flieht und zurückkehrt und wie träg er die Tage hingehen läßt und wie er durch die Landschaft stürmt und an den Wassertümpeln liegt , wo das Gras hochsteht , und wie er sich des nachts aus dem Schlaf erhebt und die Fenster öffnet und der Ruhe flucht und den Wolken ihre Bewegung neidet . Und wie die Mutter ihm folgt , wenn er in die Kammer schleicht und das Ohr an die Tür preßt und hineintritt und die Kerze brennen sieht und zu ihm geht , an sein Bett geht und vor seinen glänzenden Augen erschrickt , die sich bei ihrem Nahen verfinstern . Und wie sie voll Erinnerung an ihre ersten Sorgen um ihn , erwartend , daß der Abend und der Anblick ihrer Schwäche ihn willfährig machen wird , noch einmal bittet und fleht . Und wie er sie dann anschaut und gleichsam innerlich zusammenstürzt und zu tun verspricht , was sie fordert . Wie er dann in Ansbach beim Lederhändler Hamecher auf den Warenballen sitzt , im langen öden Tor , oder auf den Stufen einer Kellertreppe , oder auf dem Speicher und träumt , träumt , träumt . Und wie sich Herrn Hamechers nachsichtige Verwunderung in Befremdung und dann in Entrüstung verwandelt und er dem Unbrauchbaren nach einem halben Jahr den Laufpaß gibt . Wie dann Jason Philipp noch einmal Gnade für Recht ergehen läßt und einen neuen Schauplatz mit neuen Menschen für pädagogisch ersprießlich hält , schon um Kantor Spindlers verhängnisvollen Einfluß zu mindern . Wie von Bayreuth gesprochen wird und wie niemand Daniels feuriges Erschauern bemerkt , weil ihnen der Name Richard Wagners fremd ist und der Name des dortigen Weinhändlers Maier vertraut . Wie er nach Bayreuth kommt , dem Jerusalem seiner Sehnsucht , und sich zum Scheinfleiß zwingt , um nur bleiben zu dürfen , wo Sonne , Luft und Erde , die Tiere , der Kehricht und die Steine jene Musik aushauchen , von der Kantor Spindler gesagt , daß er sie wohl ahne , aber zu alt sei , um sie zu fassen oder zu lieben . Und wie er ungeachtet seiner Bemühung , den Nützlichen zu spielen , Notenköpfe unter die Fakturen malt und in verlassenen Gewölben sonderbare Gesänge vor sich hinbrüllt und ein ganzes Faß mit Wein auslaufen läßt , weil auf seinen Knien aufgeschlagen die englischen Suiten liegen . Und wie er sich ins Festspielhaus zu einer Probe stiehlt , durch einen beflissenen Wächter hinausgewiesen wird und dabei die Bekanntschaft von Andreas Döderlein macht , der Professor an der Musikschule in Nürnberg ist und unermüdlicher Apostel des neuen Heilandes . Und wie Döderlein zu verstehen und zu helfen nicht ungewillt scheint und viel Vergnügen über den urwüchsigen Enthusiasmus und die flammende Hingabe seines Schützlings äußert . Und wie Daniel , berauscht von der allgemeinen und unverbindlichen Verheißung einer Freistelle an der Schule des Professors bei Nacht und Nebel der Stadt den Rücken kehrt und sich aufmacht , um zu Fuß nach Eschenbach zu wandern ; vor die Mutter hinstürzt ; sich förmlich hinwühlt vor ihr ; bettelt ; beschwört ; fast irre redet ; sie zu bewegen sucht , Jason Philipps Sinn zu ändern , ihr zu erklären sucht , daß sein Leben , seine Seligkeit , sein Blut und Herz an diesem einen Einzigen hängt , und wie sie nun hart wird , die ehedem Gütige , steinhart und eiskalt , und nichts versteht , nichts spürt , nichts glaubt , nur das Schreckliche seiner unheilbaren Verstörung , so nennt sie es , empfindet . Von alledem wäre zu erzählen , aber es sind Ereignisse , so selbstverständlich in ihrer Folge wie daß Funken und Rauch Produkte des Feuers sind ; bestimmbar jedenfalls , oft dagewesen und immer wieder in gleicher Weise wirkend . Es sind althergebrachte Vorurteile von Zigeunerhaftigkeit und Vagabundentum , die in Mariannes Seele nisten , denn all ihre Vorfahren und ihres Mannes Vorfahren haben sich im Handwerk redlich ihr Brot verdient . Sie sieht nicht ein , was durch die Freistelle an Döderleins Anstalt gewonnen sein soll , da Daniel ja nichts besitzt , um sein Leben zu fristen . Er hat beim Kantor Klavierspielen gelernt , will sich auf dem Instrument vervollkommnen und mit dieser Fertigkeit seinen Unterhalt erwerben . Sie schüttelt den Kopf . Er spricht von der Größe der Kunst , von der Beglückung , die ein Künstler geben , der Unsterblichkeit , die er erringen könne , und daß es ihm vielleicht vergönnt sei , etwas zu machen , was nur Einer einmal zu machen imstande sei . Sie hält es für anmaßenden Wahn und lächelt verächtlich . Da wendet er sich in seinem Innern von ihr ab , und sie ist ihm keine Mutter mehr . Als Jason Philipp Schimmelweis vernahm , was im Werke war , scheute er die umständliche Reise nicht und erschien in Mariannes Laden wie ein Racheengel . Daniel fürchtete ihn nicht mehr , weil er nichts mehr von ihm hoffte . Insgeheim mußte er lachen , als er den kurzen und kurzhalsigen Mann in seinem Grimm sah . Dabei flackerten immer noch listige und spöttische Lichter über Jason Philipps rotwangiges Gesicht , denn er hatte eine zu hohe Meinung von sich , um den nichtswürdigen Schwärmereien eines Neunzehnjährigen mit dem ganzen Gewicht seiner Persönlichkeit entgegenzutreten . Während er mit funkelnden Äuglein sprach und das rote Zünglein einige widerspenstige Schnurrbarthaare von den beredten Lippen wischte , stand Daniel an den Türpfosten gelehnt , hatte die Arme über der Brust verschränkt und betrachtete bald seine Mutter , die stumm und altgeworden in der Sofaecke saß , bald das Ölporträt seines Vaters , das ihm gegenüber an der Wand hing . Ein Jugendfreund Gottfried Nothaffts , ein Maler , der verschollen war wie seine übrigen Bilder , hatte es verfertigt ; es zeigte einen Mann von ernster Haltung und erinnerte an einen der fürstlich aussehenden Zunftmeister des Mittelalters . Da erkannte Daniel den Weg , der ihn durch die Geschlechterreihe dorthin geführt hatte , wo