , ich seh nun wohl , daß ich zu dumm gewesen bin ; ich dachte mir , ich wollte es allein herausbekommen . ‹ › Aber man meint , du selber wärst es , der sich den Finger geholt hat ; du hättest , um die Kundschaft unserm Hause zu bewahren , eine Sympathie damit gemacht ! ‹ Als mein Vater das gesprochen hatte , stand der alte Lorenz auf einmal wie ein Soldat , beide Arme glatt am Leib herunter . › Herr ! ‹ rief er , › alles für meine Herrschaft ; aber wir sollen Gott fürchten und lieben , auf daß wir bei seinem Namen nicht zaubern , lügen oder trügen ! So etwas ist keine Sympathie ; das tun nur Menschen ohne Christentum und mit Hülfe dessen , den ich hier nicht nennen will ! ‹ › Nun , Lorenz , dann ist es ja gewißlich nicht deine Sache ; aber man will dich mehrmals in der Nacht am Galgenberg gesehen haben ! ‹ › Ja , Herr , das ist es eben , und es war dunkel genug ; aber die alte Hebamme kutschierte da vorbei , mit ihrer großen Leuchte in der Hand ! ‹ › Um Christi willen ! ‹ rief meine Mutter ; › so ist Er wirklich da gewesen ? ‹ › Die Frau soll nicht erschrecken ‹ ,