mein Herz an wie eine Frage . Worte strömten aus einem unsichtbaren Munde , wurden lebendig und kamen auf mich zu . Sie drehten sich und wandten sich vor mir wie buntgekleidete Sklavinnen , sanken dann in den Boden oder verschwanden wie schillernder Dunst in der Luft und gaben der nächsten Raum . Jede hoffte eine kleine Weile , daß ich sie erwählen würde und auf den Anblick der Kommenden verzichten . Manche waren unter ihnen , die gingen prunkend einher wie Pfauen , in schimmernden Gewändern , und ihre Schritte waren langsam und gemessen . Manche wie Königinnen , doch gealtert und verlebt , die Augenlider gefärbt , - mit dirnenhaftem Zug um den Mund und die Runzeln mit häßlicher Schminke verdeckt . Ich sah an ihnen vorbei und nach den Kommenden , und mein Blick glitt über lange Züge grauer Gestalten mit Gesichtern , so gewöhnlich und ausdrucksarm , daß es unmöglich schien , sie dem Gedächtnis einzuprägen . Dann brachten sie ein Weib geschleppt , das war splitternackt und riesenhaft wie ein Erzkoloß . Eine Sekunde blieb das Weib vor mir stehen und beugte sich nieder zu mir . Ihre Wimpern waren so lang wie mein ganzer Körper , und sie deutete stumm auf den Puls ihrer linken Hand . Der schlug wie ein Erdbeben , und ich fühlte , es war das Leben einer ganzen Welt in ihr . Aus der Ferne raste ein Korybantenzug heran . Ein Mann und ein Weib umschlangen sich . Ich sah sie von weitem kommen , und immer näher brauste der Zug . Jetzt hörte ich den hallenden Gesang der Verzückten dicht vor mir , und meine Augen suchten das verschlungene Paar . Das aber hatte sich verwandelt in eine einzige Gestalt und saß , halb männlich , halb weiblich , - ein Hermaphrodit - auf einem Throne von Perlmutter . Und die Krone des Hermaphroditen endete in einem Brett aus rotem Holz ; darein hatte der Wurm der Zerstörung geheimnisvolle Runen genagt . In einer Staubwolke kam eilig hinterdreingetrappelt eine Herde kleiner , blinder Schafe : die Futtertiere , die der gigantische Zwitter in seinem Gefolge führte , seine Korybantenschar am Leben zu erhalten . Zuweilen waren unter den Gestalten , die aus dem unsichtbaren Munde strömten , etliche , die kamen aus Gräbern , - Tücher vor dem Gesicht . Und blieben sie vor mir stehen , ließen sie plötzlich ihre Hüllen fallen und starrten mit Raubtieraugen hungrig auf mein Herz , daß ein eisiger Schreck mir ins Hirn fuhr und sich mein Blut zurückstaute wie ein Strom , in den Felsblöcke vom Himmel herniedergefallen sind - plötzlich und mitten in sein Bette . - Eine Frau schwebte an mir vorbei . Ich sah ihr Antlitz nicht , sie wandte es ab , und sie trug einen Mantel aus fließenden Tränen . - Maskenzüge tanzten vorüber , lachten und kümmerten sich nicht um mich . Nur ein Pierrot sieht sich nachdenklich um nach mir und kehrt zurück . Pflanzt sich vor mich hin und blickt in mein Gesicht hinein , als sei es ein Spiegel . Er schneidet so seltsame Grimassen , hebt und bewegt seine Arme , bald zögernd , bald blitzschnell , daß sich meiner ein gespenstiger Trieb bemächtigt ihn nachzuahmen , mit den Augen zu zwinkern , mit den Achseln zu zucken und die Mundwinkel zu verziehen . Da stoßen ihn ungeduldig nachdrängende Gestalten zur Seite , die alle vor meine Blicke wollen . Doch keines der Wesen hat Bestand . Gleitende Perlen sind sie , auf eine Seidenschnur gereiht , die einzelnen Töne nur einer Melodie , die dem unsichtbaren Mund entströmen . Das war kein Buch mehr , das zu mir sprach . Das war eine Stimme . Eine Stimme , die etwas von mir wollte , was ich nicht begriff ; wie sehr ich mich auch abmühte . Die mich quälte mit brennenden , unverständlichen Fragen . Die Stimme aber , die diese sichtbaren Worte redete , war abgestorben und ohne Widerhall . Jeder Laut , der in der Welt der Gegenwart erklingt , hat viele Echos , wie jegliches Ding einen großen Schatten hat und viele kleine Schatten , doch diese Stimme hatte keine Echos mehr , - lange , lange schon sind sie wohl verweht und verklungen . - - - Und bis zu Ende hatte ich das Buch gelesen und hielt es noch in den Händen , da war mir , als hätte ich suchend in meinem Gehirn geblättert und nicht in einem Buche ! - - Alles , was mir die Stimme gesagt , hatte ich , seit ich lebte , in mir getragen , nur verdeckt war es gewesen und vergessen und hatte sich vor meinem Denken versteckt gehalten bis auf den heutigen Tag . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Ich blickte auf . Wo war der Mann , der mir das Buch gebracht hatte ? Fortgegangen ! ? Wird er es holen , wenn es fertig ist ? Oder sollte ich es ihm bringen ? Aber ich konnte mich nicht erinnern , daß er gesagt hätte , wo er wohne . Ich wollte mir seine Erscheinung ins Gedächtnis zurückrufen , doch es mißlang . Wie war er nur gekleidet gewesen ? War er alt , war er jung ? - Und welche Farben hatten sein Haar und sein Bart gehabt ? Nichts , gar nichts mehr konnte ich mir vorstellen . - Alle Bilder , die ich mir von ihm schuf , zerrannen haltlos , noch ehe ich sie im Geiste zusammenzusetzen vermochte . Ich schloß die Augen und preßte die Hand auf die Lider , um einen winzigen Teil nur seines Bildnisses zu erhaschen . Nichts , nichts . Ich stellte mich hin , mitten ins Zimmer , und blickte auf die Tür , wie ich es getan - vorhin ,