Krad eingehaucht , so daß in seinen Versen die hochgelobte Mutter mit dem Kinde sich spiegle und deutlich zu erkennen sei . Daher kam es , daß die Rolle , aus der ich lernte , ganz von Messerstichen durchlöchert war . In der Johannisnacht , da ich von Allerheiligen schied und bevor ich den Sprung über die Mauer tat , habe auch ich hinein gestochen zu dreien Malen , nach inbrünstiger Anrufung der drei heiligen Namen , und die Worte getroffen : sagittas , calamo , arcui . Und Virgilius hatte wahr gesprochen : mit Pfeil und Bogen hab ich all mein Lebtag zu tun gehabt . So genoß ich denn meiner raschen Füße wieder und eilte durch das Waldgebirg dem Elsaß zu , den großen Bogen des Rheines mit einer geraden Linie abschneidend . Gegen Mittag kam ich vor einem festen Orte auf eine Wiese , wo von allerlei Volk ein Bogenschießen abgehalten wurde . Ich war schon unterwegs wie berauscht von dem Odem der Erde und der Lust , meine Glieder zu brauchen , und da ist es nicht zu verwundern , daß ich mir in dem Lustlager und Getümmel der Schießenden von den ausgelassenen Gesellen , die der verlaufene Mönch ergötzte , einen Bogen in die Hand geben ließ und dann , mit vorgestrecktem Fuße Stand fassend , Schuß um Schuß ans Ziel schickte . Mein Blick , sei Euch gesagt , ist scharf und sicher von Natur und hat mich von Kindheit an nie betrogen . Ich glaube , daß sie mich , der den Becher verlernt hatte , trunken machten , daß ich in der Glut die Ärmel aufstreifte und die Kutte bis an die Schenkel schürzte , und mir steht dunkel und ärgerlich vor Augen , daß ich zuletzt unter Spott und Gelächter mit nackten Armen und Beinen im Narrentriumphe herumgetragen wurde . Am frühen Morgen , in der Knechtstracht , die mir ein guter Gesell geschenkt , weiterwandernd , betrachtete ich nicht ohne Scham den Stand meiner Dinge . Ein beflecktes Wappen lag rechts und eine zerrissene Kutte links hinter mir am Wege . Nichts blieb mir als das Handwerk und ich suchte mir eines , das mich von ritterlichen Leuten und Dingen nicht ganz entferne und seinen Mann ernähre in Kriegs- und Friedenszeiten . Da erhellte sich mir die Losung des Virgilius und ich beschloß , ein Bogner und Armbruster zu werden . Aller Anfang ist schwer , lieber Herr ; und neben den müßigen Gewöhnungen des Wegelagerers und des Mönches hatte ich noch viel Torheit eines weichen Herzens zu überwinden . Ich mußte zu festem Stande kommen ; denn , ob ich schon einen Juden getötet und ein Klostergelübde gebrochen , so hätte mich doch mein frommes Gemüt fast in eine dritte Missetat gestürzt . Dies will ich Euch noch erzählen – vom übrigen werde ich kurz sein . Ich war , gen Straßburg wandernd , unter eine Bande von fahrenden Schülern geraten und wir zechten in einer Schenke gegegenüber den Mauerwerken und Turmspitzen der berühmten Stadt . Da fiel mir ein , wie mein Mütterlein mir weiland viel geredet hatte von einer frommen Muhme , die in einem Straßburger Kloster ein heiliges Leben geführt und deren Fürsprache im Himmel sie , wenn das Wasser des Elends ihr bis an den Mund stieg , mit Nutzen anzurufen pflegte . Solches dachte ich auf meinen irrenden Wegen auch zu tun . Also ging ich einen der Fahrenden , der ein helles offenes Gesicht hatte und , wie er sagte , die Stadt von früher her wohl kannte , mit freundlichen Worten an , ob er mir das Kloster nicht weisen könne , wo meine Muhme Willibirg im Geruche der Heiligkeit gestorben sei . › Lieber ‹ , antwortete er , › siehest du dort den achteckigen Turm mit dem farbigen Dache ? Und daneben das lange Gebäude an der Stadtmauer ? Dort hat deine Muhme gewaltet . ‹ Da warf ich mich auf die Kniee und rief , nach dem Hause hinüberblickend , die heilige Frau inbrünstig an , mir zu allem guten und heilsamen Werke behilflich zu sein . Was höre ich hinter mir ? ein unterdrücktes Gekicher , ein toll ausbrechendes Gelächter , und rasch den Kopf wendend , sehe ich den Fahrenden , der die Zipfel seines Gewandes zu zwei langen Ohren gestaltet hatte , die er neben den meinigen winken und wedeln läßt . Zu gleicher Zeit lachten die anderen unbändig : › Der Esel betet zum Hause der schönen Frauen hinüber ! . . . ‹ Aber schon lag der Schalk unter meinen Knieen , während ich schwere Tränen fallen ließ über die Bosheit und Schlechtigkeit der Welt und ihn würgte , daß ihm der Lebensodem ausgegangen wäre , wenn ihn mir die anderen nicht entrissen hätten . In Straßburg trat ich in die erste Lehre bei einem Bogner , der mich ehrlich hielt und mir die Handgriffe , soviel er sie wußte , rechtschaffen beibrachte . Doch war er ein Mann des Brauches und der Gewohnheit , der den Kopf eigensinnig schüttelte zu den Verfeinerungen und Ausbildungen , deren das Wesen und die Gestalt der Armbrust fähig ist und die damals aus Engelland und Flandern , besonders aber aus dem heidnischen Granada bis zu uns in das deutsche Reich hereindrangen . Mir aber , der einen jungen und neugierigen Geist hatte , ließ es , nach den einmal überwundenen Anfängen , keine Rast noch Ruhe ; denn lieber Herr , in jeder , auch der geringsten Kunst ist ein Ziel der Vollendung verborgen , das uns ruft und lockt , ihm Tag und Nacht sehnsüchtig nachzuziehen . Oft hab ich damals im Traume eine Armbrust gebaut und einen Bolzen gebildet , die noch weiter trugen als das sarazenische Schießzeug , aber im Frühlicht verblichen meine Fündlein wie höhnische Irrwische ; denn es waren plumpe Tastungen oder willkürliche Gedanken , da ich wohl einige Griffe , aber noch nicht die Gründe und Gesetze meiner Kunst erkannt hatte