und so lief ich in atemloser Hast die Allee entlang , direkt auf das Schloß zu . Und ehe ich selbst wußte , wie es kam , stand ich oben auf der Terrasse vor dem Portal und sah mich um mit gewiß angsterfüllten Blicken . Da trat eine Dame aus der Tür , offenbar in der Absicht , nach dem Wetter auszuschauen , denn sie bemerkte mich nicht . In meiner Angst vergaß ich alle Schüchternheit , lief zu ihr hin , erfaßte ihr Kleid und schluchzte : » Ach , nimm mich und Peter mit hinein , wir fürchten uns so sehr . « Die Dame sah ganz überrascht zu mir herunter , dann lächelte sie , und indem sie mich an der Hand faßte und in den Gartensaal führte , fragte sie : » Mein Gott , wie kommst du hierher ? Bist du nicht Pastors kleines Gretchen ? « Ich nickte . » Bekümmert sich denn niemand um dich « , fragte sie weiter , » daß du so wild umherlaufen kannst , wo du willst ? « Damit streifte ein Blick meinen reduzierten Anzug . » Kathrin weiß , daß ich im Walde bin « , sagte ich leise . Es folgten nun noch viele Fragen , die von mir entweder mit Kopfschütteln oder mit Nicken beantwortet wurden , während draußen das Unwetter tobte – » ob ich oft so allein herumstreife ? « , » ob ich gar nichts lernen müsse ? « , » ob ich keine Lust dazu habe ? « und endlich , » wie alt ich sei ? « » Sechs Jahre ? Nun , da ist es aber doch die höchste Zeit , daß etwas geschieht . Hör zu , mein Kind , wenn du jetzt nach Hause kommst , so bestelle deinem Vater , die Frau v. Bendeleben würde ihn morgen früh besuchen , um mit ihm eine Sache von Wichtigkeit zu besprechen . Kannst du das behalten ? « Ich bejahte und wurde , nachdem das Gewitter vorüber war und der Regen aufgehört hatte , sofort nach Hause geschickt , wo man mich wohl kaum vermißt hatte . Mein Vater machte ganz verwunderte Augen ob meiner Bestellung , und Kathrin schüttelte mit dem Kopfe , hatten sich doch die Bendelebens nie um ihre Herrschaft bekümmert , und hatte sie doch manchmal ein Wörtchen von Hochmut fallen lassen . In ihren Augen war der geistliche Stand der erste von der Welt , und daß die Frau Baronin nicht manchmal auf ein gemütliches Kaffeestündchen zur Frau Pastorin selig in die Pfarre gekommen war , konnte Kathrin noch immer nicht verschmerzen . Was mochte sie nur jetzt hier wollen , wo die hübsche , junge Hausfrau nun schon seit einem Jahre in der kalten Erde lag ? Da war das Kopfschütteln Kathrinens wohl sehr gerechtfertigt , und auch ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen . Immer dachte ich an die schöne , vornehme Frau und an den prächtigen Saal , und was sie wohl mit meinem Vater zu besprechen habe am folgenden Tage . Und der Tag kam , und mit ihm Frau v. Bendeleben . Sie ging direkt in meines Vaters Zimmer und blieb lange darin . Dann wurde ich gerufen , und als ich eintrat , sah ich , daß mein Vater die Hand der Dame in der seinigen hielt . Er sah freudig und doch ergriffen aus . » Nun sehen Sie selbst , bester Pastor , wie verwahrlost das kleine Ding ist ! « rief Frau v. Bendeleben , indem sie auf mich zeigte , die ich verlegen an der Tür stehengeblieben war . » Sie haben recht , Frau Baronin « , sagte mein Vater , » und ich bin in der Tat ganz beschämt , daß – ich weiß nicht , wie ich danken – « » Schon gut , Herr Pastor , schon gut « , unterbrach sie ihn . » Wir haben beide Vorteil davon , meine Kinder erhalten eine Gefährtin beim Unterricht und beim Spielen , und die Kleine lernt etwas . Und nun , Gretchen , nicht wahr , du hast auch Lust dazu ? Willst du mit mir gehen und recht fleißig sein ? Willst du Lesen , schreiben , Stricken und Nähen lernen ? « » O ja « , versicherte ich lebhaft , » ich komme mit , es ist so hübsch bei dir – wenn Papa es haben will « , setzte ich leise hinzu und sah scheu zu ihm hinüber . » Ja , mein Kind , und sei dankbar , indem du fleißig bist . Dir wird ein großes Glück zuteil . « Doch das , was er noch sagte , hörte ich kaum . In hellem Jubel stürzte ich hinunter in die Küche , wo Kathrin mit unserem einfachen Mittagsmahl beschäftigt war . » Kathrin , Kathrin ! Ich gehe mit aufs Schloß , ich werde Lesen und Schreiben und – « » Was ist das für ein Unsinn « , unterbrach mich die Alte , indem sie mich zurückstieß . » Was willst du denn auf dem Schlosse ? « Ich stammelte ganz kleinlaut , was zwischen meinem Vater und Frau v. Bendeleben verabredet worden war . Kathrin schlug die Hände über dem Kopfe zusammen . » Daß sich Gott erbarm ' , deshalb kam sie hierher ? « Dann rückte die Alte ihre Haube zurecht und stieg entschlossen die Treppe zu meines Vaters Studierstube hinauf . Ich folgte ihr , aus Angst , sie könne mir die schöne Aussicht wieder zerstören . Mein Vater saß schon wieder über seinen Büchern , Frau v. Bendeleben war fort . » Herr Pastor « , fing Kathrin an , » das Gretel wollen Sie forttun aufs Schloß ? « » Jawohl « , erwiderte mein Vater , etwas ungeduldig über die zweite Störung , » heute gegen Abend wirst du sie hinbringen , aber sauber angekleidet . « » Daß Gott erbarm ' ,