allem die altehrwürdigen Steinsitze zu ihren Füßen und der Porphyrtrog des Laufbrunnens , den sie beschatteten , waren garniert mit dem frischgescheuerten Holzgerät der Milchkammer ... Dazu der Lärm vom Hofe ... Eben wurde frischer Klee eingefahren . Der Knecht fluchte über die enge Einfahrt des Torweges und hieb auf die Pferde ein ; die barfüßige Stallmagd scheuchte zwei störrige Kälber , die sich in den Vorhof verlaufen , schimpfend aus dem Wege , Taubenschwärme flogen auf , das andere Federvieh stob schreiend auseinander – » Bauernwirtschaft ! « murmelte Felix zwischen den Zähnen und wandte das beleidigte Auge zur Seite . Dort breitete sich das schöne Erdgeschoß des Schillingshofes aus ; und er atmete wie erlöst auf – dort war er ja immer heimischer gewesen , als auf dem Klostergute . Über die efeubewachsene Mauer hinweg sah er allerdings nur ein Stück des Rasenspiegels , in dessen Mitte die Wasser vor dem Säulenhause sprangen ; er sah auch nur beim Hinausbiegen seitwärts einen Schein der Spiegelscheiben zwischen den Steinornamenten der Rundbogen blinken ; aber dieser trennenden Mauer gegenüber schlossen drei Reihen prächtiger Platanen den Schillingshof von dem jenseitigen Nachbargrundstück ab . Sie konnte er vollkommen überblicken – sie liefen als Doppelallee vom Straßengitter aus neben der Südseite des Säulenhauses hin , tief in den eigentlichen Garten hinein . Diese herrliche Baumhalle war einst der Haupttummelplatz für ihn und seinen kleinen Freund Arnold gewesen ; sie behütete treulich die grüne Dämmerung , die frische Kühle drunten , und für den Freiherrn Krafft war sie an heißen Sommertagen eine Art Salon ; er empfing da Besuche , hielt seine Siesta und trank den Nachmittagskaffee unter den Bäumen . Auch jetzt stand die Kaffeemaschine auf dem Tisch , aber nicht die wohlbekannte messingene – sie hatte einer silbernen Platz gemacht . Es gruppierte sich überhaupt viel Silbergeschirr dort , auch kleine , mit Likör gefüllte Kristallkaraffen funkelten dazwischen – so war der Kaffeetisch früher nie besetzt gewesen . Damals hatte man auch auf weißgestrichenen Gartenbänken von Holz gesessen , – heute stand eine Menge eleganter , gußeiserner Möbel zwischen den Bäumen ; Schlummerrollen und farbenglänzende Kissen lagen umher , und aufgestellte , reichdekorierte Wandschirme bildeten behagliche , vor dem Zugwind geschützte Plauderwinkel . Das Fremdartigste aber war die Dame , die in diesem Augenblick neben dem Säulenhaus hervorkam – sie ging , offenbar wartend , langsam auf und ab ... Arnolds Mutter war früh gestorben , eine Schwester hatte er nie gehabt , darum war das weibliche Element , soweit Felix zurückdenken konnte , immer nur durch die gute , dicke Wirtschaftsmamsell vertreten gewesen . Nun schimmerte eine blauglitzernde Seidenschleppe durch den Alleeschatten , und Frauengeist und Frauenwille durften nach fast zwanzig Jahren wieder neben dem Regiment des alten Freiherrn ebenbürtig im Schillingshofe walten . Als Felix vor zwei Monaten zur Beisetzung der Tante auf dem Klostergute gewesen war , da hatte zur selben Zeit auch Arnolds Hochzeit in Koblenz stattgefunden – der Freund hatte vorher nur kurz und trocken angezeigt , daß er » das lange Mädchen « , die Koblenzer Cousine , heirate ... Das war sie nun , die junge Frau , die neue Herrin des Schillingshofes , eine überschlanke Gestalt mit schmalen Schultern , an Brust und Rücken flach und dürftig , vornübergeneigt , wie die meisten großen Leute , und doch vornehm , sichtlich eine Dame von Stande in jeder ihrer lässig schleppenden Bewegungen . Das Gesicht konnte er nicht voll erfassen , in scharfer Profilstellung erschienen ihm die Züge langgestreckt , von englischem Typus , und blaß angehaucht ; doch besaß die junge Frau einen herrlichen Schmuck in dem reichen , hellblonden Haar , das zwar elegant , aber so locker aufgesteckt war , als schmerze und beschwere diesen jungen Kopf peinlich jede Haarnadel . Sie sah öfter mit leisen Zeichen der Ungeduld abwechselnd nach den Fenstern und der Tür unter der Säulenhalle und ordnete und rückte wiederholt an den Tassen und Kuchenkörben . Dann kam eine junge Person im weißen Latzschürzchen , augenscheinlich die Kammerjungfer , aus dem Hause . Sie legte ihrer Gebieterin einen weichen Schal um die Schultern und zog ihr Handschuhe an . Und die Dame stand da wie ein Automat ; sie hielt die langen , schlanken Hände unbeweglich hingestreckt , bis jedes Knöpfchen geschlossen war ; sie regte sich nicht , als das Mädchen vor ihr niederkniete und eine aufgesprungene Spange an dem farbigen Schuh wieder befestigte . Sie sprach auch nicht und zog nur schließlich , trotz der durchsonnten , köstlich warmen Juniluft , fröstelnd den Schal über der Brust zusammen . » Verwöhnt und nervös ! « dachte Felix , während sie sich unmutig in die mit roten Kissen gepolsterte Ecke einer Bank sinken ließ . Inzwischen war Adam , der langjährige Diener des alten Freiherrn Krafft , aus der Tür des Säulenhauses gekommen . Er wohnte im Schillingshofe , war Witwer und hatte sein einziges Kind , ein zehnjähriges Mädchen , bei sich . Das führte er jetzt an der Hand . Die Kammerjungfer ging mit einem schnippischen Achselzucken an ihm vorüber , und die Dame auf der Bank sah nicht , daß er grüßte . Felix hatte den stillen , ernsthaften Diener sehr gern , dessen äußere Ruhe und Gelassenheit im Schillingschen Hause sprichwörtlich waren . Deshalb befremdete ihn die aufgeregte Hast , mit welcher der Mann den Rasenplatz umschritt und den Schillingshof verließ , um nach wenigen Minuten in den Hof des Klostergutes einzutreten . Sein kleines Mädchen schrie ängstlich auf und klammerte sich an ihn fest – ein großer Puter lief zornig kollernd auf es zu , als habe er die Absicht , ihm das rote Röckchen vom Leibe zu reißen . Der Mann scheuchte das erboste Tier fort und sprach beruhigend auf das Kind hinein ; aber das geschah in atemloser Aufregung , und die Wangen glühten ihm , als sei er betrunken . Felix sah nur noch flüchtig , wie der alte Freiherr , auf den Arm seines Sohnes gestützt , in