Feind erstehen ; das war der Kurt von der Risch , dessen Vater eine Stunde davon auf seinem reichen Hofe saß . In Begleitung seines gelahrten Hofmeisters , mit dem Herr Gerhardus gern der Unterhaltung pflag , kam er oftmals auf Besuch ; und da er jünger war als Junker Wulf , so war er wohl auf mich und Katharinen angewiesen ; insonders aber schien das braune Herrentöchterlein ihm zu gefallen . Doch war das schier umsonst ; sie lachte nur über seine krumme Vogelnase , die ihm , wie bei fast allen des Geschlechtes , unter buschigem Haupthaar zwischen zwei merklich runden Augen saß . Ja , wenn sie seiner nur von fern gewahrte , so reckte sie wohl ihr Köpfchen vor und rief : » Johannes , der Buhz , der Buhz ! « Dann versteckten wir uns hinter den Scheunen oder rannten wohl auch spornstreichs in den Wald hinein , der sich in einem Bogen um die Felder und danach wieder dicht an die Mauern des Gartens hinauszieht . Darob , als der von der Risch deß inne wurde , kam es oftmals zwischen uns zum Haarraufen , wobei jedoch , da er mehr hitzig denn stark war , der Vortheil meist in meinen Händen blieb . Als ich , um von Herrn Gerhardus Urlaub zu nehmen , vor meiner Ausfahrt in die Fremde zum letzten Mal , jedoch nur kurze Tage , hier verweilte , war Katharina schon fast wie eine Jungfrau ; ihr braunes Haar lag itzt in einem goldnen Netz gefangen ; in ihren Augen , wenn sie die Wimpern hob , war oft ein spielend Leuchten , das mich schier beklommen machte . Auch war ein alt gebrechlich Fräulein ihr zur Obhut beigegeben , so man im Hause nur » Bas ' Ursel « nannte ; sie ließ das Kind nicht aus den Augen und ging überall mit einer langen Tricotage neben ihr . Als ich so eines Octobernachmittags im Schatten der Gartenhecken mit beiden auf und ab wandelte , kam ein lang aufgeschossener Gesell , mit spitzenbesetztem Lederwams und Federhut ganz alamode gekleidet , den Gang zu uns herauf ; und siehe da , es war der Junker Kurt , mein alter Widersacher . Ich merkte allsogleich , daß er noch immer bei seiner schönen Nachbarin zu Hofe ging ; auch daß insonders dem alten Fräulein solches zu gefallen schien . Das war ein » Herr Baron « auf alle Frag ' und Antwort ; dabei lachte sie höchst obligeant mit einer widrig feinen Stimme und hob die Nase unmäßig in die Luft ; mich aber , wenn ich ja ein Wort dazwischen gab , nannte sie stetig » Er « oder kurzweg auch » Johannes « , worauf der Junker dann seine runden Augen einkniff und im Gegentheile that , als sähe er auf mich herab , obschon ich ihn um halben Kopfes Länge überragte . Ich blickte auf Katharinen ; die aber kümmerte sich nicht um mich , sondern ging sittig neben dem Junker , ihm manierlich Red und Antwort gebend ; den kleinen rothen Mund aber verzog mitunter ein spöttisch stolzes Lächeln , so daß ich dachte : › Getröste dich , Johannes ; der Herrensohn schnellt itzo deine Waage in die Luft ! ‹ Trotzig blieb ich zurück und ließ die andern dreie vor mir gehen . Als aber diese in das Haus getreten waren und ich davor noch an Herrn Gerhardus ' Blumenbeeten stand , darüber brütend , wie ich , gleich wie vormals , mit dem von der Risch ein tüchtig Haarraufen beginnen möchte , kam plötzlich Katharina wieder zurückgelaufen , riß neben mir eine Aster von den Beeten und flüsterte mir zu : » Johannes , weißt du was ? Der Buhz sieht einem jungen Adler gleich ; Bas ' Ursel hat ' s gesagt ! « Und fort war sie wieder , eh ich mich ' s versah . Mir aber war auf einmal all Trotz und Zorn wie weggeblasen . Was kümmerte mich itzund der Herr Baron ! Ich lachte hell und fröhlich in den güldnen Tag hinaus : denn bei den übermüthigen Worten war wieder jenes süße Augenspiel gewesen . Aber diesmal hatte es mir gerad ins Herz geleuchtet . Bald danach ließ mich Herr Gerhardus auf sein Zimmer rufen ; er zeigte mir auf einer Karte noch einmal , wie ich die weite Reise nach Amsterdam zu machen habe , übergab mir Briefe an seine Freunde dort und sprach dann lange mit mir , als meines lieben seligen Vaters Freund . Denn noch selbigen Abends hatte ich zur Stadt zu gehen , von wo ein Bürger mich auf seinem Wagen mit nach Hamburg nehmen wollte . Als nun der Tag hinabging , nahm ich Abschied . Unten im Zimmer saß Katharina an einem Stickrahmen ; ich mußte der Griechischen Helena gedenken , wie ich sie jüngst in einem Kupferwerk gesehen ; so schön erschien mir der junge Nacken , den das Mädchen eben über ihre Arbeit neigte . Aber sie war nicht allein ; ihr gegenüber saß Bas ' Ursel und las laut aus einem französischen Geschichtenbuche . Da ich näher trat , hob sie die Nase nach mir zu . » Nun , Johannes « , sagte sie , » Er will mir wohl Ade sagen ? So kann Er auch dem Fräulein gleich Seine Reverenze machen ! « – Da war schon Katharina von ihrer Arbeit aufgestanden ; aber indem sie mir die Hand reichte , traten die Junker Wulf und Kurt mit großem Geräusch ins Zimmer ; und sie sagte nur : » Leb wohl , Johannes ! « Und so ging ich fort . Im Thorhaus drückte ich dem alten Dieterich die Hand , der Stab und Ranzen schon für mich bereit hielt ; dann wanderte ich zwischen den Eichbäumen auf die Waldstraße zu . Aber mir war dabei , als könne ich nicht recht fort , als hätt ich einen Abschied noch zu Gute , und