unrecht tue , es gibt auch recht charmante Leute unter ihnen ! « Und sich plötzlich zu mir wendend , begann er immer schneller und heftiger zu reden , bis er zuletzt einige unleugbar handgreifliche Worte niederzuschlucken sich ehrlich aber vergebens bemühte . Die Geheimrätin hatte resigniert die Hände gefaltet und sagte gar nichts mehr ; der Vetter aber war aufgesprungen , mit erhitztem Gesicht riß er die Stubentür auf und rief : » Mantje , ein Glas Wasser ! « Bevor aber Mantje noch erscheinen konnte , rannte er selber hintennach . Die alte Dame schien allmählich aufzuatmen . » Ein angenehmer Mann , der Vetter « , sagte sie hüstelnd , » indes , ich sehe ihn doch am liebsten hier auf seiner Insel . « Aber schon trat er selber wieder in die Stube . » Ich habe unziemlicherweise die Tafel abgebrochen « , sagte er entschuldigend ; » Sie wissen ja : Herz schon so alt und noch immer nicht klug ! – Lassen Sie uns nach Landesbrauch nun Martje Flors Gesundheit trinken ! « Er füllte die Gläser und erhob das seine . » Frau Cousine ! Susanne ! Mein lieber Junge ! Auf daß es uns wohl gehe in unseren alten Tagen ! « Und wir tranken , wie das diesem ernstesten aller Trinksprüche eigen zu sein scheint , schweigend , und schüttelten uns die Hände . Die Geschichte aber , welche demselben zugrunde liegt , verdient es , auch in weiteren Kreisen erzählt zu werden . Als nämlich Tönningen , die größte Stadt der Landschaft Eiderstedt , einst von den Schweden belagert wurde , hatte eine Gesellschaft feindlicher Offiziere in dem benachbarten Kathrinenherd Quartier genommen und trieb dort arge Wirtschaft ; sie ließen sich Wein auftragen , zechten und lärmten , als seien sie die Herren hier . Martje Flor , die zehnjährige Tochter des Hauses , stand dabei und sah unwillig dem Gelage zu , denn sie gedachte ihrer Eltern , die das unter ihrem Dache dulden mußten . Da reichte einer der Trinker ihr ein volles Glas und rief , was sie so trübselig dastehe , sie solle Heber auch eine Gesundheit ausbringen ! Und Martje trat mit ihrem Glase an den Tisch , wo die feindlichen Kriegsleute saßen , und sprach : » Dat et uns wull ga up unse ole Dage ! « – Und auf dieses Wort des Kindes wurde es still . Seitdem versteht es jeder bei uns zu Hause , wenn am Schlusse des Mahles der Wirt es seinen Gästen zubringt : » Und nun noch – Martje Flors ! « Als wir nach aufgehobener Tafel vor die Haustür traten , führte uns der Vetter unter bedeutungsvollem Schweigen am Hause entlang bis an die südwestliche Ecke desselben . Hier stieß er ein unter herabhängendem Holunder fast verborgenes Pförtchen auf ; und , wie in ein Wunder blickten wir in einen großen baumreichen Garten hinab , den an diesem Orte , bei der rings umgebenden Öde , wohl niemand hätte vermuten können . – Drunten , von der Insel aus dem Auge ganz verborgen , lag er in einer kesselförmigen Vertiefung der Werfte , an deren schräg abfallenden Wänden sich zwischen verschiedenartigen Obstbäumen eine Reihe üppiger Gemüsebeete entlangzog . Von unten aus dem Grunde blinkte ein kleiner Teich , ringsum von einem hohen Ligusterzaun umschlossen . Auf dem daran entlangführenden Steige erschien eben , vom Hause hinabspazierend , eine weiße Katze ; aber sie verschwand gleich darauf unter dem Schatten der Obstbäume , welche vom Garten aus ihr dichtes Gezweig über den Steig hinüberstreckten . Die blanken Blätter glänzten in dem sattesten Grün , als seien sie nie von einem gefräßigen Insekt berührt worden ; nur freilich , wo die Kronen der Bäume den oberen Gartenrand erreichten , waren sie sämtlich wie mit der Zaunschere abgeschoren , was nach des Vetters Erläuterung von dem Nordwestwinde ohne jegliche Bestellung ausgeführt wurde . Die Aufmerksamkeit unserer » Maman « war durch eine Pumpe erregt worden , welche unweit des Einganges in dem kleinen Teiche stand ; und während der alte Herr , unter lebhaften Schlägen mit dem Schwengel , ihr die Speisung und Bedeutung dieses Süßwasserbehälters der Insel zu erklären begann , gingen Susanne und ich in das trauliche Gartennest hinab , wo der Sonnenschein wie eingefangen auf dem grünen Laube schlief . Wir schritten langsam der weißen Katze nach , und verschwanden gleich ihr unter dem dichten Laube der Apfelbäume , das fast Susannens goldklares Haar berührte ; um uns her schwamm der Duft von Federnelken und Rosen , die oben zwischen den Gemüsebeeten blühten . Unmerklich , wenn mich die Erinnerung nicht täuscht , waren wir in jenen träumerischen Zustand geraten , von dem in der Sommerstille , inmitten der webenden Natur so leicht ein junges Paar beschlichen wird : sie schweigen , und sie meinen fast zu reden ; aber es ist nur das Getön des unsichtbar in Laub und Luft verbreiteten Lebens , nur das Hauchen der Sommerwinde , die den Staub der Blüten zueinander tragen . Ich glaube , wir saßen auf einer kleinen Holzbank und blickten – wer weiß , wie lange schon ! – durch die Lücken des Zauns auf das unten schimmernde Wasser , als plötzlich die akzentuierte Stimme der Geheimrätin mich auf die Oberfläche des Lebens zurückrief ; und gleich darauf erschien auch der alte Herr und trieb uns mit munteren Worten zum Kaffee in das Haus . Aber ich stahl mich bald davon , um mir nach meiner Weise allein und ungestört die verschiedenen Räume des großen , ganz im Viereck gebauten Hauses anzusehen . Eine Weile stand ich in einer Art von Zimmerwerkstatt und plauderte mit dem Sohne des Hauses , der , gleich Robinson , alle Hantierungen vom Robbenjäger bis zum Zimmermann in sich vereinigte und augenblicklich in letzter Eigenschaft an den Blöcken eines Segelbootes arbeitete , das von einer Nachbarinsel aus bei ihm bestellt war . Von hier gelangte ich in einen langen , ziemlich düstern