lassen . Und vielleicht , wenn Tulla Dir sitzt ... Du wirst mit ihr sprechen - sie könnte Dich lieb gewinnen . Du könntest ihr zur Wohltäterin werden , wie Du es dem Vater geworden bist ... « » Viktor , « sagte sie ergriffen . Er nahm sich zusammen . » Nun - also vermittle das mit Allert - Du wirst es ihm schon plausibel machen , woher gerade ich das Vertrauen zu ihm habe ... « » Nein , « unterbrach sie ihn mit fester Stimme . » Kein Geld von Dir . Ich weiß , ich bin Dir die Nächste auf der Welt . Aber unseres Lebens wirtschaftliche Formen teilen wir ja nicht - seelische Anrechte soll man nicht verquicken mit diesen brutalen Dingen . Allert wird Auswege finden - er schreibt von Banken - gewiß , alles wird gut werden ... « » Sei keine unpraktische Idealistin , « schalt er . » Ich bin es nie . Meine Existenz , bescheiden zwar , doch wohlgegründet , zeigt es . Aber in dieser Frage laß mich ' s sein . « » Ueberlege ! Wenn wir uns wiedersehen , komme ich darauf zurück ... Das heißt , ich meine Donnerstag - übermorgen bei den Daisters kann man dergleichen nicht behandeln . « » Welche kindliche Freude ich habe , in eine Gesellschaft zu gehen , wenn ich weiß : Du bist da - man spricht und sieht sich doch - ist ' s auch manchmal nur ein kurzer Augenblick . Weißt Du wohl noch , es war auch bei den Daisters , wo ich die Freude hatte , bei einem Diner Dich als Tischherrn zu bekommen ... Denke Dir , wahrscheinlich hängt da ein Auftrag in der Luft . Eine Verwandte von Frau Daister ist bei ihr zum Besuch - die will sich malen lassen - oder hat eine Tochter , die gemalt werden soll - ich verstand nicht ganz am Telefon die dringliche Mahnung von Thea Daister , jedenfalls zu kommen ... « Sophie lachte in sich hinein . » Als ob man mich mahnen müßte ! Wo ich Aussicht habe , Dich zu treffen . Wir haben ohnehin so wenig Häuser zusammen . Und ich weiß wohl , Du bringst mir Opfer , wenn Du ausgehst ... « » Wenn ich nur mehr Zeit hätte ! Das Amt frißt einen auf . Ja - übermorgen - ich denke - das kleine Unwohlsein wird dann überwunden sein - - Liebe , darf Therese mir nicht ein Auto von der Ecke heranrufen - mir ist , als könnte ich nicht mal die paar Schritte gehen . Sophie erschrak von neuem . Ihr schien , daß der Ausdruck von Elend sich auf seinem Gesicht verschärft habe . Aber doch - er sprach ja von übermorgen - dachte in Gesellschaft zu gehen . » Heute solltest Du Dir Ruhe gönnen , « bat sie dringend , » gleich einen Arzt fragen - wenn Du Verdacht hast , daß eine Auster « - - » Du hast recht , « sagte er , » ich will nach Hause fahren - Geschäfte Geschäfte sein lassen . Hier , bewahr ' mir das ... Ein paar Tage - morgen komm ' ich keinesfalls - vormittags Konferenz , nachmittags Vortrag bei Majestät - abends habe ich die Herren meines Ressorts zu Tisch - übermorgen die Deputation rheinländischer Textilindustrieller - wegen der neuen Zölle auf Kunstseidenfäden - nachmittags treffen die Vettern meiner Frau ein - Rücksprache über die Finanzverwaltung des Familienbesitzes - abends bei den Daisters ... Ja , so wird ' s gerade der Donnerstag , bis ich das abhole ... « Sie legte die Hand auf die Mappe , im schweigenden Versprechen , sorgsam das Anvertraute zu bewahren . » Und - nicht wahr ? - Du läßt sofort Czermack rufen ! « beschwor sie ihn . Da mußte er doch lächeln . » Was Czermack wohl dazu sagte , wenn man ihn wegen eines verstimmten Magens belästigte ! Ich denke , mein guter , alter Kummerfeld reicht mit seinem Wissen für den Fall . « » Und ich bekomme morgen ein Wort . Eine Depesche ... Eine Zeile ... « » Ganz bestimmt , wenn sich ein Unwohlsein entwickelt , das mich etwa gar übermorgen von Daisters fernhält - aber sei unbesorgt - ein kleines drastisches Mittel , und alles ist morgen vergessen . « » Ich hoffe ! « sagte sie zuversichtlich . » Adieu , Liebe ! « Er küßte ihr die Stirn . Später bildete sie sich immer ein , er habe es in einer seltsam wehmütigen , feierlichen Art getan . Jetzt stand sie und dachte voll Angst nach . Aber ihre mutige Natur kämpfte gegen die Angst . Sie dachte : wir Frauen sind gleich so erschrocken , wenn großen , stattlichen Männern etwas fehlt . Es scheint wider des Mannes Wesen zu sein , daß er brüchig aussieht . Man liebt so die Ganzheit der Kraft am Manne . Und er selbst , der Mann , hat den naiven Anspruch , daß ihm nichts fehlen dürfe , daß die kleinen Leiden des Körpers unser weibliches Teil seien ; das macht ihn zum unleidlichen Patienten ... Und aus diesen Gedanken erwuchs ihr dann der Kummer , daß sie ihn nicht hegen und pflegen dürfe - ach , alle Unleidlichkeiten und alle seine Ungeduld würde sie mit Entzücken ertragen haben , um ihm wohltun zu dürfen . Es ging ihm vielleicht schlecht . Und dann hatte er niemand um sich als diese Dienerschaft , die zahlreich , aber schlecht war , weil sie alle paar Wochen wechselte ... Ob seine Tochter wohl die Geschicklichkeit besaß , einen Leidenden zu pflegen ? Den Wunsch gewiß . Denn er sprach oft davon , daß seine Tochter ihn liebe und nur von der Mutter förmlich mit Gewalt von ihm fortgeleitet werde ... Aber wahrscheinlich bedurfte er gar keiner Pflege - morgen war das kleine Unwohlsein vergessen . Austern ?