es bringen , daß er den tödlich Getroffenen in seinen Armen vom Rosse hob oder selbst tödlich verwundet in den Armen Gustav Adolfs ausatmete . Wann sie dann ohne Erfolg zurückritten , der König mit verdüsterter Stirn , so täuschte oder verbarg dieser seine Sorge , indem er den Neuling aufzog , daß er den Bügel verloren und die Mähne seines Tieres gepackt hätte . Oder er tadelte auch im Gegenteil seine Waghalsigkeit und schalt ihn einen Casse-Cou , wie der Lagerausdruck lautete . Überhaupt ließ er es sich nicht verdrießen , seinem Pagen gute väterliche Lehre zu geben und ihm gelegentlich ein wenig Christentum beizubringen . Der König hatte die löbliche und gesunde Gewohnheit , nach beendigtem Tagewerke die letzte halbe Stunde vor Schlafengehen zu vertändeln und allerhand Allotria zu treiben , jede Sorge mit geübter Willenskraft hinter sich werfend , um sie dann im ersten Frühlicht an derselben Stelle wieder aufzuheben . Und diese Gewohnheit hielt er auch jetzt und um so mehr fest , als die vereitelten Stürme und geopferten Menschenleben seine Pläne zerstörten , seinen Stolz beleidigten und seinem christlichen Gewissen zu schaffen machten . In dieser späten Freistunde saß er dann behaglich in seinen Sessel zurückgelehnt und Page Leubelfing auf einem Schemel daneben . Da wurde Dame gezogen oder Schach gespielt und im Brettspiele schlug der Page zuweilen den König . Oder dieser , wenn er sehr guter Laune war , erzählte harmlose Dinge , wie sie eben in seinem Gedächtnisse obenauf lagen . Zum Beispiel von der pompösen Predigt , welche er weiland auf seiner Brautfahrt nach Berlin in der Hofkirche gehört . Sie habe das Leben einer Bühne verglichen : mit den Menschen als Schauspielern , den Engeln als Zuschauern , dem den Vorhang senkenden Tode als Regisseur . Oder auch die unglaubliche Geschichte , wie man ihm , dem Könige , nach der Geburt seines Kindes anfänglich einen Sohn verkündigt und er selbst eine Weile sich habe betrügen lassen , oder von Festen und Kostümen , seltsamerweise meistens Geschichten , die ein Mädchen ebensosehr oder mehr als einen Jüngling belustigen konnten , als empfände der getäuschte König , ohne sich Rechenschaft davon zu geben , die Wirkung des Betruges , welchen der Page an ihm verübte , und kostete unwissend den unter dem Scheinbilde eines gutgearteten Jünglings spielenden Reiz eines lauschenden Weibes . Darüber befiel auch wohl den Pagen eine plötzliche Angst . Er vertiefte seine Altstimme und wagte irgendeine männliche Gebärde . Aber ein nicht zu mißdeutendes Wort oder eine kurzsichtige Bewegung des Königs gab dem Erschreckten die Gewißheit zurück , Gustav unterliege demselben Blendwerk wie bei der Geburt seiner Christel . Dann geriet der wieder sicher Gewordene wohl in eine übermütige Stimmung und gab etwas so Verwegenes und Persönliches zum besten , daß er sich eine Züchtigung zuzog . Wie jenes Mal , da er nach einem warmen ehelichen Lobe der Königin im Munde Gustavs die kecke Frage hinwarf : wie denn die Gräfin Eva Brahe eigentlich ausgesehen habe ? Diese Jugendgeliebte Gustavs und spätere Gemahlin De la Gardies , welchen sie , da ihr der tapferste Mann des Jahrhunderts entschlüpft war , als den zweittapfersten heiratete , besaß dunkles Haar , schwarze Augen und scharfe Züge . Das erfuhr aber der neugierige Page nicht , sondern erhielt einen ziemlich derben Schlag mit der flachen Hand auf den vorlauten Mund , in dessen Winkeln Gustav die Lust zu einem mutwilligen Gelächter wahrzunehmen glaubte . Es begab sich eines Tages , daß der König seiner Christel das Geschenk eines ersten Siegelringes machte . Auf den edeln Stein desselben sollte der Mode gemäß ein Denkspruch eingegraben werden , eine Devise , wie man es hieß , welche – im Unterschiede mit dem ererbten Wappenspruche – etwas dem Besitzer des Siegels persönlich Eigenes , eine Maxime seines Kopfes , einen Wunsch seines Herzens , in nachdrücklicher Kürze aussprechen mußte , wie z.B. das ehrgeizige » Nondum « des jungen Karls V. Gustav hätte wohl seinem Kinde selbst einen Leibspruch erfunden , aber , wieder der Mode gemäß , mußte dieser lateinisch , italienisch oder französisch lauten . So suchte er denn , tief auf einen Quartband gebückt , unter den tausend darin verzeichneten Sinnsprüchen berühmter oder witziger Leute mit seinen lichtgefüllten , doch kurzsichtigen Augen nach demjenigen , welchen er seiner erst siebenjährigen , aber frühreifen Christel bescheren wollte . Er belustigte sich an den lakonischen Sätzen , welche das Wesen ihrer Erfinder meistenteils geschichtlicher Persönlichkeiten – oft richtig , ja schlagend ausdrückten , oft aber auch , gemäß der menschlichen Selbsttäuschung und Prahlerei , das gerade Gegenteil . Jetzt wies ein feiner Finger mit einem scharfen schwarzen Schatten auf das hellbeleuchtete Blatt und eine Devise von unbekanntem Ursprung . Es war der über die Schultern des Königs guckende Page , die Devise aber lautete : » Courte et bonne ! « Das heißt : Soll ich mir ein Leben wählen , so sei es ein kurzes und genußvolles ! Der König las , sann einen Augenblick , schüttelte bedenklich den Kopf und zupfte über sich greifend seines Pagen wohlgebildeten Ohrlappen . Dann drückte er Leubelfing auf seinen Schemel nieder , in der Absicht , ihm eine kleine Predigt zu halten . » Gust Leubelfing « , begann er lehrhaft behaglich , den Kopf rückwärts in das Polster gedrückt , so daß das volle Kinn mit dem goldhaarigen Zwickel vorsprang und das schalkhafte Licht der halbgeschlossenen Augen auf das lauschend gehobene Antlitz des Pagen niederblitzte , » Gust Leubelfing , mein Sohn ! Ich vermute , diesen fragwürdigen Spruch hat ein Weltkind erfunden , ein › Epikurer ‹ , wie Doktor Luther solche Leute nennt . Unser Leben ist Gottes . So dürfen wir es weder lang noch kurz wünschen , sondern wir nehmen es wie Er es gibt . Und gut ? Freilich gut , das ist schlicht und recht . Aber nicht voll Rausches und Taumels wie der französische Spruch hier unzweifelhaft bedeutet . Oder wie hast du ihn verstanden ,