aber , aber – Rudisdorf ist , wie man weiß , jetzt – verödet ... Wie sieht sie denn aus ? « » Guter Rüdiger , sie ist eine Hopfenstange von zwanzig Jahren mit rotem Haar und niedergeschlagenen Augen – mehr weiß ich auch nicht . Ihr Spiegel wird das besser wissen ... Bah , was liegt daran ? ... Ich brauche weder eine schöne , noch eine reiche Frau ; nur tugendhaft muß sie sein – sie darf mich nicht inkommodieren durch Handlungen , für die ich mit einstehen müßte – du kennst ja meine Ansichten über die Ehe . « Jenes stolz grausame Lächeln , das vorhin die Herzogin erbleichen gemacht , zuckte wieder über sein Gesicht hin – offenbar in der Erinnerung an die » eklatante Revanche « . » Was bleibt mir übrig ? « sagte er nach kurzem Schweigen mit frivoler Leichtigkeit . » Der Onkel hat mir Leos Hofmeister Knall und Fall fortgejagt , weil er nachts im Bette las und konsequent knarrende Stiefel trug , und die Erzieherin hat die üble Gewohnheit , entsetzlich zu schielen und im Vorübergehen Konfekt von den Platten zu naschen – sie ist unmöglich . Ich aber will in der Kürze nach dem Orient gehen , ergo – brauche ich eine Frau daheim ... In sechs Wochen vermähle ich mich – willst du mein Trauzeuge sein ? « Der Kleine trippelte von einem Fuß auf den anderen . » Was will ich denn machen ? Ich muß wohl , « versetzte er endlich halb zornig , halb lachend ; » denn von denen dort « – er deutete nach einer Gruppe flüsternder und herüberschielender Kavaliere – » geht dir keiner mit – darauf kannst du dich verlassen . « » Du , Gabriel , « sagte gleich darauf der kleine Leo aufgeregt zu dem weißgekleideten Knaben , » die neue Mama , die kommt , ist eine Hopfenstange – hat der Papa gesagt – und rote Haare hat sie wie unser Küchenmädchen ... Ich kann sie nicht leiden ; ich will sie nicht haben – ich schlage mit der Gerte nach ihr , wenn sie kommt . « 3. » Liane , da sieh her ! Raouls Brautgeschenk ! – Sechstausend Thaler wert ! « rief die Gräfin Trachenberg in das Zimmer herein – dann rauschte die über die Schwelle . Der Salon , in welchen sie trat , lag parterre in einem Seitenflügel des stolzen Schlosses . Seine ganze Vorderseite sah aus wie eine riesige , hier und da von feinem Bleigeäder und sehr schmalen Thürpfeilern unterbrochene Glasscheibe , welche einzig und allein das Fußgetäfel des Zimmers von der draußen in grandiosem Stil sich hinbreitenden Terrasse schied . Ueber das Terrassengeländer hinaus sah man auf breite Rasenflächen , durchschnitten von Kieswegen , deren Kreuzpunkte weiße Marmorgruppen bezeichneten . Dieses elegante Parterre umschloß ein Gehölz , scheinbar undurchdringlich wie ein Wald und gerade der Mittelthür des Salons gegenüber von einer schnurgeraden , fast endlos tiefen Allee durchlaufen , welche ein hochaufspringender , im Maienlicht funkelnder Wasserstrahl vor dem fernen blauduftigen Höhenzug abschloß . Das Ganze – Schloß und Garten – war ein Meisterstück in altfranzösischem Geschmack ; aber ach – aus dem Steingefüge der Terrasse stiegen keck und verwegen ganze Schwärme gelber Mauerblümchen , und die unvergleichlich schön modellierten Rasenflächen sträubten sich in despektierlich wuchernden Unkrautbüschen und fingen an , in die Wege auszulaufen ; die breite Kiesbahn der Allee aber deckte bereits das intensivste Smaragdgrün ... Und auf was alles mußten erst die prachtvollen Stuckfiguren des Plafonds im Gartensalon niedersehen ! ... Sie waren abscheulich blind und wackelig , diese Rokokomöbel an den Wänden ; sie waren vor langen Zeiten als unmodern aus den brillanten Schloßräumen verstoßen worden und hatten alle Stadien der Demütigung durchlaufen müssen bis in die Stallknechtstuben hinab , wo sie dem Sand und Strohwisch verfielen und abgescheuert wurden ... Nun standen sie wieder da auf dem Parkett , hohnlächelnde Zeugen der unerbittlichen Konsequenzen eines herausgeforderten Schicksals . Alle die Prachtmöbel , die sie einst verdrängt , die kostbaren Spitzengardinen , die Bilder , Uhren , Spiegel , die nach ihnen gekommen , waren dem Hammer verfallen – sie wanderten hinaus nach allen vier Winden , und nur das alte verachtete Gerümpel durfte bleiben und wurde ängstlich reklamiert ; denn es gehörte zum Fideikommiß und durfte nicht verkauft werden , als – die Sequestration über sämtliche Güter des Grafen Trachenberg verhängt wurde . Das war vor vier Jahren geschehen – » ein schmachvolles Zeichen der ruchlosesten Zeit , ein empörender Sieg des Kapitals über das Ideale , den ein gerechter Himmel nie hätte zugeben sollen , « sagte die Gräfin Trachenberg immer . Inmitten des Gartensalons stand eine lange eichene Tafel , an deren einem Ende eine Dame von auffallender Häßlichkeit saß . Fast schreckerregend wirkte der große Kopf mit dem starren , entschieden roten Haar und der vollkommensten Negerphysiognomie unter der zwar zarten , weißen , aber mit Sommersprossen bedeckten Haut . Nur die Hände , die so emsig arbeiteten , waren von leuchtender Schönheit , wie Marmorgebilde . Sie drehte einen blauen Syringenzweig zwischen den Fingerspitzen – man meinte , der Duft müsse von der Blütendolde fliegen und das Zimmer erfüllen , so frisch gebrochen schwankte sie am Stengel ; aber dieser Stengel wurde eben mit einem feinen , grünen Papierstreifen umwickelt – es war eine künstliche Blume . Beim Eintritt der Gräfin Trachenberg fuhr die Dame erschrocken zusammen ; die Blume flog auf die Werkzeuge , und mit eiligen Händen wurde ein weißes Tuch über die Zeugen der Arbeit geworfen . » Ach – die Mama ! « stieß ein junges Mädchen halb murmelnd heraus . Es stand am anderen Ende der Tafel , mit dem Rücken zur Thür . Ueber diesen Rücken hinab fiel es im flammenden Schein wie ein Mantel – die junge Dame hatte das Haar bis an den Scheitel aufgelöst ; gleichmäßig , ohne sich in einzelne Strähnen zu teilen , hing das unglaublich reiche , stark