deren Ende jetzt die breite Gestalt des Baron Port erschien und langsam herankam . Er war von seinem Nachmittagschlafe aufgestanden und schien verstimmt , er begrüßte die Baronesse kurz und setzte sich an den Tisch . » Wir sprechen von der Fastrade , « sagte die Baronin , » sie kommt endlich nach Hause . « Der Baron machte eine abwehrende Handbewegung und beugte sich über die Teetasse , welche seine Tochter vor ihm hingestellt hatte . » Und Ihre Gertrud kehrt ja auch wieder zu Ihnen zurück « , versetzte die Baronesse . Da begann der Baron zu sprechen , heiser und undeutlich , als läge ihm nichts daran , daß er verstanden werde : » Ja , zurück kommen sie alle , aber wie ? Die Nerven kaputt , zerzaust wie die Hühner nach dem Regen , der arme Warthe hatte ganz recht , keine will auf dem Posten bleiben . Früher hatten die adeligen Fräulein nie solche Talente , die ausgebildet werden mußten , das ist auch so die neue Zeit . « Dieses knarrende Schelten schien ihm wohlzutun , er fuhr daher fort , verbiß sich in seinen Ärger : » So bin ich gestern bei Dachhausens zu Mittag . Na , daß es dort nach Finanz riecht , dafür können sie nichts , sie ist ja eine Fabrikantentochter , aber er ist ein braver Junge , und einer der Unseren . Gut , es wird also ein Rehbraten serviert , einer unserer ehrlichen , heimatlichen Böcke , aber ringsum auf derselben Schüssel liegen so halbe Orangeschalen voll Orangegefrorenem , so das süße Zeug , das man beim Konditor kriegt . « » Ist das gut ? « fragte die Baronesse teilnehmend . Der Baron zuckte mit den Schultern : » Gut ! In Berlin und Paris versucht man mal so abenteuerliches Zeug , aber hier bei uns - ich kann mir nicht helfen , mir kommt so was pervers vor . Na und unser anderer Nachbar , der Egloff in Sirow , daß er sein Haar gescheitelt trägt wie ein Mennonitenprediger , ist seine Sache , das soll amerikanisch sein . Also vorigen Tag war ich Geschäfte wegen bei ihm , da stellte er mir so einen kleinen Kerl vor , schwarz wie ein Tintenfaß , der ist ein portugiesischer Marquis , und einen langen Grauhaarigen mit einer blauen Brille , der ist wieder ein polnischer Graf . Und die Großmutter , die alte Baronin , sieht diese unheimlichen Leute strahlend an und freut sich , daß ihr Dietz so vornehme Bekannte hat . Und wenn sie abends in ihrem Zimmer sitzt und sich von dem Fräulein Dussa die frommen Bücher vorlesen läßt , dann horcht sie hinaus auf das Toben der Herren im Spielzimmer und ist glücklich , daß ihr Dietz sich so gut unterhält dort am grünen Tisch , wo er das Familienvermögen riskiert . « Der Baron schüttelte sich wie von Widerwillen übermannt und schloß düster : » Eins weiß ich , ich werde diese Komödie nicht mehr lange anzusehen haben , mein Parkettsitz wird bald leer sein . « Alle schwiegen ; die Dämmerung war vollends hereingebrochen . Als ihr Vater zu sprechen begonnen , hatte Sylvia sich erhoben und ging lautlos die Zimmerflucht auf und ab , zuweilen blieb sie an einem Fenster stehen und schaute hinaus auf den schwefelgelben Streifen , der am Abendhimmel über dem schwarzen Walde hing . Eine , die bleich und nachdenklich auf ihrem Posten geblieben war . Da die Dunkelheit kam , machte die Baronesse sich auf den Heimweg . Als sie im Wagen saß , sagte sie sich , daß es dort bei Ports nicht eben heiter gewesen war , aber sie hatte sprechen können , und das empfand sie wie eine Erleichterung nach allem Schweigen . Drittes Kapitel Es war reichlich Schnee gefallen , die Abenddämmerung lag blau über der weißen Decke . Die Baronesse Arabella hatte zwei Lampen im großen Saal anzünden lassen und ging nun unablässig dort auf und ab , die eingefallenen Wangen leicht gerötet . Oft blieb sie stehen und lauschte hinaus auf ein Schellengeläute , das fern von der Landstraße herübertönte . Solchem Schellengeläute zuzuhören , wie es von der Straße herklang , an den Biegungen schwächer wurde , wie es sich entfernte oder näher kam , war ihr stets eine gewohnte Beschäftigung an stillen Winterabenden gewesen , und wie bedeutungsvoll war dieses Geläute zuweilen , an dem Abend , da Fastrade von ihnen fuhr , und wiederum an jenem Abend , da die Glocke der Estafette immer näher kam , welche die Nachricht von des armen Bolko Tode brachte . Seitdem schien es der Baronesse , als könnte sie aus den Stimmen der Schellen etwas von dem heraushören , was dort auf der Landstraße zu ihr herankam . Heute , glaubte sie , heute klängen die Schellen besonders hell und erregend , es war Fastrade , die da kam . Die alte Dame freute sich , aber in dieser Freude lag eine Aufregung , die sie fast schmerzte . Jetzt war das Geklingel ganz nahe , es machte einen großen Bogen im Hofe und hielt vor der Freitreppe . Geräuschvoll öffnete Christoph die Haustüre . Die alte Dame stand regungslos da und horchte auf die Schritte im Flur . Fastrades Stimme mit ihrem metalligen Schwingen sagte . » Guten Abend , Christoph , wie unverändert Sie sind , nur grau sind Sie geworden . « - » Wir sind hier alle grau geworden , gnädiges Fräulein « , erwiderte Christoph . Jetzt öffnete sich die Tür , und Fastrade stand da in ihrer hübschen , aufrechten Haltung . Über dem schwarzen Trauerkleide nahm sich der blonde Kopf , das runde , von der Fahrt leicht gerötete Gesicht wunderbar hell und farbig aus . Sie lächelte ihr Lächeln , das ihr so leicht auf die Lippen stieg , und die Augen , von der Dämmerung verwöhnt , blinzelten in das Licht . Die Baronesse stand noch immer