weißen Dielen setzten . Herr Hennicke sah weder ihr süßes noch ihr saures Lächeln ; bald aber ließ er sich von ihr treppauf , treppab im Hause umherführen ; sie schloß ihm , einen nach dem andern , die schweren Eichenschränke auf und wies ihm prunkend die aufgespeicherten Gespinste ; und da nun Land und Sand sich selber lobte , so lobte der Freier auch die Schätze in den Schränken . Die Dirnen aus der Küche aber schlichen ihnen nach , kicherten und guckten um die Ecken und hatten es bald heraus , daß hier ein Liebeswerk im besten Gange sei . Nur eine Bedingung , vielleicht um sicherer die Zügel zu behalten , knüpfte die Jungfer Benedikte an die Vergabung ihrer Hand : der Bräutigam sollte zu ihr auf ihren Erbhof ziehen ; sie wollte nicht auf fremdem Boden wirten . – Und so kam es , daß das alte Haus des Eekenhofs verlassen wurde und nichts zurückblieb als droben in der großen Sommerstube ein paar verblichene Sessel und die Bilder der Verstorbenen . Auch der Erbe des alten Hofes , der kleine Junker Detlev , störte die junge Ehe nicht . Bei seines Vaters Hochzeit war er noch im Dorfe drunten in Kost und Pflege einer Bäuerin ; dann aber hatte die lustige Base den Knaben zu sich in die Stadt genommen ; denn ein Gerücht hatte sich erhoben , daß auf dem Eekenhof das Bild der toten Frau in hellen Mondnächten aus dem Rahmen steige und ihr Kind durch alle leeren Kammern ihres Hauses suche . Seitdem es nun bei einer von den Ihren war , sollte das unruhige Wandern sich verloren haben . Herr Hennicke lachte zwar , als er von einem Nachbarn darauf angesprochen wurde ; der aber meinte , hinter seinen weißen Zähnen sei es dem Hennicke schon recht gewesen , daß sein Lager nicht noch unter dem alten Dache stehe und daß die Tote nun zufrieden schiene . Nicht unrecht mag es ihm auch gewesen sein , daß die wohlhabende Base den Knaben ohne Entgelt aufgenommen hatte ; denn die Zeiten wurden immer knapper , von den Ständen wurde auf den Landtagen immer mehr gefordert , sogar die Kosten der auswärtigen Gesandtschaften waren ihnen letzthin aufgebürdet ; im Hause aber ließ Frau Benedikte ihn zur Genüge darüber hören , daß er nicht zweimal in der Woche , was ihr doch selbst in ihrem Jungfrauenstande allzeit genug gewesen sei , bei Weißfisch und dünnem Bier mit ihr zu Mittag sitzen wollte . Der Kindersegen dieser Ehe war schon im ersten und im zweiten Jahre eingetroffen und damit abgeschlossen worden . Es sind zwei untersetzte , kurzbeinige Buben gewesen ; trotz des Vaters mit schier rotbrandigem Haar , wie auch nach einem schwarzen Juden mitunter wohl ein Rotkopf aufzustehen pflegt . Herr Hennicke hat sie seine beiden Füchse geheißen und an ihren Streichen seine Lust gehabt . Man erzählt , da sie noch klein gewesen , hat er auf ihr Begehr zwei handliche Schubkarren für sie fertigen lassen ; die pflegten sie in einer nahen Sandgrube mit Kieselsteinen aufzufüllen ; dann sind sie damit auf den Hof gezogen , wo auf dem Rasen vor dem Herrenhause sich ein Ring befand , in dem Herr Hennicke seine jungen Rosse an der Leine laufen ließ . In diesem Ringe haben sie mit ihren kurzen Beinen in unsagbarer Hurtigkeit ihre Schubkarren vor sich hergefahren und haben sich von hüben und drüben ihr » Hott ! « und » Hü ! « einander zugerufen , daß also ein Schall entstanden ist , als wenn von einem Haufen Menschen ein großes Werk betrieben würde . Wenn sie aber dessen müde geworden , so haben sie ihre Schubkarren hingestellt und , abermals unter mächtigem Lärmen , sich mit den Steinen nach den Köpfen geworfen , bis diese blutig und die Karren leer gewesen sind . – Ist über solchem Spiel Herr Hennicke auf den Platz gekommen , so hat er , je nach seiner Laune , entweder , die Hände unterm Wams , mit finsterem Angesicht dabeigestanden oder unter kurzem Lachen ein » Drauf , ihr Füchse , drauf ! « den Buben zugerufen . Meistens aber ist aufs letzte Frau Benedikte aus dem Herrenhause über die Freitreppe hinabgeschritten ; da sind die Buben , wenn sie selbige nur kaum aus ihren nackten Augen angesehen hat , wie in Erstarrung stehengeblieben ; und während dann das Weib mit ihren mageren Händen mit jeder einen derselben an seinen rotbrandigen Haaren in das Haus hineinzog , hat Herr Hennicke sich abgewandt und ist zu Roß und Hund in seinen Stall gegangen . – – Zwischen den Buben , oder lieber noch abseits von ihnen , ist mitunter auch ein Dirnlein umhergesprungen , dem ältesten von diesen im Alter etwa um ein halbes Jahr voraus , von schlankem , kräftigem Wuchs , mit schwarzem Kraushaar , darunter ein Paar milde blaue Augen . Sie hat nicht auf den Hof gehört , sondern mit ihrer Großmutter , der Witwe des früheren Försters , in dem Unterbau des Eekenhofs gewohnt ; aber Herr Hennicke hat einen Narren an dem Mädchen gehabt ; er hat auch damals , als die Mutter ihr im Kindbett weggestorben war , sie selber aus der Taufe gehoben , was ihm von Frau Benedikte , mit der er kurz zuvor den Ring gewechselt hatte , nicht eben liebreich aufgenommen war ; denn die Kleine war ein Jungfernkind , ja , die Bauern und Hörigen wußten es an den Fingern , daß sie dem Herrn noch näher als nur durch die Taufe angehöre ; auch daß er statt seines hageren Ehekreuzes wohl gern die schöne Försterstochter heimgeführt hätte , wenn diese nur adeligen Standes oder zum mindesten adeligen Vermögens gewesen wäre . Vor Herrn Hennickes Ohren freilich wurde solch Gerede niemals laut ; auch hätte es ihn weiter nicht gekümmert , als daß er etwa die Schwatzmäuler zu besserem Besinnen in den Block gelegt hätte . Mitunter , wenn ihn seine schwarzen Stunden